Spritze (Foto: SR)

"Durch die Coronamaßnahmen haben wir eine geringere Immunität"

Frank Hofmann / Onlinefassung: Kasia Hummel und Laszlo Mura   19.10.2021 | 09:37 Uhr

Das Gesundheitsministerium und die saarländische Ärzteschaft werben bereits seit Längerem für die Grippe-Impfung – und das obwohl es zuletzt deutlich weniger Fälle gab. Der Internist und Kardiologe Dr. Dirk Jesinghaus spricht von 40 Prozent und erklärt, warum es dennoch sinnvoll ist, sich impfen zu lassen.

Im vergangenen Jahr war die Verbreitung der Grippe auch im Saarland deutlich eingedämmt. Der Internist und Kardiologe Dr. Dirk Jesinghaus begründet den Rückgang der Fälle unter anderem damit, dass die allgemeinen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln gegriffen haben und viele der Coronamaßnahmen auch gegen Influenza halfen. Umso wichtiger sei es deshalb, sich in diesem Jahr gegen Grippe impfen zu lassen.

Immunsystem weniger gut gewappnet

Zum einen rechnet Jesinghaus mit Lockerungen dieser Schutzmaßnahmen. Zum anderen spricht der Internist von einer geringeren Immunität. "Wenn wir diesen Viren begegnen, haben wir einen etwas geringeren Schutz, weil wir auch mit banalen grippeähnlichen Erregern nichts mehr zu tun haben."

Auch Ältere und Risikopatienten, denen eine Corona-Booster-Impfung empfohlen wird, könnten und sollten sich sogar zeitgleich gegen Grippe impfen lassen. Es gebe schon ganz gute Erfahrungen. Die Impfstoffe würden lediglich in unterschiedliche Stellen verimpft.

Dr. Dirk Jesinghaus empfiehlt die Grippeimpfung
[SR 3, Frank Hofmann, 19.10.2021, Länge: 03:30 Min.]
Dr. Dirk Jesinghaus empfiehlt die Grippeimpfung

Schwangere und Kinder

Eine Empfehlung für die Grippe-Impfung gibt es darüber hinaus auch für Schwangere. „Damit Frauen nicht vom Kind geschädigt werden, haben Schwangere ein runtergefahrenes Immunsystem. Das heißt sie fangen sich gerade auch den Influenza-Infekt leichter ein.“ Deswegen werde geraten, Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zu impfen. Erfahrungsgemäß werde die Impfung gut vertragen.

Zurückhaltender ist Jesinghaus hingegen bei der Impfung von Kindern. „Erfahrung und Zulassung für den Grippe-Impfstoff gibt es tatsächlich oberhalb von sechs Monaten.“ Weil die Influenza bei Kindern aber nur sehr milde verläuft, werde geraten, Kinder nur dann impfen zu lassen, wenn sie eine schwere Grunderkrankung haben. Dazu zählt der Internist zum Beispiel eine rheumatische Erkrankung oder schwere Atemwegserkrankungen. „Ein gesundes Kind sollte man nicht impfen“, so Jesinghaus.


Grippe oder Erkältung?


Eine Erkältung beginnt schleichend. Man hat Schnupfen, Husten, fühlt sich unwohl, die Temperatur steigt leicht auf 38,5 bis 39 Grad an. Und ein weiteres wichtiges Indiz ist die "Rotznase", die es bei einer Erkältung gibt, aber nicht bei einer Grippe.

Eine Grippe beginnt in der Regel urplötzlich, wie aus dem Nichts. Man fühlt sich körperlich völlig zerschlagen, leidet an Muskelschwäche und dazu an hohen Temperaturen. Schnupfen und Husten, also die katarrhalischen Zeichen, treten bei einer Grippe in der Regel erst später auf.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 19.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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