Ein Mann sitzt vor einem brennenden Holzofen (Foto: SR Fernsehen)

Giftige Gemütlichkeit?

Onlinefassung: Andree Werner   22.11.2018 | 07:05 Uhr

In Deutschland pusten fast 16 Millionen Kaminöfen mehr krebserregende Feinstäube in die Luft als der gesamte Straßenverkehr. Derzeit sind es pro Jahr ca. 28.000 Tonnen. Die Feinstäube, die bei der Verbrennung von Holz entstehen, sind ebenso giftig wie die Feinstaubpartikel im Abgas von Dieselfahrzeugen.

16 Millionen meist mit Holz befeuerter Kaminöfen stehen nach Angaben des Verbandes Haus Heiz und Küchentechnik in deutschen Wohnzimmern - und pro Jahr kommen 400.000 hinzu. Sie sorgen jedoch nicht nur für Behaglichkeit, sondern belasten auch die Luft - vor allem mit Feinstäuben. In drei Stufen bis zum Jahr 2025 müssen ältere Kamin- oder Kachelöfen nach und nach nachgerüstet oder stillgelegt werden.

Großteil der Öfen erfüllt die Anforderungen

Für Kaminöfen, die seit 2015 in deutschen Wohnzimmern neu eingebaut werden, gelten für Staub und für Kohlemonoxid die Emissionsgrenzwerte der Stufe 2. Für alle anderen Anlagen, die bereits in Betrieb sind, reicht die Schadstoffklasse 1. Das bedeutet, dass in den kommenden zehn Jahren nach und nach alte Kaminöfen entweder nachgerüstet oder stillgelegt werden müssen. Die Schornsteinfeger werden deshalb künftig sämtliche Öfen im Rahmen der sogenannten Feuerstättenschau überprüfen.

Allzu große Sorgen, dass lieb gewordene Kaminöfen die Norm nicht einhalten, seien jedoch unbegründet, sagt Werner Wiesen, zuständig für den Bereich Technik bei den saarländischen Schornsteinfegern. „Wir haben festgestellt, dass ein Großteil der Öfen die Anforderungen schon erfüllt. Die Öfen, die es nicht erfüllen, sind sehr alte Öfen, die 40 Jahre alt sind.“

Infos auf dem Typenschild

Wieviel Feinstaub ein Kaminofen ausstößt, hängt wesentlich davon ab, wie alt er ist, wie er gewartet wird und von welcher Qualität das Holz ist, das verfeuert wird. Deshalb werden die Öfen, bevor sie in den Handel kommen, unter gleichen Bedingungen auf Kohlenmonoxid und Feinstaub getestet. Wann und mit welchem Ergebnis diese Prüfung stattgefunden hat, wird auf dem Typenschild vermerkt. Die Betreiber können deshalb auch selbst nachschauen, ob ihr Ofen die geltenden Anforderungen erreicht.

Zahlreiche Ausnahmen

Und nicht jede Feuerstätte, jeder Herd, der die Schadstoffklassen nicht einhält, muss automatisch stillgelegt werden. Es gelten eine Reihe von Ausnahmen, sagt Schornsteinfegermeister Werner Wiesen. „Das sind Öfen, die der alleinigen Beheizung dienen, wenn die Leute keine andere Heizquelle haben, Grundöfen sind betroffen, dann die offenen Kamine, alte Herde.“ Mit dieser Regelung, die vor allem ältere Menschen im Blick hat, sollen soziale Härten vermieden werden.

Trotzdem gilt: Heizen mit Holz ist ökologisch sinnvoll

Wer sich jedoch jetzt für den Kauf eines Kaminofens entscheidet, sollte unbedingt darauf achten, dass dieser die Schadstoffklasse 2 erreicht, denn in Deutschland pusten Kaminöfen mehr krebserregende Feinstäube in die Luft als der Straßenverkehr. Augenblicklich sind es pro Jahr 28.000 Tonnen. Die Feinstäube, die bei der Verbrennung von Holz entstehen, sind ebenso giftig wie die Feinstaubpartikel im Abgas von Dieselfahrzeugen. Trotzdem sei Holz eine Alternative zu Öl oder Gas, sagt Umweltexperte Schwan. Viel hänge von der Bedienung des Ofen und der Qualität des Brennstoffes ab: „Wenn die Betreiber darauf achten, dass sie nur zugelassene, trockene Brennstoffe in ihren Öfen einsetzen, ist die Verbrennung von Holz ökologisch sinnvoll.“


Audio

Kamin: Giftige Gemütlichkeit?
Audio [SR 3, (c) SR 3 Yvonne Schleinhege, 22.11.2018, Länge: 02:30 Min.]
Kamin: Giftige Gemütlichkeit?
Herbst- und Winterzeit ist für viele Menschem im Saarland auch Kaminzeit. Wohlige Wärme, dazu das Knistern des Feuers...das hat auch etwas Gemütliches. Umweltfreundlich und gesundheitlich völlig unbedenklich ist diese Wärme allerdings nicht. SR-Reporterin Yvonne Schleinhege berichtet.

Über dieses Thema wurde auf SR 3 Saarlandwelle am 22.11.18 in der Sendung "Guten Morgen" berichtet.

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