Grab auf Friedhof (Foto: SR)

Verbraucherschützer raten von Sterbegeldversicherungen ab

Yvonne Schleinhege   13.01.2021 | 11:03 Uhr

Sterben ist für die Hinterbliebenen meist teuer. Darum möchten viele vorsorgen und schon mal eine Summe für den Fall der Fälle ansparen. Sterbegeldversicherungen sind dabei nicht die beste Möglichkeit.

Verbraucherschützer raten von Sterbegeldversicherungen ab
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 13.01.2021, Länge: 05:46 Min.]
Verbraucherschützer raten von Sterbegeldversicherungen ab

Selbst eine einfache Beerdigung kann schnell mal 3.000 bis 5.000 Euro kosten. Wer vorsorgen will, dass im Todesfall auch genügend Geld zur Verfügung steht, der hat einige Möglichkeiten. Versicherer werben mit speziellen Sterbegeldversicherungen. Eine Alternative sind aber auch Vorsorgeverträge mit dem Bestatter oder man kann das Geld ganz einfach sparen.

Fast alle Versicherer bieten eine spezielle Sterbegeldversicherung an. In der Regel ist die eine Form der Kapitallebensversicherung. Viele Verbraucherschützer sind skeptisch was dieses Versicherungsprodukt angeht. Die Verbraucherzentralen, aber auch der Bund der Versicherten rät in der Regel davon an. Denn in der Regel zahle man viel mehr ein, als man am Ende rausbekommt, so Bianca Boss, Sprecherin beim Bund der Versicherten. Der Knackpunkt sind die hohen Kosten.

Vorsicht im Rentenalter

Die Verbraucherzentralen warnen, dass gerade ältere Personen, etwa im Rentenalter, bei solchen Sterbegeldversicherungen vorsichtig sein sollten. Denn die Höhe des Versicherungsbeitrags richtet sich auch nach der Wahrscheinlichkeit des Ablebens. Gerade bei Älteren seien schnell mehr Beiträge geflossen, als die Hinterbliebenen rausbekommen. Der Bund der Versicherten weist darauf hin, dass sich so eine Police nur rentiert, wenn der Tod früh eintritt, also nicht lange nach der bei Sterbegeldversicherungen üblichen Wartezeit von drei Jahren.

Was tun wenn man eine Sterbegeldversicherung hat

Wer eine Sterbegeldversicherung hat sollte jetzt sicher nicht aus dem Bauch heraus kündigen. Sinnvoll ist sich beraten zu lassen. Bei einigen Anbietern ist es zum Beispiel möglich die Versicherung beitragsfrei zu stellen. Dann zahlt man keine Beiträge mehr, und im Todesfall wird das Kapital ausgezahlt. Hier sollte man bei seiner Versicherung nachfragen. Der Bund der Versicherten biete auch einen Hopp oder Topp-Rechner an, so Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Hier gibt man seine Daten ein und bekommt eine erste Einschätzung zum Vertrag. Auch die Verbraucherzentralen beraten (gegen eine kleine Gebühr) in Versicherungsfragen.

Ganz klassisch: Festgeld oder Sparpläne

Nicht gegen jedes Risiko muss man sich mit einer Versicherung schützen. Man kann das Geld auch einfach selber zur Seite legen. Die 20 Euro die ich vielleicht in eine Sterbegeldversicherung zahle, kann ich dann auch einfach auf ein Bankkonto leben. Möglich sind Tagesgeldkonten, Festgeldkonten oder auch Banksparpläne. Die Zinsen sind bei solchen Produkten allerdings derzeit gering. Außerdem sollte man vor Abschluss prüfen, wie schnell man an das Geld kommt. Möglich ist bei den Banken auch einen Sperrvermerkt für ein Konto zu hinterlegen, damit das Geld dann auch für die Beerdigung genutzt wird und ansonsten geschützt ist. Zum Beispiel können Erben dann nur an das Geld, wenn eine Bescheinigung vom Bestatter vorgelegt wird.

Vorsorglicher Vertrag mit einem Bestatter

Eine andere Möglichkeit der Vorsorge sind sogenannte Bestattungsvorsorgeverträge. Die kann man bei Bestattern abschließen. In der Regel bestehen diese aus zwei Teilen. Zunächst werden Details zur Bestattung (Sarg, Blumenwünsche etc.) festgehalten. Dann wird eine bestimmte Summe für die Leistungen festgelegt. Wenn man das Geld hat, kann man es auch direkt einzahlen. Der Rat der Verbraucherzentralen: Das Geld sollte nicht auf dem Konto des Bestatters landen, sondern auf einem Treuhandkonto. Der Bestatter erhält dann das Geld, wenn die Sterbeurkunde vorliegt. Die Stiftung Warentest hat zuletzt 2018 solche Verträge untersucht. Die grundsätzlich gute Nachricht: das Geld ist bei den allermeisten Treuhandgesellschaften gut geschützt. Wichtig: auch wenn ich einen Vorsorgevertrag beim Bestatter abschließen will, sollte ich mich beraten lassen und Alternativangebot einholen.

Vorsorge mit einer Verfügung

Viele Menschen sorgen in Form einer Bestattungsverfügung, einer Sterbegeldversicherung oder eines Bestattungsvorsorgevertrags für den eigenen Tod vor. Für Angehörige kann das eine große Hilfe sein. In einer Bestattungsverfügung wird der Willen des Menschen festgehalten, was nach dem Tod mit seinen sterblichen Überresten geschehen soll. Die Verbraucherzentrale stellt für die letzten Entscheidungen eine Checkliste im Internet zur Verfügung.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 13.01.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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