Eine weggeworfene Maske liegt zwischen Herbstlaub auf einer Straße. (Foto: picture alliance/dpa | Bernd Thissen)

Vor lauter Corona die Grippe nicht aus dem Blick verlieren

Interview: Carmen Bachmann   05.09.2022 | 12:00 Uhr

Der Sommer neigt sich dem Ende zu, die Schule hat wieder begonnen. Über Corona machen sich die Menschen zurzeit weniger Sorgen. Das ist auch in Ordnung so, sagt die Virologin Barbara Gärtner. Was im Herbst komme, könne man im Moment noch nicht sagen. Man sei aber gerüstet. Auf jeden Fall sollte man aber wegen Corona nicht die anderen Krankheitserreger aus dem Blick verlieren - allen voran das Grippevirus.

Maskenpflicht gibt es zurzeit nur noch in klinischen Einrichtungen und für Bahnreisende. Das sei auch okay so, sagt die Virologin Barbara Gärtner. Die Zahl der schwer an Corona Erkrankten sei zurzeit sehr niedrig.

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Virologin Gärtner: "Wir haben in der Pandemie viel zu sehr an Maßnahmen gedacht und nicht an Ziele
Audio [SR 3, Interview: Carmen Bachmann, 05.09.2022, Länge: 06:35 Min.]
Virologin Gärtner: "Wir haben in der Pandemie viel zu sehr an Maßnahmen gedacht und nicht an Ziele
Interview mit der Virologin Barbara Gärtner.

Saarländisches Bildungsministerium
Keine Masken- und Testpflicht zum Schulstart
Das neue Schuljahr im Saarland beginnt ohne Corona-Maßnahmen. Auch wenn die Infektionszahlen steigen sollten, dürfe es zumindest keine Schulschließungen geben, kündete Bildungsministerin Streichert-Clivot am Dienstag an.

Die Omikron BA.5-Welle, die es im Sommer gegeben habe, sei nun wieder abgeebbt. Wie es im Herbst werde, das lasse sich zurzeit nur schwer vorhersagen, so Gärtner. "Vermutlich werden die Infektionszahlen ansteigen. Ob es dann zu schweren Erkrankungen kommt, steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt."

Dass es aktuell auch keine Testpflicht mehr in unseren Schulen gibt, hält die Virologin ebenfalls für okay. "Wir haben in der Pandemie viel zu sehr an Maßnahmen gedacht und nicht an Ziele", sagt sie. Die Frage sei doch: Was wollen wir erreichen mit der Maskenpflicht in Schulen, mit der Testpflicht? Die Zahlen jedenfalls zeigten, dass die Maßnahmen eine Ansteckung nicht verhindert hätten.

Infektion ist auch ein Booster

Es sei einfach eine Realtität, dass wir eine Ansteckung mit dem Corona-Virus nicht wirklich verhindern können, sagt Gärtner. Eine Realität, mit der wir uns abfinden müssten. Hinzu komme, dass eine Infektion ja auch ein Booster für das Immunsystem sei.

Impfen oder nicht impfen?

Keine Sonderimpfungen
Angepasster Corona-Impfstoff ab 12. September im Saarland
In den saarländischen Impfzentren und Arztpraxen soll ab dem 12. September der neue, an die BA.1-Variante angepasste Corona-Impfstoff zum Einsatz kommen. Dabei soll es jedoch beim bisherigen Impfschema für jeden Einzelnen bleiben.

"Wir warten zurzeit noch auf die Impfempfehlung der StiKo für die neuen Impfstoffe", sagt Gärtner. Diese Impfstoffe wurden zusätzlich an die Omikron-Variante angepasst.

Einen Schutz vor einer Ansteckung hätten die vorangegangenen Impfungen in letzter Zeit nicht mehr geboten, "der Schutz vor einer schwereren Erkrankung, der war jedoch immer noch exzellent", sagt die Virologin. Möglicherweise könne man durch die neuen Impfstoffen diesen Schutz noch etwas erhöhen.

Für jüngere Leute, die ihre zweite oder auch dritte Impfung Anfang des Jahres hatten, sieht Gärtner zurzeit keine Notwendigkeit einer erneuten Impfung. In dieser Altersgruppe gebe es durch die vorangegangenen Impfungen "einen guten Schutz vor einer schweren Infektion."

Wie lange die Coronaimpfung vor einer schweren Erkrankung schützt, das hänge auch davon ab, wie lange das Virus kursiert. "Wenn wir uns immer wieder damit anstecken, dann boostern wir auch unsere eigene Immunantwort - und dann bleibt dieser Schutz vor schwerer Erkrankung auch dauerhaft vorhanden."

Bei Grippe gibt es eine Immunitätslücke in der Bevölkerung

Und bei aller Vorsicht vor Corona, sollte man die anderen Krankheitserreger nicht aus dem Blick verlieren, so die Immunologin. Allen voran die Grippe, "und die ist eine enorm gefährliche Erkrankung". In den letzten Jahre habe es kaum Grippefälle gegeben. Es gebe deshalb eine Immunitätslücke in der Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund könnte die nächste Grippewelle eine sehr schwere Grippewelle werden, sagt Gärtner. Doch die gute Nachricht lautet: Gegen Grippe kann man sich impfen lassen.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 05.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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