Im Kiesbeet des Nabu-Naturgartens in Losheim  (Foto: Katja Preißner)

Den Boden im Herbst umgraben oder nicht?

Mit Informationen von Katja Preißner   24.09.2021 | 10:29 Uhr

In den Gärten wird es herbstlich. Jetzt kommen die Gelb- Rot- und Brauntöne, ein bisschen Lila ist noch da; es blühen immer noch Rosen, und die Herbstblüher kommen aus den Startlöchern. Der Herbst ist auch Zeit, eine erste Bilanz des Jahres zu ziehen. SR-Reporterin Katja Preißner war dafür im NABU-Naturgarten in Losheim.

Der NABU-Naturgarten liegt direkt am Losheimer Stausee. Ein schmaler Weg führt an Steinhaufen und Wildstauden vorbei, am Insektenhotel und dem mediterranen Kiesbeet mit Schnittlauch und duftenden Thymianpolstern. Katja Preißner hat unter anderem mit Gärtner Frank Friedrichs gesprochen und mit Julia Michely, der Vorsitzenden des Naturschutzbundes Saarland und dem stellvertretenden Landesvorsitzende beim Naturschutzbund Saarland, Karl Rudi Reiter.

Besser im Herbst umgraben

Wer Gemüse anbauen will, sollte den Boden jetzt umgraben. Ihn liegenlassen, damit der Frost drübergeht und der Boden aufbröckelt. Wer im Frühjahr umgraben will, muss bei langem Frost unter Umständen lange warten. Dann muss sich der Boden noch setzen. Also: besser im Herbst. Der Nachteil beim Umgraben ist aber, dass nützliche Mini-Organismen im Boden kaputt gehen.

Beikräuter mit dem Jäter rausholen

Zu Besuch im Losheimer NABU-Naturgarten
Audio [SR 3, Katja Preißner, 24.09.2021, Länge: 06:07 Min.]
Zu Besuch im Losheimer NABU-Naturgarten

Viele Beikräuter sind Lichtkeimer. Früher haben die Landwirte tief gepflügt, dadurch kamen die Samen der Lichtkeimer in tiefe Bodenschichten und keimten dann nicht mehr. Allerdings halten sich manchen Samen bis zu 20 Jahre im Boden. Wenn dann erneut umgepflügt wurde, und sie ans Licht kamen, wurde die Keimung wieder ausgelöst. Also lieber vorher die Beikrätuer jäten. Und zwar mit den richtigen Werkzeugen.

Frank Friedrichs schwört auf den so genannten "Jäter". Der hat zwei Schneiden. Man braucht ihn nur vor- und zurückzubewegen oder zu drehen und bekommt so das Kraut mit der Wurzel raus. Es gibt ihn als Stiel- und Handjäter. Er hat eine Art Ring aus gebogenemen Metal mit sehr scharfer Klinge.

Blühende Pflanzen auch im Herbst

Julia MIchely ist Biologin und hat ihre Doktorarbeit über das Gedächtnis der Honigbiene geschrieben. Es sei wichtig, sagt sie, den Garten so anzulegen, dass auch im Herbst noch was blüht. Wilde Rosen sollten nicht geschnitten werden. An den Hagebutten, sagt Michely, ernähren sich die Vögel auch im Winter noch. Auch ein bisschen Wasser stehen lassen, damit die Vögel trinken können.

Was wichtig ist für die Insekten, dass der Bewuchs nicht zu dicht wird, dass es ein paar offene Flächen gibt. Dann klappt´s auch mit den geflügelten Gästen, die kommen sollen. Hummeln, verschiedene Wildbienen, Schwebfliegen, auch ganz gewöhnliche Fliegen, es ist noch einiges los im Herbstgarten.

Kein so tolles Gartenjahr

Frank Friedrichs ist nicht sehr glücklich mit diesem Jahr 2021. Es sei ein schlechtes Jahr für alles gewesen. Zwischen den Seerosenblättern und Schilfrohren ist es ruhiger als es sein sollte. Anfang des Jahres hatte er noch ein paar Molche gesehen. dann eine Ringelnatter, Libellen. Für Amphibien sei das wechselhafte, eher kühle Jahr zu stressig gewesen. Sie kamen nicht zum Ablaichen, sagt Karl Rudi Reiter.

Auch bei den Pflanzen ist nicht so viel gewachsen dieses Jahr. Das lag an der vielen Nässe. An Fencheln etwa sind taube Samen dran. Die fallen dann einfach ab. So erzählen dann die Herbstgärten die Geschichte des ablaufenden Jahres.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle am 24.09.2021 berichtet.

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