Icons von Facebook und WhatsApp auf einem Display (Foto: dpa/Patrick Pleul)

Digitales Erbe rechtzeitig regeln

Interview: Carmen Bachmann / Axel Wagner / Onlinefassung: Anne Staut   24.07.2020 | 10:40 Uhr

Fotos in der Cloud, das Facebook-Profil, die Daten in Online-Shops – im Internet hinterlassen wir viele Informationen über uns. Wer nichts dagegen unternimmt, dessen Daten bleiben auch nach dem Tod im Netz und damit bei den Anbietern. Das kann zum Problem werden. Axel Wagner aus der Onlineredaktion des SR erklärt, wie man zu Lebzeiten seinen digitalen Nachlass regeln kann.

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Digitalen Nachlass regeln
Audio [SR 3, Interview: Carmen Bachmann / Axel Wagner, 24.07.2020, Länge: 03:19 Min.]
Digitalen Nachlass regeln

Wenn der digitale Nachlass nicht geregelt ist, kann es für die Angehörigen eines Verstorbenen schwierig werden. Wenn sie die Zugangsdaten des Verstorbenen nicht haben, können sie beispielsweise keine Fotos oder ähnliches aus dem Netz löschen. Die Verbraucherzentrale rät deshalb dazu, schon zu Lebzeiten eine Vertrauensperson mit dem digitalen Nachlass zu betrauen.

Dabei kann eine Vollmacht helfen, die auf der Internetseite der Verbraucherzentrale zu finden ist. Wichtig ist dabei, dass diese Vollmacht ausdrücklich "über den Tod hinaus" gelten muss. Außerdem sollte man in einem digitalen Testament genau festlegen, was mit den einzelnen Konten, den Daten und auch mit den Geräten wie etwa Computer oder Handy passieren soll.

Liste mit Benutzerkonten kann helfen

Besonders hilfreich ist zudem eine Liste mit allen Benutzerkonten und Passwörtern, die an einem sicheren Ort hinterlegt ist.  Das kann auch ein Passwortmanager sein, also ein Onlinedienst, bei dem die Daten sicher gespeichert sind.

Die Betreiber digitaler Plattformen sind zwar gesetzlich verpflichtet, den Angehörigen Zugang zu den Konten des Verstorbenen zu verschaffen, das ist aber oft mit viel bürokratischem Aufwand verbunden.

Dienstleister bieten entsprechenden Service an

Angehörige haben auch die Möglichkeit, spezielle Dienstleister zu beauftragen, die sich um den digitalen Nachlass des Verstorbenen kümmern. Dabei können Kosten zwischen 50 und 250 Euro entstehen. Auch einige Bestattungsunternehmen bieten solche Dienste an.

Verbraucherschützer raten jedoch von solchen Angeboten ab. Die Firmen könnten häufig ebenfalls nur beim Anbieter nachfragen, ob ein Account des Verstorbenen vorliegt. Vielmehr könnten sie nicht tun.

Anbieter gehen unterschiedlich vor

Die einzelnen Anbieter im Netz gehen sehr unterschiedlich mit dem Tod eines Nutzers um. Bei Google und Facebook gibt es etwa die Möglichkeit, im Konto einen Nachlasskontakt einzurichten. Die ausgewählte Person kann dann nach dem Tod des Nutzers auf die dessen Daten zugreifen.

Macht man das bei Facebook nicht und das soziale Netzwerk erfährt vom Tod eines Nutzers, versetzt es dessen Profil in einen "Gedenkzustand". Dann kann niemand mehr auf das Profil zugreifen - auch nicht die Angehörigen. Sie haben keine die Möglichkeit, etwas zu verändern und gelöscht wird das Profil ebenfalls nicht.

Über dieses Thema haben auch die "Bunten Funkminuten" am 24.07.2020 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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