Augenuntersuchung (Foto: dpa)

Neue Therapie bei Makula-Degeneration

Steffani Balle   23.04.2018 | 11:45 Uhr

Zwei bis drei Millionen Menschen in Deutschland leiden unter der altersbedingten Makula-Degeneration, die zu Blindheit führen kann. Allein in der Augenklinik Sulzbach werden jedes Jahr rund 10.000 Patienten mit dieser Diagnose behandelt. Wobei „behandelt“ bislang bedeutet, dass nur rund zehn Prozent aller Patienten tatsächlich geholfen werden kann. Nun gibt eine neue Methode, die deutlich mehr Patienten helfen soll. Sie basiert auf einer Stammzellentherapie und könnte möglicherweise ab 2019 in der Sulzbacher Augenklinik zum Einsatz kommen.

Peter Szurmann leitet die Augenklinik Sulzbach. Rund 10.000 Mal im Jahr haben er und sein Team einen Patienten mit Makula-Degeneration auf dem Behandlungsstuhl. Die Makula-Degeneration sei eine Volkskrankheit, die langsam zu einer Sehverschlechterung bis hin zu einer Erblindung führe, sagt Szurmann. "Dabei ist vor allem das Sehzentrum betroffen, das in seiner Funktion immer schlechter wird, weil es nicht mehr gut ernährt, nicht mehr richtig durchblutet wird." Dadurch würden genau die Zellen zugrunde gehen, die für eine gute, zentrale Sehschärfe wichtig seien.

Meist beginnt die Krankheit in den Lebensjahren ab 50, häufiger ab 70. In den meisten Fällen ist es die trockene Makula-Degeneration, die sich ausbildet und sie kann bisher nicht behandelt werden. Doch nun gibt es Hoffnung: eine Stammzellentherapie. Dies ist eine völlig neue Methode, die ab dem nächsten Jahr an der Augenklinik Sulzbach europaweit das erste Mal angewendet werden soll.

Audio

Neue Heilung-Methode bei Makula-Degeration
Audio [SR 3, Steffani Balle, 10.04.2018, Länge: 03:25 Min.]
Neue Heilung-Methode bei Makula-Degeration

Das Prinzip

Boris Stanzel leitet an der Augenklinik Sulzbach das Makula-Zentrum und ist Stammzellen-Spezialist am Fraunhofer-Institut. "Stammzellen sind funktionierende Zellen, die kaputte Zellen ersetzen und durch die Zellfunktion dann die normale Gewebefunktion wieder herstellen", beschreibt Stanzel das Prinzip. Allerdings halten diese neuen Zellen die Krankheit nur auf, eine Rückbildung der abgestorbenen Zellen ist auch durch diese neue Methode nicht möglich.

Die nötigen Stammzellen sollen aus eigenen Zellen des Patienten gewonnen werden. Etwa aus Haut- oder Blutzellen. Diese Ursprungszellen werden dann durch Gentechnik zu Stammzellen zurückprogrammiert und dann zu Netzhautzellen aufgebaut. Das erfolgt im Fraunhofer-Institut und die Augenklinik hat den entsprechenden sterilen Reinraum, um die so gewonnenen Stammzellen OP-fertig herzurichten. Diese werden dann durch feinst-chirurgischen Einsatz direkt an die erkrankte Stelle im Auge transplantiert.

Erste Behandlung für 2019 geplant

Bis diese Methode jedoch zur Anwendung kommt, wird es noch etwas dauern: "Das Ziel ist, dass 2019 die erste Zelltherapie zur Behandlung der Makula-Degeneration zustande kommt. Das ist dann auch die erste Therapie in Europa, die zur Verfügung steht", sagt Klinikchef Peter Szurmann. Derzeit werden Patienten in das Register aufgenommen, die möglicherweise für die Behandlung in Frage kommen.


Video

Video [aktueller bericht, 10.04.2018, Länge: 3:15 Min.]
Sulzbacher Augenklinik stellt Stammzellen-Therapie gegen AMD vor
Zwei bis drei Millionen Menschen in Deutschland leiden unter der Augenkrankheit Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD), eine Erkrankung der Netzhaut, die zur vollständigen Erblindung führen kann. Eine neuartige Stammzellen-Therapie soll diesen Patienten bald besser helfen können. Die Augenklinik Sulzbach hat am Dienstag die neue Methode vorgestellt.

Über dieses Thema wurde auch in den "Bunten Funkminuten" am 23.04.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichet.

Artikel mit anderen teilen