Interview: "Wir sprechen mittlerweile von der Volkserkrankung Vorhofflimmern"

Vorhofflimmern - eine Volkskrankheit

Interview: Carmen Bachmann/Dr. Florian Custodis   05.11.2018 | 11:45 Uhr

„Herz außer Takt“ heißt das Motto der diesjährigen Herzwochen. Es geht um das Vorhofflimmern - eine tückische Krankheit, die zudem zu den Hauptrisikofaktoren für den Schlaganfall zählt. Und nicht nicht nur Ältere können betroffen sein. Auch junge Menschen sind - je nach genetischer Veranlagung und Lebensstil - gefährdet.

Dr. Florian Custodis ist Chefarzt der Kardiologie am Klinikum Winterberg. Er sagt: "Wir sprechen mittlerweile von der Volkserkrankung Vorhofflimmern." Schätzungen nach seien europaweit rund 15 Millionen Menschen davon betroffen, in Deutschland seien es etwa zwei Millionen Menschen.

Wie erkennt man ein Vorhofflimmern?

Die Symptome eines Vorhofflimmerns können sehr unterschiedlich sein. Die Pallette der Symptome sei sehr breit, sagt Dr. Custodis. Das Spektrum reiche von einfachem Herzstolpern bis hin zum Herzrasen. Letzteres könne oftmals auch mit starker Atemnot oder Engegefühl in der Brust verbunden sein. Auch starkes Schwindelgefühl und sogar Bewustlosigkeit seien als Folgen von Vorhofflimmern möglich, so der Kardiologe Es gebe aber auch Betroffene, die keinerlei Symptome bemerken würden. Dies komme vor allem bei älteren Menschen vor.

Die einfachste Überprüfung des Herzschlages sei, den Puls zu tasten. Einfach am Handgelenk den Puls erfühlen und die Regelmäßigkeit der Schläge prüfen. Ob ein Patient wirklich an einem Vorhofflimmern leidet, lasse sich jedoch im Grunde nur durch ein EKG beweisen, so der Kardiologe. Und selbst das sei nicht in allen Fällen sicher, denn es gebe neben dem kontinuierlichen Vorhofflimmern auch ein Vorhofflimmern, das nur phasenweise auftrete. In solchen Verdachtsfällen empfehle sich ein Langzeit-EKG.

www.herzstiftung.de
Herzwochen "Vorhofflimmern"
„Herz außer Takt“ lautet das Motto der Herzwochen 2018 der Deutschen Herzstiftung im November. Alle Infos zum Thema und eine Übersicht über die Veranstaltungen in der Region gibt es hier.

Was kann man tun?

Vorhofflimmern sollte man auf jeden Fall behandeln, sagt Dr. Custodis. "Wir wissen, dass das Vorhofflimmern einer der Hauptrisikofaktoren für den Schlaganfall ist." Als Schlanganfall-Vorsorge würden deshalb in der Regel blutverdünnende Medikamente verabreicht.

In welcher Form man das Vorhofflimmern behandelt, hänge u.a. davon ab, welche Beschwerden der Patienten habe, sagt der Kardiologe. Bei nur geringen Beschwerden gebe es die Strategie, medikamentös dafür zu sorgen, dass die Pulsrate nicht zu schnell werde. Bei der zweiten Strategie werde versucht, den normalen Herzrythmus wieder herzustellen. Dies könne mithilfe eines kleines Elektroschocks erfolgen - die einfachste Methode. Darüber hinaus sei auch der Einsatz verschiedener Herzrythmus-Medikamente möglich.

Über dieses Thema wurde auch in den "Bunten Funkminuten" am 05.11.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.