Kopfschmerzen (Foto: dpa)

Schmerzmittel sind nicht immer die beste Wahl

Steffani Balle / Onlinefassung: Jil Kalmes   12.09.2022 | 06:01 Uhr

Fast jeder kennt das Brummen im Kopf, begleitet von pochenden Schmerzen. Kopfschmerzen sind weit verbreitet in der Gesellschaft und die meisten greifen zu Medikamenten. Warum das nicht immer die beste Wahl ist und was man sonst noch gegen Kopfschmerzen unternehmen kann, das hat sich SR 3 Reporterin Steffani Balle am europäischen Kopfschmerz- und Migränetag angeschaut.

Über 70 Prozent aller Deutschen leiden häufiger als zehn Tage im Monat an Kopfschmerzen, Tendenz steigend. Gründe gibt es viele: von den über 250 verschiedenen Arten von Kopfschmerzen seien Spannungskopfschmerzen die Häufigste, so Sven Gottschling, Schmerzmediziner an der Uniklinik in Homburg.

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Europäischer Kopfschmerz- und Migränetag
Audio [SR 3, Steffani Balle, 12.09.2022, Länge: 02:31 Min.]
Europäischer Kopfschmerz- und Migränetag

"Verspannung kommt von Anspannung"

Spannungskopfschmerzen werden durch Anspannung ausgelöst, sagt Gottschling. Die entstehe oft durch Stress, Fehlbelastung oder Fehlhaltung.

Gerhard Deynet, Chefarzt der Schmerzambulanz der Knappschaftsklinik Püttlingen, sieht die Ursache auch bei der zunehmenden Verweildauer vor Bildschirmen und Spielekonsolen. Die ständige Fokussierung ließe die Anzahl derjenigen, die unter Spannungskopfschmerzen leiden, ansteigen.

Vorsicht bei Schmerzmitteln

Wer bei jedem Ziepen und Pochen im Kopf nach Schmerzmitteln greife, der laufe Gefahr in eine Medikamentenfalle zu tappen, sagt Sven Gottschling. Ab zehn Einnahmetagen pro Monat und mehr steige das Risiko, dass die Schmerzmittel selbst die Kopfschmerzen auslösen.

Diese Art von Kopfschmerzen kämen bereits jetzt am dritthäufigsten vor, so Schmerzspezialist Deynet. Um sie loszuwerden helfe nur eins: kalter Entzug. Nach ein bis zwei Wochen Leiden hat man dann erstmal seine Ruhe. Zum Durchhalten und Dranbleiben empfielt er einen Psychotherapie – am besten eine Verhaltenstherapie.

Akute Migräne soll behandelt werden

Generell wird ein kritischer Umgang mit Schmerzmitteln von Sven Gottschling und Gerhard Deynet empfohlen. Das gilt jedoch nicht für akute Migräneanfälle.

Migräneattacken soll man nicht versuchen ohne Schmerzmittel durchzustehen. Stattdessen soll eine medikamentöse Akuttherapie angewendet werden – im besten Fall abgesprochen mit dem Arzt oder der Ärztin.

Vorbeugung

Die beste Art der Prävention sei Sport, so Sven Gottschling. Jede Form von Bewegung helfe Kopfschmerzen vorzubeugen. Man solle sich eine Sportart aussuchen, die man gerne mache und bei der man auch dranbleibe.

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist auch wichtig, um Kopfschmerzen vorzubeugen. Das bedeutet: genug trinken, am besten über den Tag verteilt.

Was hilft bei Kopfschmerzen?

Wenn es einen trotz Prävention erwischt hat, helfen auch andere Maßnahmen als Schmerzmittel.

Akupressur: Zwischen Daumen und Zeigefinger gibt es einen Akupressurpunkt, der durch Massage stimuliert werden kann.

Pfefferminzroller: Manchen Menschen hilft auch ein Pfefferminzroller aus der Apotheke. Er sieht aus wie ein kleiner Deo und wird an den Schläfen aufgetragen.

Kälte: Mit einem kalten Waschlappen im Genick kann der ein oder andere das Pochen im Kopf besiegen.

Wärme: Wärmende Schals oder Salben für die Muskulatur können vor allem bei Spannungskompfschmerzen Abhilfe schaffen.

Dehnübungen: Bei Spannungskopfschmerzen sind eventuell auch Dehnübungen für die Schulter- und Nacken-Muskulatur hilfreich, da solche Kopfschmerzen häufig durch Verspannungen in diesen Bereichen ausgelöst werden.


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Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 12.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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