Die Logos der Kurznachrichtendienste Twitter (l.) und Mastodon (r.) (Foto: IMAGO / NurPhoto)

Ist Mastodon das neue Twitter?

mit Informationen von Sophia Eickholt   20.11.2022 | 12:55 Uhr

Nach der Twitter-Übernahme Elon Musks vor drei Wochen wollen viele Nutzer die Plattform verlassen. Sie befürchten, dass sich der Kurznachrichtendienst unter Musk massiv verändern wird. Als Alternative wird die dezentrale Plattform Mastodon gehandelt. Doch was steckt hinter dem Trend?

Seit Wochen reißen die Schlagzeilen um die Twitter-Übernahme Musks und deren Folgen nicht ab. Viele Nutzer möchten die Plattform verlassen und suchen nach Alternativen. Die dezentrale Plattform Mastodon soll eine solche sein.

Anmeldung bei Instanzen

Mastodon, benannt nach einem ausgestorbenen Rüsseltier, verwandt mit Elefanten und Mammuts, ist ein dezentrales Netzwerk. Das heißt: Statt einen Besitzer wie Elon Musk bei Twitter gibt es viele verschiedene Server ("Instanzen"), bei denen sich Userinnen und User anmelden können. Trotzdem können alle zusammen im sogenannten „Fediverse“, also im föderierten Universum, miteinander kommunizieren.

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Ist Mastodon das neue Twitter?
Audio [SR 2, Sophia Eickholt, 15.11.2022, Länge: 03:37 Min.]
Ist Mastodon das neue Twitter?

In etwa vergleichbar ist der Aufbau des dezentralen Netzwerks mit dem Schreiben von E-Mails. Auch dort ist es irrelevant, bei welchem E-Mail-Anbieter die Empfänger angemeldet sind. Alle können untereinander kommunizieren. Unter den knapp 5700 Servern ist auch einer aus dem Saarland zu finden.

Server aus dem Saarland

Christian und Andreas sind die Administratoren des Servers social.saarland. Vor vier Jahren wurde der Server gegründet. Diesen betreiben die beiden Administratoren zusammen mit ihrem Team auf Spendenbasis.

Den aktuellen Mastodon-Hype spüren auch die beiden saarländischen Administratoren. Mittlerweile hätten sich um die 300 Mastodon-Nutzer bei ihnen angemeldet.

Wird Mastodon bald das neue Twitter?

Auch der Medienwissenschaftler Michael Seemann glaubt, dass die aktuelle Welle um dezentrale Netzwerke "viel größer ist, als alles was bisher da gewesen ist". Dennoch ist er skeptisch, ob der aktuelle Hype ausreicht, um eine Alternative zu Twitter darzustellen.

Für Seemann liegt das aktuelle Problem Mastodons darin, dass noch die breite Öffentlichkeit fehle, die die Plattform nutzt. Um eine solche Öffentlichkeit zu erreichen, sei Mastodon im Moment noch zu klein.

Kritik an Mastodon

Auch wenn die Idee der dezentralen Netzwerke durchaus zu befürworten sei, von einer grundsätzlichen Demokratisierung der sozialen Medien würde Michael Seemann nicht sprechen. Denn die Föderation, das heißt die Aufteilung auf verschiedene Server, führe auch zu massiven Problemen.

Beispielsweise gebe es dort die Möglichkeit, dass der Moderator auch eine ganze Instanz blockt und von der Kommunikation mit einer anderen Instanz abschneidet – ohne, dass die User dazu befragt würden.

Daher sind sich auch die beiden saarländischen Administratoren bewusst, dass es auf Mastodon noch viel Verbesserungspotential gibt. Die Plattform zu optimieren sei bei Mastodon eine Gemeinschaftaufgabe.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 20.11.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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