Ein LKW fährt vorbei (Foto: picture alliance/Patrick Pleul/ZB/dpa)

Streckenradar in Luxemburg

Stephan Deppen   20.06.2020 | 10:30 Uhr

In Luxemburg gibt es eine neue Methode, den fließenden Verkehr zu überwachen und Zu-Schnell-Fahrer zur Kasse zu bitten. "Streckenradar" nennt sich die neue Anlage, SR 3-Reporter Stephan Deppen hat sich darüber informiert.

"Streckenradar" in Luxemburg
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 20.06.2020, Länge: 02:53 Min.]
"Streckenradar" in Luxemburg

Seit Montag, 15. Juni, ist das erste Streckenradar in Luxemburg scharf geschaltet - wegen der Corona-Pandemie ein paar Wochen später als zunächst geplant. Nicht an einer Autobahn, sondern an einer Nationalstraße. Auf der N11 zwischen Waldhof und Gonderingen sind vier Radargeräte auf dem 3,8 Kilometer langen Streckenabschnitt in Betrieb. Sie messen aber nicht die aktuelle Geschwindigkeit, sondern erfassen Fahrzeug und Kennzeichen des Fahrzeugs bei Ein- und Ausfahrt in beziehungsweise aus dem definierten Streckenabschnitt.

Daraus errechnet die Anlage die Durchschnittsgeschwindigkeit. Liegt die höher, als 90 km/h für PKW und 75 km/h für LKW und Busse, wird es teuer. Der bisherige Blitzer am Ortseingang von Gonderingen hatte nur punktuell dazu geführt, die vorgeschriebene Geschwindigkeit einzuhalten. Da es auf der dreispurigen Nationalstraße in den vergangenen Jahren mehrere schwere Unfälle - auch mit tödlichem Ausgang - gegeben hatte, nun also das erste Streckenradar in Luxemburg.

Wenig Vergleichsmöglichkeiten im Ausland

Die Erfahrungen in anderen Ländern sind überschaubar. In Österreich etwa gibt es eine solche Anlage, "section control" genannt. Johannes Boos vom ADAC München weiß mehr darüber: "In Österreich ist "section control" schon länger im Einsatz. In Deutschland ist das Verfahren zum ersten mal Ende 2019 in Betrieb genommen worden. Und zwar südlich von Hannover." Kurze Zeit später habe das Verwaltungsgericht Hannover den Probebetrieb dort vorübergehend gestoppt, so Boss. Mittlerweile sei die Anlage aber wieder in Betrieb.

Die Anwendungsbeispiele sind also bisher überschaubar - und deshalb gibt es auch noch kaum Erkenntnisse darüber, ob sich die Erwartungen, die mit diesen Anlagen einher gehen, erfüllen. "Wir müssen erst einmal den Pilotversuch in Niedersachsen abwarten. Der hat ja erst Ende des Jahres begonnen und soll insgesamt 18 Monate dauern", sagt Boos. In Österreich habe "section control" die Verkehrssicherheit auf unfallträchtigen Strecken verbessert, aber ob diese Ergebnisse auf Deutschland ünertragbar sind, das müsse in dem Versuch in Niedersachsen wissenschaftlich ausgewertet werden.

Mehr Sicherheit

Der luxemburgische Automobilclub ACL sieht in der Anlage einen Beitrag für mehr Sicherheit: die Straße sei viel befahren, es gebe viele Unfälle, der Verkehr insgesamt nehme zu. Froh sei er nicht darüber, dass diese Überwachung nötig sei, aber man müsse etwas tun, so ACL-Direktor Juchem auf SR-Anfrage. Immerhin: die Anlage wirke schon nach wenigen Tagen beruhigend auf den Verkehrsfluss. Johannes Boos vom ADAC München betont, das für die Akzeptanz natürlich die Datensicherheit die zentrale Frage sei. So müsse für einen Regelbetrieb von "section control" natürlich gewährleistet sein, dass das Verfahren alle Anforderungen an den Datenschutz erfüllt.

Wer den kontrollierten Streckenabschnitt auf der N11 in Luxemburg zu schnell passiert, erhält Post mit Zahlungsaufforderung und Beweisfoto. Wird kein Verstoß registriert, werden die Fahrzeugdaten sofort wieder gelöscht. Nach einem Jahr wollen die Luxemburger Behörden Bilanz ziehen - und womöglich weitere Streckenradare installieren.

Ein Thema in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle am 20.06.2020.

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