Walzenwolfsmilch (Foto: Kerstin Riemer/Pixabay)

Verletzungen durch Pflanzen

Mit Informationen von Katja Preißner   28.02.2020 | 11:08 Uhr

Gärtnern ist eine schöne Sache. Doch Verletzungen gehören bei der Gartenarbeit zum Alltag - und sie können schnell unangenehm werden.

Haus und Garten: Verletzungen durch Pflanzen
Audio [SR 3, Katja Preißner, 28.02.2020, Länge: 05:27 Min.]
Haus und Garten: Verletzungen durch Pflanzen

Sie ist schön, die Walzenwolfsmilch, die auch im Garten von Rita in Schmelz wuchs. Eine Sukkulente, also wasserspeichernde Pflanze, mit langen Trieben und Blättchen in verschiedenen Grüntönen. Bei Rita wurde sie einfach zu groß.

"Im Vorgarten wollte ich die Walzenwolfsmilchpflanze mit der Wurzel entfernen, habe dabei leider keine Handschuhe angehabt", erinnert sie sich. "Dabei lief mir diese weiße Milch über die Hände. Ich habe mir zwar mehrmals die Hände gewaschen, aber das klebte wie Latex."

Milchsaft kann reizen

SR3-Gärtner Harry Lavall kennt das Problem. "Die Wolfsmilch enthält ja einen Milchsaft, und der wirkt für manche Leute reizend. Wenn der dann ins Auge gerieben wird, kann ich mir schon vorstellen, dass das schmerzhaft wird und behandelt werden muss."

Bei Rita reichte schon die Berührung mit der normalen Gesichtshaut. "Das Gesicht schwoll immer mehr an. Es wurde ritzerot, brannte wie Feuer, und ich bekam Kopfschmerzen." Dieser Allergieschock sei dann mit Cortison behandelt worden, sagt sie. Normalerweise sei es ratsam, dann ins Krankenhaus zu fahren.

Aber Rita erholte sich zu Hause, auch wenn die verbrannte Haut noch schmerzte. Schuld war die sogenannte Wolfsmilch, die in allen sogenannten "Euphorbien" fließt – den Wolfsmilchgewächsen. Es gibt sie in allen Größen, vom Blümchen bis zum Baum. Auch der Weihnachtsstern gehört dazu, ebenso die kaktusartige dreikantige Wolfsmilch, eine sehr beliebte Zimmerpflanze.

Besser Handschuhe tragen

Wenn Wolfsmilch auf der Haut klebt, helfen Milch oder fetthaltige Cremes, sie abzukriegen. Trotzdem ist es besser, Handschuhe zu tragen. "Handschuhe stören oft, sie nehmen so ein bisschen das Gefühl für eine Pflanze", sagt Lavall. Aber: "Es gibt Pflanzen, bei denen ich auch vorsichtig wäre, etwa wenn ich Eisenhut im Garten hätte, eine wunderschöne Staude, aber in allen Teilen giftig. Da würde ich Handschuhe anziehen." Gift, so Lavall, sei das Eine, eine Allergie auf einen Inhaltsstoff das Andere.

Was aber, wenn’s passiert ist? Nach dem sommerlichen Werkeln im Garten zeigen sich abends rote Flecken oder Brandblasen, es juckt und schmerzt. Das muss aber weder eine Allergie noch ein Pflanzengift sein. Auch eine Phototoxie ist möglich.

Schutzkleidung nötig

"Das Prinzip muss man sich so vorstellen wie bei einer Brennessel", so Lavall. "Sie hat kleine Brennhaare, die abbrechen, dabei die Haut verletzen und den Wirkstoff freisetzen, der dann in die Haut eindringen kann. Je mehr Sonnenschein, desto größer wird diese verbrennungsähnliche Verletzung." Sonne und der Saft eigentlich harmloser Pflanzen, wie Petersilie, Sellerie, Zitrusfrüchte, können schon bei manchen Menschen allergische Hautreizungen auslösen - auch Wiesengräserdermatitis genannt.

Aber was da nur lästig ist, wird beim Riesenbärenklau gefährlich. "Wenn Sie damit arbeiten: auf jeden Fall Handschuhe anziehen", sagt Lavall. "Und wenn es der Riesenbärenklau ist: die Augen schützen, die Haut schützen. Man muss sich regelrecht vermummen und später dekontaminiert werden. Bevor man die Schutzkleidung auszieht, muss die Schutzkleidung gereinigt werden.“

Dazu müssen die Planzensäfte mit einem Schwämmchen abgewaschen werden. Der Experte empfiehlt Gummi- oder Plastikkleidung, die mit warmem Wasser und Spülmittel abgewaschen werden kann.

Im Zweifelsfall Arzt aufsuchen

Phototoxische Reaktionen treten oft erst Stunden später auf und können sich dann noch verschlimmern. Manchmal bleibt die Haut auch braun – im Zweifelsfall sollte man sie von einem Arzt untersuchen lassen.

Der Riesenbärenklau wächst auch bei uns im großen Umfang, weiß Harry Lavall. "Der bedroht auch Teile unserer heimischen Natur. Er verdrängt unheimlich viel und verbreitet sich ungezügelt, meistens entlang von Fließgewässern. Die Samen sehen ein bisschen aus wie die einer Sonnenblume. Sie schwimmen und werden dann einfach mit dem Wasser verfrachtet. Wo sie landen, keimen sie und sind da.“ Und der Riesenbärenklau sei, so Lavall auch schwer zu bekämpfen, weil er einen starken Wurzelstock bilde.

Bei Hobbygärtnerin Rita in Schmelz war es zwar „nur“ eine Wolfsmilchpflanze – aber das war schlimm genug. "Es handelt sich nämlich um eine Verbrennung", sagt sie. "Das hat fürchterlich gejuckt. Dann habe ich im Internet gelesen, dass Olivenöl mit Honig sofort wirkt. Dann bin ich nachts aufgestanden, habe mir das zusammengerührt, ins Gesicht geschmiert und eine unwahrscheinliche Labsal gespürt. Nach ungefähr drei Tagen war es abgeheilt.“

Über dieses Thema haben auch die "Bunten Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle vom 28.02.2020 berichtet.

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