Wartende Passagiere sitzen am Flughafen (Foto: (c) dpa)

Wenn das Warten kein Ende nimmt

Mit Informationen von Yvonne Schleinhege und Karin Mayer   15.10.2019 | 16:30 Uhr

Mit über acht Stunden Verspätung landete am frühen Morgen des 15. Oktober der TUI-Ferienflieger von der griechischen Insel Kos in Saarbrücken. Die Maschine mit 167 Menschen an Bord kam um 6.15 Uhr in Ensheim an. Einige Fluggäste waren mehr als verärgert, nicht zuletzt, weil sie die Nacht am Flughafen verbringen mussten und ihnen keinerlei Hilfe angeboten wurde. Dabei gibt es eine EU-Fluggastrechteverordnung.

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Wenn das Warten kein Ende nimmt - Fluggastrechte
Audio [SR 3, Karin Mayer, 15.10.2019, Länge: 03:07 Min.]
Wenn das Warten kein Ende nimmt - Fluggastrechte

Ansprüche: EU-Fluggastrechteverordnung

Verspätungen oder Flugausfälle sind zwar immer ein Ärgernis, Fluggästen stehen aber Entschädigungen zu. Geregelt wird das in der sogenannten EU-Fluggastrechteverordnung.

Kos - Saarbrücken
Statt Heimflug die ganze Nacht warten am Flughafen
Mit über acht Stunden Verspätung ist am Morgen der TUI-Ferienflieger von der griechischen Insel Kos in Saarbrücken gelandet. Die Maschine mit 167 Menschen an Bord kam um 6.15 Uhr in Ensheim an.

Müssen Fluggäste beispielsweise länger als zwei Stunden am Flughafen warten, so muss die Airline Getränke reichen bzw. für Verpflegung sorgen. Das gilt für alle Fluggäste. Dabei sei bei den Betreuungsleistungen explizit aufgeführt, dass besonders auf die Bedürfnisse von Personen mit eingeschränkter Mobilität und deren Begleitpersonen zu achten sei, sagt Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale Rheinland Pfalz.

Verspätet sich ein Flug um drei Stunden oder mehr oder wird sogar gestrichen, haben Passagiere ein Recht auf eine finanzielle Entschädigung von 250 Euro bis 600 Euro. Was der Flug gekostet hat, spielt dabei keine Rolle. Auch bei Billigfliegern oder Pauschalreiseangeboten gilt die EU-Verordnung.

Der Kunde kann seine Rechte allerdings nur geltend machen, wenn eine dieser beiden Voraussetzungen erfüllt ist: Das Flugzeug startet innerhalb der EU oder die Airline hat einen Sitz in einem EU-Land.

Übernachten am Flughafen?

Wenn - wie im Fall der betroffenen Kos-Urlauber - die Flugverspätung bis tief in die Nacht hinein geht, ist die Airline dazu verpflichtet, eine Übernachtung im Hotel zu organisieren. Wird die Fluggesellschaft nicht aktiv, könne man sich selbst in einem Hotel einmieten, sagt Verbraucherberaterin Julia Gerhards. Sie rät aber zur Vorsicht. Im Nachhinein werde ganz gerne gesagt, das Hotel sei zu teuer gewesen oder zu weit entfernt, so dass der Transport zu teuer geworden wäre.

Kein Geld bei außergewöhnlichen Umständen

Grundsätzlich müssen die Airlines bei Verspätungen ab drei Stunden oder Flugausfällen zahlen. Allerdings gibt es Ausnahmen, wenn außergewöhnliche Umstände zu der Verspätung geführt haben. Dazu gehört etwa das Wetter (z.B. plötzlicher Nebel oder Unwetter), Streiks oder Sicherheitsrisiken wie Terrorwarnungen oder politische Instabilität. Aber auch der Zusammenprall mit einem Vogel gilt als Grund.

Geben die Fluggesellschaft oder der Flughafen technische Probleme an, sollte man sich aber nicht so leicht abweisen lassen, so der Rechtsexperte von der Stiftung Warentest Michael Sittig, denn oftmals handle es sich hierbei nicht um außergewöhnliche Umstände. Im Zweifel ist hier die Airline in der Beweispflicht. Auch bei einer Überbuchung sind die Gründe nicht von Belang.

Praktische Tipps: Bestätigung und Quittungen

Um Ansprüche später auch ordentlich geltend machen zu können, ist es wichtig, ein paar Tipps beachten. So raten Verbraucherschützer, sich am Schalter der Airline die Verspätung oder den Ausfall schriftlich (mit Begründung) bestätigen zu lassen. Außerdem sollte man alle Quittungen für Essen, Trinken, Taxi oder Hotel aufbewahren. Fällt der Flug aus und der Reisende kann erst am nächsten Tag weiterfliegen, sollte man sich über den Infodesk der Airline eine Hotelempfehlung oder ggf. eine Bahnkarte als Alternative geben lassen, so Michael Sittig.

Entschädigung einfordern: Musterschreiben

Um eine Entschädigung zu bekommen, wendet man sich zunächst an die Airline. Das geht auch mit einem entsprechenden Musterschreiben. Auf den Internetseiten des ADAC, der Stiftung Warentest oder der Finanztipp findet man entsprechende Anschreiben. Hier gibt man die Entschädigung ein, alle weiteren angefallenen Kosten und schickt das Dokument unterschrieben an die Fluggesellschaft. Die genaue Flugstrecke lässt sich mit Hilfe eines Rechners ermitteln. Hilfreiche ist hier zum Beispiel die Internetseite luftlinie.org. Die Verspätung herausfinden, auch solche die bereits einige Monate zurückliegen, kann man über die englischsprachige Internetseite flightstats. Wichtig ist: auch wenn der Flug schon etwas zurückliegt, können noch Ansprüche geltend gemacht werden. So gilt auch bei Flügen die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren, so der Rechtsexperte Sittig.

Wenn die Airline nicht zahlen will: Schlichtungsstelle

Lehnt die Airline die Forderung ab, kann man sich Hilfe bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personennahverkehr (SÖP) holen. Sie vermittelt im Streit zwischen Passagieren und der Airline und wird von der Bundesregierung und der EU-Kommission anerkannt. Alle deutschen Fluggesellschaften, aber auch EasyJet und Ryanair haben sich ihr angeschlossen. Bevor man sich an die SÖP wenden kann, muss man sich aber zunächst selbst erfolglos bei der Fluggesellschaft beschwert haben und ihr zwei Monate Zeit lassen, um zu reagieren. Lenkt sie nicht ein, kann man online über die Internetseite der Schlichtungsstelle einen Schlichtungsantrag stellen. Die Schlichter kümmern sich nicht nur um die Entschädigung, sondern auch um Kosten für verloren gegangenes Gepäck oder notwendige Taxifahrten oder Hotelkosten. Wichtig ist: Die Schlichtungsstelle versucht eine einvernehmliche Lösung zu finden, d.h. möglicherweise bekommt man nicht die volle Entschädigung bzw. Kosten erstattet. Die Schlichtungsstelle ist allerdings für Verbraucher kostenlos.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 15.10.2019 auf SR 3 Saarlandwelle

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