Kontostand im Minus (Foto: dpa)

Wie heraus kommen aus der Schuldenspirale?

Yvonne Schleinhege   11.11.2020 | 10:37 Uhr

Die Creditreform hat ihren jährlichen Schuldneratlas vorgestellt. Ein Ergebnis: Im Saarland haben immer mehr Menschen Probleme ihre Kredite und Verbindlichkeiten zu zahlen. Manchmal fängt es mit einem teuren Handyvertrag oder einen kleinen Ratenkauf an, der nicht mehr bedient werden dann. Menschen gelangen in einen Schuldenstrudel und sind am Ende überschuldet. Allzu oft steckt dahinter ein Schicksalsschlag, der Job ist weg oder die Ehe gescheitert.

Bei Schulden frühzeitig Hilfe suchen.
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 11.11.2020, Länge: 06:12 Min.]
Bei Schulden frühzeitig Hilfe suchen.

Der Schuldnerberater Matthias Wafzig berät seit über zehn Jahren bei der Verbraucherzentrale des Saarlandes Menschen, die Probleme mit ihren Schulden haben und überschuldet sind. Er weiß, das Thema Schulden ist mit viel Scharm verbunden, dabei könne es jeden treffen, so der Experte. Schuldenproblem treffen nicht nur Menschen, die wenig Geld haben oder Sozialhilfeempfänger sind, sondern auch Männer und Frauen die gute Jobs, etwa als Abteilungsleiter im öffentlichen Dienst haben. Entscheidend sei, dass man sich frühzeitig Hilfe holt.

Corona-Pandemie sorgt für mehr Schuldenprobleme

Etwa jeder neunte Saarländer gilt als überschuldet. Dies zeigen auch die neuen Zahlen der Creditreform. Sie können ihre Kredite und Verbindlichkeiten nicht mehr zurückzahlen und haben auch keine finanziellen Rücklagen mehr. Durch die Corona-Pandemie könnte sich die Lage noch verschärfen, da Menschen ihre Jobs verlieren oder in Kurzarbeit sind, und damit deutlich weniger Geld auf dem Konto haben. Auch deshalb ist es sinnvoll, genau seine Ausgaben und Einnahmen im Blick zu haben, damit erst gar kein Schuldenproblem entsteht.

Vorsichtig bei Ratenkauf oder Null-Prozentfinanzierung

Den einen zentralen Tipp um eine Überschuldung zu verhindern gibt es nicht. Durch die Schnelllebigkeit unseres Konsumverhaltens habe sich jedoch eingeschlichen, dass die Menschen nicht mehr sparen bis sie sich bestimmte Dinge leisten können, sondern das man bestimmte Dinge kinderleicht finanzieren kann. Angebote wie „Null-Prozent-Finanzierung“ oder „Jetzt kaufen und in 100 Tagen zahlen“ würden die Menschen dazu verleiten, mehr zu kaufen, als sie sich eigentlich leisten können. Überkonsum sei auch ein Faktor für Überschuldung, meint Matthias Wafzig.

Was kann ich mir langfristig leisten?

Daher sollte die oberste Prämisse immer sein, sich vor dem Kauf genau auszurechnen, ob man in der Lage ist tatsächlich auch die Raten über einen längeren Zeitraum bedienen zu können. Im Hinterkopf sollte man auch haben, was passiert, wenn plötzlich Einnahmen wegbrechen. Vor jeder Neuanschaffung, gerade wenn sie finanziert werde, sollte der Käufer sich über die Notwendigkeit Gedanken machen und die Frage stellen, ob er langfristig in der Lage ist, die Verbindlichkeiten zu bedienen. Vielleicht kann es die bessere Alternative sein, erst zu sparen und sich dann etwas Neues zu kaufen. Kredite sollte man, wenn immer es geht vermeiden.

Haushaltsbuch hat sich bewährt

Auch wenn es etwas altbacken klingt: Ein Haushaltsbuch ist immer noch hilfreich um seine Finanzsituation im Blick zu haben und auch eine Schuldenproblematik zu vermeiden. Gerade wenn jemand auffalle, dass er am Ende des Monats, häufig im Dispo landet, sollte er mal einen privaten Kassenschutz machen. Hier sollte man alle Einnahmen und alle Ausgaben genau notieren. Auch alle Kassenbelege sollten gesammelt werden, um sich einen wirklich genauen Überblick zu verschaffen. Oft helfe ein Haushaltsbuch schon dabei Ausgaben ausfindig zu machen, die man sich eigentlich sparen könnte, zum Beispiel Verträge im Fitnessstudio oder Versicherungen, die eigentlich nicht braucht. Durch das Haushaltsbuch hat man auch den Überblick, wann was im Monat abgebucht wird.

Dispo vermeiden und mit Bargeld zahlen

Auch wenn aktuell dazu geraten wird, lieber mit der Karte zu zahlen. Einen besseren Überblick über die Ausgaben hat man, wenn man Bargeld nutzt. Dann merkt man, wie schnell Geld ausgegeben wird. Wenn eine Familie sowieso ein niedriges Einkommen hat, sollte sie prüfen, ob man noch staatliche Förderungen bekommen kann, etwa Wohngeld oder Kinderzulagen. Das kann die finanzielle Situation verbessern. Wichtiges Thema bei der Schuldnerberatung ist der Dispokredit. Hier zahlt man die meisten Zinsen. Deshalb sollte man den Dispo immer vermeiden. Gegebenenfalls kann dieser in einen anderen Kredit umgewandelt werden. Aber: wer dauerhaft im Dispo ist, sollte das Problem angehen. Am wichtigsten sei es, sich um seine Schulden, Kredite und Verbindlichkeiten frühzeitig kümmern, so der Schuldnerberater

Nicht aufschieben, sondern Hilfe annehmen

Rechnungen und Mahnungen sollten sich nicht stapeln, sondern man sollte das Problem direkt angehen. Können, etwa jetzt in der Corona-Krise, Raten für das Haus nicht gezahlt werden, sollte man den Kontakt mit der Bank suchen. Aufschieben, sei ein großes Problem. Hilfe bei der Schuldnerberatung gibt es nämlich nicht erst, wenn der Gerichtsvollzieher schon im Nacken sitzt. Auch Bugetberatungen und Fragen rund um Sparmöglichkeiten könne man bei der Verbraucherzentrale bekommen. Nicht nur die Verbraucherzentralen bieten eine Schuldner- und Insolvenzberatung an, sondern auch Wohlfahrtsverbände wie die Caritas oder die Kommunen. Diese Angebote sind meist kostenfrei. Natürlich beraten auch Anwälte und Steuerberater.

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