Eine Mutter verabreicht ihrer kleinen Tochter Medizin. (Foto: dpa)

Grippe oder Erkältung?

Quelle: Interview mit Dr. Karl Stiller   21.02.2018 | 14:23 Uhr

Eine Erkältungswelle hält die Republik derzeit fest im Griff. Auch die Jüngeren sind betroffen. Husten, Schnupfen und Fieber grassieren in Kitas und Schulen. Die Folge: Es wird eng bei den Kinder-Notdiensten, die drei Bereitschaftsdienst-Praxen in Saarbrücken, Saarlouis und Neunkirchen sind an den Wochenenden völlig überlastet. Und nicht nur das. Man setze seinem Kind, wenn es nur eine Erkältung habe, einem hohen Risiko aus, sagt Dr. Karl Stiller, der Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.

Bei den Kindernotdiensten bestehe zurzeit eine richtige Ausnahmesituation, sagt Dr. Karl Stiller, der Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Es gebe in den Notfalldienstzentralen ein Aufkommen von 130 bis 150 Patienten. Das bedeute: "Der Arzt hat maximal fünf Minuten Zeit für jeden Patienten."

Mit einem Kind, das nur eine Erkältung hat, in eine Notfalldienstzentrale zu gehen, "das ist für das Kind das höchste Risiko, was Sie eingehen können", sagt Stiller. Wenn ein immungeschwächtes Kind mit einer Erkältung sich mit Grippeviren infiziere, dann könne dieses Kind massiv erkranken. Deshalb rät er eindringlich dazu, sich den Gang zur Notfalldienstzentrale wirklich gut zu überlegen, wenn das Kind nur klassische Erkältungssymptome zeigt.

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Interview: "Eine Grippe hat keine Rotznase"
Audio [SR 3, Interview: Christoph Grabenheinrich, 21.02.2018, Länge: 03:34 Min.]
Interview: "Eine Grippe hat keine Rotznase"
Der Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Karl Stiller, im SR 3-Interview.

Grippe oder Erkältung?

Eine Erkältung beginne schleichend, sagt Stiller. "Man hat Schnupfen, Husten, fühlt sich unwohl, die Temperatur steigt leicht auf 38,5 bis 39 Grad an." Und ein weiteres wichtiges Indiz sei die "Rotznase". Bei einer Grippe gebe es keine Rotznase.

Eine Grippe beginne hingegen urplötzlich. "Das ist wie ein Schlag, der einen trifft. Als ob jemand eine Latte über den Kopf gehauen hat", sagt der Kinderarzt. Man fühle sich körperlich völlig zerschlagen, leide an Muskelschwäche und dazu an hohen Temperaturen. Schnupfen und Husten, also die katarrhalischen Zeichen, würden bei einer Grippe erst später auftreten.

Trotz Erkältung raus an die Luft?

Auch wenn das Kind an einer Erkältung leidet, heißt das nicht zwangsweise, dass es die ganze Zeit das Bett hüten muss. Wenn das Kind nur leicht erhöhte Temperatur hat und sich nicht völlig unwohl fühlt rät der Mediziner: "Bitte mit diesen Kinder raus an die frische Luft". Das sei wichtig, damit die Kinder genug Vitamin D tanken können, "denn es ist ein Vitamin, das das Immunsystem außerordentlich fördert." Natürlich sollte man die Kleinen gut einpacken und auch dafür sorgen, dass sie genug trinken. Darüber hinaus empfiehlt er Obst und Gemüse.

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