verschiedene Milchprodukte (Foto: picture alliance / Hans-Joachim Rech)

Lebensmittelunverträglichkeit: Realität oder Einbildung?

Quelle: Interview Gerd Heger/Dr. Patrizio Merloni   06.08.2018 | 11:45 Uhr

Wenn man heute Gäste einlädt, muss man sich nicht nur Gedanken darüber machen, was man kocht, sondern auch wer was nicht verträgt. Gefühlt häufen sich die Fälle, dass Menschen bestimmte Lebensmittel nicht vertragen. Doch ist das wirklich so? Der Gastro-Enterologe Dr. Patrizio Merloni kennt sich als Spezialist für den Magen-Darm-Trakt mit dem Thema aus.

Gefühlt häufen sich die Fälle, dass Menschen bestimmte Lebensmittel nicht vertragen. Doch gibt es diese Lebensmittelunverträglichkeiten wirklich? Ja, sagt der Gastro-Enterologe Dr. Patrizio Merloni. "Man schätzt, dass in Deutschland etwas 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen sind." Dabei werde unterschieden zwischen den Nahrungsmittelunverträglichkeiten und den Nahrungsmittelallergien, wobei erstere häufiger auftreten, sagt der Spezialist für den Magen-Darm-Trakt.

Was ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit werde das Nahrungsmittel selbst nicht vertragen und kann nicht verwertet werden. Meistens fehle dem Körper ein entsprechendes Enzym, sagt Dr. Merloni. Die mit am häufigsten auftretende Nahrungsmittelunverträglichkeit sei die Laktoseintoleranz.

Einheiltliche Symptome bei einer Unverträglichkeit gibt es nicht, "aber wenn ein bestimmtes Nahrungsmittel wiederholt Beschwerden verursacht, dann sollte man mal an eine Unverträglichkeit denken", so der Mediziner.

"Chamäleon der Medizin"

Problematisch sei es bei Gluten. Die Glutenunverträglichkeit werde auch als "Chamäleon der Medizin" bezeichnet, denn die Symptome könnten sehr vielschichtig sein: Durchfall, Blutarmut bis hin zu neurologisch-psychiatrischen Auffälligkeiten.

Behandlung von Unverträglichkeiten

Eine Heilung von Lebensmittelunverträglichkeiten sei nicht möglich, sagt Dr. Merloni. In bestimmten Fällen gebe es aber die Möglickeit, das medikamentös zu ersetzen, was fehlt - so zum Beispiel das Enzym Laktase bei der Laktose-Intoleranz. Auch für Menschen, die an Gluten-Intoleranz leiden, könnte es bald Hoffnung geben. Die Industrie arbeite an einem Medikament, das das Gluten neutralisiere und damit unschädlich mache.

Vorsicht bei Lebensmittelallergien

Wenn im Haushalt jemand an einer Lebensmittelallergie leidet, dann empfiehlt der Gastro-Enterologe besondere Vorsicht, denn eine Nahrungsmittelallergie kann durchaus gefährlich werden, vor allem auch bei Kindern. Wenn ein Kind beispielsweise eine Nussallergie hat, "dann sollte die Nuss im ganzen Haushalt tabu sein". Der Grund: "Die Nahrungsmitteleiweiße, auf die wir allergisch reagieren, können sehr umweltstabil sein." Das bedeutet: "Sie können auch an Türklinken oder am Tisch haften und das Kind kann auch über diesen Weg das allergene Eiweiß aufnehmen."

Audio: Interview zum Trend "Selbstdiagnose: Nahrungsmittelunverträglichkeit"

Interview zum Trend "Selbstdiagnose: Nahrungsmittelunverträglichkeit"
Audio [SR 3, Interview: Christian Job, 06.08.2018, Länge: 03:24 Min.]
Interview zum Trend "Selbstdiagnose: Nahrungsmittelunverträglichkeit"

Über dieses Thema wurde auch in den "Bunten Funkminuten" am 06.08.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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