Eine Person macht ihre Einkommensteuererklärung. (Foto: picture alliance/dpa/Flashpic/Jens Krick)

Das ändert sich bei der Steuer 2021

Yvonne Schleinhege / Onlinefassung: Axel Wagner   23.12.2020 | 11:52 Uhr

Jahrelang hat die Politik gestritten, nun wird es tatsächlich wahr: Der Soli fällt mit dem Jahreswechsel weg. Für die allermeisten Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bedeutet das ein dickes Plus. Zudem steigt der Grundfreibetrag. Das sind die wichtigsten Steueränderungen zum Jahreswechsel.

Es ist eine der wichtigsten Änderungen zum Jahreswechsel: Nach 30 Jahren fällt für die Meisten der Soli von 5,5 Prozent auf die Einkommensteuer weg. Die Zeitschrift Finanztest geht davon aus, dass 90 Prozent der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen müssen. Insbesondere für niedrige und mittlere Einkommen falle der Soli weg, für höhere werde er dann langsam angepasst, bis er am Ende dann doch noch voll fällig werde, so Aenne Riesenberg von der Finanztest.

1000 Euro mehr

Steueränderungen 2021
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 23.12.2020, Länge: 06:48 Min.]
Steueränderungen 2021

Keinen Soli zahlt, wer 2021 bis zu rund 62.000 Euro zu versteuerndes Einkommen als Single hat. Bei Ehepaaren liegt dieser Wert bei rund 124.000 Euro. Wer zum Beispiel 60.000 Euro zu versteuerndes Einkommen hat, rechnet die Expertin vor, hat aufs Jahr gesehen etwa 1000 Euro mehr. Wer mehr als 62.000 Euro zu versteuerndes Einkommen hat, zahlt den Soli dann in Stufen immer noch.

Hat ein Single über 96.000 Euro Einkommen, oder ein Ehepaar über 193.000 Euro im Jahr, wird der volle Betrag weiterhin fällig. Das trifft auf rund 3,5 Prozent der Steuerzahler zu. Nach wie vor gilt auch, so schreibt es die Verbraucherzentrale NRW, dass auf steuerpflichtige Kapitalerträge der Soli-Zuschlag noch dazu kommt.

Höherer Grundfreibetrag

Eine Steuerersparnis für wirklich jeden bringt der Grundfreibetrag. Das ist der Betrag, der vom Einkommen steuerfrei bleiben muss. 2021 liegt der Grundfreibetrag für Singles bei 9744 Euro – das sind 336 Euro mehr 2020. Für Verheiratete bleibt doppelt so viel vom Einkommen, also 19.488 Euro. Damit haben Arbeitnehmer etwas mehr Geld, da der Fiskus ab Januar 2021 erst bei Einkommen über dem neuen Grundfreibetrag Steuern abzieht.

Mehr Kindergeld oder höhere Freibeträge

Wer Kinder hat, der profitiert im kommenden Jahr vom höheren Kindergeld oder den höheren Kinderfreibeträgen. Das Kindergeld für das erste und zweite Kind steigt auf 219 Euro (+15 Euro), für das dritte Kind auf 225 Euro, ab dem vierten Kind dann auf 250 Euro.

Entsprechend steigen dann auch die Kinderfreibeträge, so Aenne Riesenberg von Finanztest, und erstmalig werde auch der Betreuungsfreibetrag angehoben. Das Ganze wirke sich aber erst für Eltern mit einem mittleren Einkommen aus, so die Expertin, und auch erst mit dem Steuerbescheid 2021.

Tipp für Eltern mit hohen Betreuungskosten

Das Finanzamt prüft von sich aus, ob für den Steuerzahler das Kindergeld oder die Kinderfreibeträge mehr bringen. Hier müssen Eltern nicht handeln. Anders sehe es aus, wenn man durch die Pandemie zum Beispiel höhere Kosten für die Kinderbetreuung hat, etwa weil man einen Babysitter beschäftigen muss, so Aenne Riesenberg. Eltern, auf die das zutrifft, sollten sich einen entsprechenden Freibetrag eintragen lassen.

Auch für Alleinerziehende gibt es mehr Geld: Sie bekommen 2100 Euro zusätzlichen Freibetrag. Das gilt, wenn in dem Haushalt mindestens ein Kind lebt und kein weiterer Erwachsener.

Mehr Pendlerpauschale

Wer Pendler ist und über 21 Kilometer (ein Weg) zum Arbeitsplatz fährt, kann von der gestiegenen Pendlerpauschale profitieren. Ab dem Jahreswechsel bekommt man ab dem 21 Kilometer 35 Cent statt wie bisher 30 Cent. Wer täglich etwa 45 Kilometer pro Weg pendelt, hat am Ende rund 260 Euro mehr als bisher, rechnet die Zeitschrift Finanztest vor.

Damit sollen auch Belastungen abgefedert werden, die sich durch eine neue CO2-Bepreisung von Benzin und Diesel ergibt, schreibt die Verbraucherzentrale NRW. Durch die neue Mobilitätsprämie können auch Geringverdiener davon profitieren.

Homeoffice-Pauschale rückwirkend für 2020

Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr sind viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice. Für 2020 und 2021 kann man bis zu fünf Euro pro Tag von der Steuer (als Werbungskosten) absetzen, um die Mehrbelastungen durch das Arbeiten zu Hause auszugleichen. Maximal gilt dies für 120 Tage; das sind insgesamt bis zu 600 Euro. Wer mehr als 120 Tage zuhause gearbeitet hat, hat Pech gehabt.

Die Pauschale kann jeder in Anspruch nehmen, der in der Arbeitsecke im Wohnzimmer oder mit dem Laptop am Küchentisch arbeitet. Ein festes Arbeitszimmer ist keine Voraussetzung mehr, um die Kosten geltend zu machen. Auch Anschaffungen wie einen Schreibtisch, Drucker, Bürostuhl oder Laptop kann man absetzen, wenn der Arbeitgeber die Kosten nicht übernimmt. Wer ein Arbeitszimmer absetzen kann, sollte das tun, so der Tipp der Expertin Aenne Riesenberg von der Finanztest.

Höhere Pauschbeträge für Menschen mit Behinderung

Nach mehr als 45 Jahren erhöhen sich die Behinderten-Pauschbeträge. Mit der Verdoppelung der Beträge ab dem 1. Januar wird damit ein großer Schritt für die steuerlicher Erleichterung von Menschen mit Behinderung gemacht. Abhängig vom Grad der Behinderung wird der Betrag zwischen 384 und 2840 Euro liegen.

Zudem wird der erhöhte Behinderten-Pauschbetrag auf 7400 Euro angehoben. Diesen erhalten blinde Menschen, sowie Menschen, die als hilflos gelten (entsprechend im Schwerbehindertenausweis angegeben.) Ab 2021 gibt es zudem eine behinderungsbedingte Fahrtkostenpauschale.

Mehr Pflegende können einen Pauschbetrag absetzen

Wer einen pflegebedürftigen Angehörigen in dessen oder der eigenen Wohnung pflegt, kann einen Pflegepauschbetrag absetzen – auch wenn ambulante Pflegedienste helfen. Dieser gibt ab Januar nun auch ab einen Pflegegrad 2 (vorher Pflegegrad 4). Ab Pflegegrad 4 steigt der Betrag um fast das Doppelte (von 924 auf 1800 Euro), so schreibt es die Finanztest in der Januar-Ausgabe. Dadurch werden Pflegende durchaus finanzielle Entlastet.

Weitere Informationen:

  • Stiftung Warentest: https://www.test.de/Steueraenderungen-2021-Fuer-viele-Steuerzahler-ein-dickes-Plus-5690014-0/
  • Verbraucherzentrale NRW: https://www.verbraucherzentrale.nrw/aktuelle-meldungen/verbraucherzentrale/das-aendert-sich-2021-bei-arbeit-ausbildung-und-abgaben-42134

Über dieses Thema haben auch die Bunten Funkminuten auf SR3 vom 23.12.2020 berichtet.

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