Adventskalender (Foto: dpa)

Oft eine teure Überraschung: Adventskalender aus dem Netz

Sarah Sassou   25.11.2020 | 10:43 Uhr

Für Kinder ist die Adventszeit die spannendste im Jahr: Jeden Tag erwartet sie eine kleine Überraschung im Adventskalender. Meistens sind das Süßigkeiten oder kleine Spielsachen – allerdings würden diese Artikel häufig überteuert verkauft, warnen Verbraucherzentralen.

"Adventkalender aus dem Internet"
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 25.11.2020, Länge: 05:26 Min.]
"Adventkalender aus dem Internet"

Wegen der Coronapandemie bestellen jetzt viele Menschen ihre Kalender im Internet. Für diese Produkte gelten aber die gleichen Regeln wie im stationären Handel. Aber nicht immer halten sich Hersteller und Anbieter daran.

Grundpreis muss angegeben sein

Bei Lebensmitteln im Adventskalender sind die Verkäufer verpflichtet, Grundpreisangaben zu machen. So können Verbraucher erkennen, wie viel der Adventskalender pro 100 g kostet und nur dann ist ein Vergleich möglich. Die Verbraucherzentrale Bremen hat eine Stichprobe von 64 Kalendern gemacht und festgestellt: Bei 13 fehlte diese Grundpreisangabe. Dies habe nicht nur Drittanbieter, sondern auch Shops der Hersteller betroffen.

Preisaufschlag bei Adventskalendern

Wenn man die gleichen Produkte aus einem Adventskalender mit der regulären Ware vergleicht, die das ganze Jahr über angeboten wird, stellt man häufig fest: Die Adventskalender sind deutlich teurer – manchmal mehr als doppelt so teuer, haben Verbraucherschützer festgestellt. „Und dann sollte man sich als Verbraucher überlegen, ob es überhaupt eine Überraschung ist, oder ob die Beschenkten nicht ohnehin schon wissen, was sie im Kalender erwartet“, sagt Barbara Schroeter von der Verbraucherzentrale Saarland.

Alkohol nicht deklariert 

Eine Überraschung könnte es doch geben: Wenn der Adventskalender mit kindlichem Motiv Alkohol enthält. Die Verbraucherzentrale Bremen hat bei ihren Testkäufen festgestellt, dass die Kennzeichnung auf der Vorderseite noch immer zu oft fehle. „Leider ist es für Hersteller nicht verpflichtend, Alkohol auf der Vorderseite zu kennzeichnen, es wäre jedoch wünschenswert!“, bemängelt die Bremer Verbraucherschützerin Sonja Pannenbecker. Von den 64 im Internet gekauften Adventskalendern enthielten 20 Alkohol. Davon waren nur vier Kalender deutlich gekennzeichnet. Sechs Kalender ohne extra Alkoholhinweis hatten kindliche Motive.

Teure Kalender für Erwachsene

Manche Adventskalender sind dagegen ausschließlich für Erwachsene befüllt. Die Saarbrücker Verbraucherschützerin Barbara Schroeter hat solche Angebote im Internet gefunden. „Da wird der Inhalt von Tee-, Kaffee- oder Gewürzkalendern oft zum Luxusgut, wenn man z.B. bis zu 67 Cent für einen Teebeutel oder über 80 Cent für ein Päckchen Kaffeepulver bezahlt hat.“ Auch für Bier- und Weinfreunde gibt es inzwischen 24 Kalender mit entsprechendem Inhalt, umgerechnet sieben Euro kostet da der Liter, bei den Weinkalendern hat die Verbraucherschützerin ein Angebot für rund 250 Euro gefunden. „Da wissen Sie dann gar nicht: Ist der Wein gut, schmeckt er mir überhaupt?“ Das gleiche gilt für Kalender mit Kosmetikprodukten. „Möglicherweise können Sie gar nicht alles verwenden, was im Kalender drin ist, haben es aber bezahlt. Das ist dann keine schöne Überraschung mehr“, sagt Schroeter. Aus ihrer Sicht ebenfalls problematisch: Kalender mit Nahrungsergänzungsmitteln. Man wisse gar nicht, ob diese für einen geeignet seien oder ob der Körper sie überhaupt brauche.

Spendenkalender

Wer in der Adventszeit Gutes tun will, kann auf Kalender zurückgreifen, aus deren Verkaufserlös ein Teil wohltätigen Zwecken zufließt. Hinter jedem Türchen ist dann vermerkt, an welche Organisationen die Spenden gehen. „Allerdings ist das jeden Tag nur ein ganz kleiner Betrag, wirklich viel ausrichten kann man damit nicht“, sagt Verbraucherschützerin Schroeter. „Wer Gutes tun will, sollte vielleicht einen größeren Betrag an eine Organisation spenden“, rät sie.

Alternative: Selbermachen

Bei den handelsüblichen Adventskalendern fällt viel Verpackungsmüll an: Pappe, Papier, Plastik. Um die Menge zu reduzieren, rät Barbara Schroeter: Adventskalender selber zusammenstellen. „Es müssen auch nicht immer Süßigkeiten sein. Je nach Alter kann man auch kleine Bücher verschenken oder Bastelanleitungen.“ Und dann gemeinsam was Schönes für Weihnachten basteln.

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