Ein Mann sitzt am Fenster und blickt auf das Coronavirussymbol (Foto: pixabay/geralt)

Was tun, wenn ich in der Quarantäne krank werde?

Lena Schmidtke / Onlinefassung: Jessica Sproß   24.02.2021 | 12:00 Uhr

Im Kampf gegen Corona kommt es entscheidend darauf an, dass Erkrankte das Virus möglichst nicht weiter verbreiten. Für Betroffene und ihre Kontaktpersonen kann darum Isolierung für Erkrankte bzw. häusliche Quarantäne für Kontaktpersonen verhängt werden. Was gilt aber, wenn man während der Quarantäne anderweitig erkrankt? Welche Rechte und Pflichten gelten?

Quarantäne haben mittlerweile schon viele Menschen mitgemacht. Und das ist für die meisten gar nicht schön: daheim festzustecken, nicht mal einkaufen oder spazieren gehen zu dürfen. Richtig unangenehm kann es aber werden, wenn man in der Quarantäne plötzlich anderweitig krank wird oder sich verletzt.

Bericht einer Betroffenen

Was tun, wenn ich in der Quarantäne krank werde?
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 24.02.2021, Länge: 04:43 Min.]
Was tun, wenn ich in der Quarantäne krank werde?

Eine Saarländerin berichtet, dass sie eine Entzündung am Ohr hatte. Mit ihrem Abszess war sie zwar bereits in Behandlung, aber das Ohr ist nicht so geheilt wie angenommen. Währenddessen hat sich ihre Tochter mit Corona infiziert, weshalb die Frau in Quarantäne musste – und gerade dann ist es mit dem Ohr immer schlimmer geworden und zwar so schlimm, dass es behandelt werden musste.

Daher rief sie bei der ersten Klinik an, die sie dann wegen ihrer Quarantäne an eine größere Klinik verwies. Diese zweite Klinik leitet sie wiederum an den Notdienst weiter und der vermittelt sie an einen örtlichen HNO. Aber damit nicht genug: der HNO will sie nur am Telefon behandeln, weil er keine Schutzausrüstung hat und berät die Frau nur am Telefon. Sie hat dann versucht, sich selbst zu behandeln.

Da so ein Abszess allerdings ordentlich behandelt werden muss und die Frau nicht aus dem medizinischen Bereich kommt, entschloss sie sich schließlich einer dritten Klinik angerufen. Sie erzählt, dass es immer schlimmer wurde und der Abszess bereits dunkelrot-blau war. Die dritte Klinik hat den Notfall erkannt: sie konnte direkt hinfahren und ist behandelt worden. „Ich war körperlich total am Ende. Das Ohr ist 4cm aufgeschnitten worden“, berichtet sie. Tatsächlich haben die Ärzte ihr gesagt, dass sie kurz vor der Sepsis war, es also wirklich lebensbedrohlich wurde.

Krank in der Quarantäne - was tun bei bereits geplanten Behandlungen?

Grundsätzliche Dinge: Im Quarantänebescheid steht zum Beispiel, dass dringende Arzttermine oder medizinische Behandlungen wahrgenommen werden dürfen. Also zum Beispiel darf man weiterhin zur Chemotherapie gehen oder zur Dialyse. Das sind dann allerdings geplante Behandlungen, für die eine Bestätigung vom Arzt benötigt wird.

Was tun bei ungeplanten Behandlungen?

Bei solchen ungeplanten Sachen können zwei Fälle unterschieden werden:

  • Krankheiten oder Verletzungen, die nicht akut lebensbedrohlich sind, aber trotzdem innerhalb von ein paar Tagen behandelt werden sollten, wie etwa eine Entzündung: Bei diesen darf natürlich ein Arzt aufgesucht werden. Dieser muss aber über die Quarantäne informiert werden und man muss sich zusätzlich bei der Ortspolizeibehörde abmelden, wenn man sich aus der Quarantäne entfernt.

  • Lebensbedrohliche Verletzungen, dazu zählt etwa ein Herzinfarkt, aber auch, wenn man von der Leiter fällt und sich den Arm bricht: In diesen oder ähnlichen Fällen darf trotz Quarantäne der Krankenwagen gerufen werden – wenn möglich sollte man aber der Rettungsleitstelle Bescheid geben, dass man sich in Quarantäne befindet, damit die sich darauf einstellen können. Und weil es ein Notfall ist, muss man sich auch nicht bei der Ortspolizeibehörde abmelden.

Recht auf Behandlung - auch in der Quarantäne

Auch in Quarantäne besteht das Recht auf Behandlung, wenn es akut ist und nicht aufgeschoben werden kann. So bestätigt die Saarländische Ärztekammer: Liegt akut etwas vor, sei es eine Blinddarmentzündung, ein gebrochenes Bein o.ä., dann muss man zeitnah behandelt werden. Wer das verweigert, verstößt gegen die ärztliche Berufsordnung. Wer da Schwierigkeiten hat, kann sich auch immer an die Ärztekammer wenden.

Ein Thema auf SR 3 Saarlandwelle am 24.02.2021 in der Sendung "Region am Mittag".

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja