Virologe Dr. Jürgen Rissland  (Foto: SR)

Dr. Jürgen Rissland zu Fragen rund um Corona

 

Dr. Jürgen Rissland ist Leitender Oberarzt am Institut für Virologie an der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg. Regelmäßig nimmt er sich die Zeit, um Fragen rund um die Corona-Pandemie und die Schutzmaßnahmen zu beantworten.


"Die Delta-Variante kann sich innerhalb von Wochen durchsetzen"

Die Coronazahlen gehen ins ganz Deutschland weiter herunter, gleichzeitig steigt aber der Anteil der ansteckenderen sogenannten "Delta-Variante". Dr. Jürgen Rissland schätzt die derzeitige Entwicklung unterm Strich als positiv ein, warnt aber davor, auf Basishygienemaßnahmen gänzlich zu verzichten. Je mehr gelockert werde und je weniger Basismaßnahmen eingehalten würden, desto mehr gebe man der Delta-Variante die Chance sich zu verbreiten. So sei es möglich, dass sich die Variante innerhalb von ein paar Wochen durchsetze.

"Die Delta-Variante kann sich innerhalb von Wochen durchsetzen"
Audio [SR 3, Frank Hofmann, 19.06.2021, Länge: 02:37 Min.]
"Die Delta-Variante kann sich innerhalb von Wochen durchsetzen"

Rissland geht außerdem davon aus, dass auch Geimpfte die Variante weiter verbreiten können. Bei unvollständig Geimpften sei die Wahrscheinlichkeit dafür nochmals höher als bei Menschen mit vollem Impfschutz.

Vor dem Hintergrund des Wegfalls der Maskenpflicht in Schulen spricht sich Rissland dafür aus, das Maskentragen freiwillig bis zu den Sommerferien fortzusetzen. Das könne die Infektionsdynamik positiv beeinflussen.


"Die ansteckendste Variante wird sich durchsetzen"

Dr. Jürgen Rissland hat Verständnis dafür, dass viele Menschen wegen der sinkenden Infektionszahlen und den zunehmenden Lockerungen erleichtert sind. Gleichzeitg warnt er aber davor zu denken, die Pandemie sei vorrüber. Das zeige ein Blick auf andere europäische Länder, insbesondere Großbritannien. Obwohl dort die Impfquote deutlich höher ist als in Deutschland oder im Saarland steigen dort die Infektionszahlen wieder. Das liegt laut Rissland vor allem an der sogenannten Deltavariante, die bisher als indische Variante bekannt war. Deswegen gelte es, weiter vorsichtig zu sein.

"Die ansteckendste Variante wird sich durchsetzen"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 12.06.2021, Länge: 04:16 Min.]
"Die ansteckendste Variante wird sich durchsetzen"

Derzeit sei auch zu beobachten, dass sich die Deltavariante in Deutschland und auch im Saarland festsetzt, wo bisher noch die sogenannte Alphavariante, ehemals britische Variante vorherrscht. Mit der Zeit werde sich aber die Variante durchsetzen, die sich am leichtesten überträgt und das bereitet Rissland Sorge. Deswegen ruft er dazu auf, weiter achtsam zu sein.


"Ich habe [...] noch keine Schmetterlinge im Bauch"

Im Saarland machen sich gerade verspätete Frühlingsgefühle breit - zumindest, was das öffentliche Leben angeht. Die Corona-Zahlen sind weiterhin im Sinkflug und nach und nach treten immer mehr Lockerungen in Kraft. Dr. Jürgen Rissland freue sich zwar über die wieder gewonne Freiheit und habe auch keine "all zu großen Sorgenfalten im Gesicht". Die Zahlen lägen aber trotzdem noch "deutlich im zweistelligen Bereich", und damit auch höher, als im selben Zeitraum im Vorjahr. "Ich habe [...] noch keine Schmetterlinge im Bauch", so Rissland. Man müsse jetzt einfach weiterhin wachsam bleiben und vorsichtig sein.

Rissland: "Ich habe noch keine Schmetterlinge im Bauch"
[SR 3, Michael Friemel, 05.06.2021, Länge: 05:20 Min.]
Rissland: "Ich habe noch keine Schmetterlinge im Bauch"

Bei Jugendlichen in Israel und den USA sollen nach einer Impfung mit dem Impfstoff von Biontech vermehrt Herzmuskelentzündungen aufgetreten sein. In Israel wurden diese Nebenwirkungen bei einem von ca. 3000 - 6000 Geimpften festgestellt, erklärt Rissland. Im ersten Moment klinge das nach sehr viel. Bei einer natürlichen Erkrankung an Sars-CoV-2 sei das Risiko dafür aber weitaus höher, jeder 50. sei betroffen. "Da sieht man, dass das Risiko immer noch sehr überschaubar ist", so der Virologe.

Auch andere Nebenwirkungen wie das "Abfallen der Blutplättchenzahl" und auch "neurologische Phänomene" lägen in einer "sehr überschaubaren Größenordnung", sagt Rissland. "Wir liegen in einer Größenordnung von 0,2 schwerwiegenden Erkrankungen auf 1000 Impfungen."


"Nicht von einem trügerischen Sicherheitsgefühl anstecken lassen"

Es wird Sommer, die Inzidenzen sinken und die Impfquoten steigen – das sind gute Entwicklungen. Dennoch sollte man vorsichtig bleiben und sich über beispielsweise einen potentiellen Reiseort und die dort geltenden Maßnahmen genau informieren, bevor man einen Urlaub bucht und weiterhin die Hygiene-Vorschriften einhalten.

Dr. Jürgen Rissland warnt vor trügerischem Sicherheitsgefühl
Audio [SR 3, Interview Michael Friemel/Dr. Jürgen Rissland, 29.05.2021, Länge: 05:31 Min.]
Dr. Jürgen Rissland warnt vor trügerischem Sicherheitsgefühl

Was die Sorge um mögliche Nebenwirkungen einer Impfung von Kindern ab 12 Jahren betrifft, so verweist der Virologe auf eine aktuelle Studie, bei der in dieser Altersgruppe "keine besonderen Auffälligkeiten aufgetreten sind". Neben der Sicherheit für die Geimpften deuten die Daten auch auf eine hohe Effektivität hin.


"Wir müssen die Hygieneregeln weiter konsequent einhalten"

Die Inzidenzwerte aller saarländischen Landkreise liegen aktuell unter 100. Der Regionalverband Saarbrücken ist gerade wieder zum Saarlandmodell zurückgekehrt. Dr. Jürgen Rissland warnt aber davor, jetzt gleich wieder "Vollgas geben zu wollen: [...] Wir müssen die Hygieneregeln weiter konsequent einhalten und auch das Testen konsequent weiter betreiben." Und natürlich sollten Impfangebote genutzt werden, so der Virologe.

Dr. Jürgen Rissland bewertet die aktuelle Situation im Saarland
Audio [SR 3, Michael Friemel, 22.05.2021, Länge: 04:09 Min.]
Dr. Jürgen Rissland bewertet die aktuelle Situation im Saarland
Die Inzidenz-Werte im Saarland gehen weiter zurück und es stehen einige Lockerungen an. Dr. Jürgen Rissland hat zusammen mit SR 3-Moderator Michael Friemel die Situation eingeordnet und außerdem über die indische Variante des Coronavirus und schwere Verläufe bei doppelt Geimpften gesprochen.

Die Übertragungsraten der indischen und britischen Varianten liegen ungefähr auf einem Niveau, erklärt Rissland: "Das ist in gewisser Weise ein gutes Zeichen, denn das bedeutet auch, dass die Effektivität der Impfstoffe auch in Bezug auf die Übertragungsgefahr wahrscheinlich erst mal anzunehmen ist". Natürlich müsse man wachsam bleiben und abwarten, "richtig eindeutig" sei die Datenlage noch nicht. "Aber ich würde jetzt erst mal vom Guten ausgehen", so Rissland.

Außerdem hört man vereinzelt von schweren Verläufen bei doppelt Geimpften. Rissland betont, dass es sich hier wirklich nur um Einzelfälle handele. Wichtig sei es aber, diesen Einzelfällen nachzugehen und zu prüfen, welche Umstände vielleicht dazu geführt haben könnten. Die Impfstoffeffektivität läge nach aktuellem Wissensstand dennoch "relativ knapp dran" an den 100 Prozent.


"Wir geben die Effektivität preis zu Gunsten eines Vorteils"

Die ersten Landkreise im Saarland sind wieder zum Saarlandmodell zurückgekehrt. Die Infektionszahlen sind tatsächlich runter gegangen und fallen weiter. Die Gründe dafür sieht Dr. Jürgen Rissland einerseits darin, dass immer mehr Saarländerinnen und Saarländer geimpft sind. Die "erzwungenen Maßnahmen", die durch die Bundesnotbremse in Kraft getreten waren, seien aber ebenso verantwortlich für den Rückgang, so Rissland. "Genau das ist eigentlich auch meine Empfehlung für die Zukunft, [...] man muss eben weiter die Kontakte reduzieren soweit es geht und natürlich auch die AHA+A+L-Regeln einhalten."

Dr. Jürgen Rissland: "Geben die Effektivität preis zu Gunsten eines Vorteils"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 15.05.2021, Länge: 04:15 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Geben die Effektivität preis zu Gunsten eines Vorteils"
Im wöchentlichen Corona-Interview auf SR 3 hat der Virologe Dr. Jürgen Rissland über mögliche Gründe für die sinkenden Infektionszahlen im Saarland gesprochen. Außerdem ist er auf den Umgang mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca eingegangen und hat über den Entwicklungsstand der Impfungen für Kindern aufgeklärt.

Der Impfstoff von AstraZeneca wird momentan für Menschen über 60 empfohlen und scheint auch ausreichend verfügbar zu sein. Trotzdem wird er von Vielen abgelehnt aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen. Rissland bestätigt, dass AstraZeneca bei älteren Menschen "auch mal zu Nebenwirkungen" führen kann. Die müsse man aber ins Verhältnis setzen zu den positiven Wirkungen und diese Abwägung spricht für Rissland eindeutig für den Einsatz des Impfstoffes. "Wir wissen ja auch, dass mit dem Alter auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass man schwere Verläufe hat mit auch wirklich Komplikationen bis hin zur Todesfolge", so der Virologe.

Zwischen Erst- und Zweitimpfung wurden bislang zwölf Wochen empfohlen. Jetzt plötzlich darf der Abstand auf vier Wochen heruntergeschraubt werden. Rissland sieht das sehr kritisch: "Wir geben die Effektivität preis zu Gunsten eines Vorteils, der vielleicht darin besteht, dass man ein Kärtchen hat, worauf steht, dass man zwei mal geimpft ist." Man sei aber nicht effektiv geschützt und stelle damit auch eine Gefahr für die Gemeinschaft dar, erklärt Rissland.

Der Virologe geht außerdem davon aus, dass entweder noch in diesem Monat oder spätestens im Juni die Impfstoff-Zulassung für Kinder von der Europäischen Arzneimittelbehörde erteilt wird. Es sei allerdings noch nicht ganz klar, wer dann geimpft werden soll. Rissland hält es nicht für notwenig, alle Kinder zu impfen: "Wir sind ja immer noch in einer Situation, wo es zu wenig Impfstoff gibt. Es sollten also vorrangig die geimpft werden, die ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben."


"Glaube nicht, dass wir alle Kinder in Zukunft impfen müssen"

Nur zwei Wochen nach dem Inkraftreten der Bundesnotbremse fallen die Inzidenzen im Saarland deutlich. Dr. Jürgen Rissland ist dafür, wenn der Wert unter 100 liegt, nicht direkt "alles wieder hochzufahren". Vielmehr solle man differenziert vorgehen. "Da gibt es mittlerweile ja auch genügend epidemiologische Erkenntnisse", so Rissland im SR 3-Interview.

Den Grund für das rasante Sinken der Zahlen sieht Rissland in der Mischung aus den bestehenden Restriktionen und einer freiwilligen Kontaktreduktion der Saarländer. "Allein schon die Ankündigung der Restriktion, also des Bundeslockdowns, hat sicher dazu beigetragen, dass die Leute nochmal ihr eigenes Verhalten auf den Prüfstand gestellt haben." Insofern sei es "nicht verblüffend, dass jetzt schon praktisch nach zwei Wochen dieser Rückgang der Zahlen zu beobachten" sei, so Rissland.

Dr. Jürgen Rissland: "Glaube nicht, dass wir alle Kinder in Zukunft impfen müssen"
Audio [SR 3, Frank Hofmann, 08.05.2021, Länge: 04:35 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Glaube nicht, dass wir alle Kinder in Zukunft impfen müssen"
Der Virologe Dr. Jürgen Rissland hat im samstäglichen SR 3-Gespräch mit Frank Hofmann über die sinkenden Inzidenzen im Saarland gesprochen. Ebenfalls Thema waren die globale Impfstoffverteilung und die Impf-Vorbereitung für Kinder.

Aus Indien erreichen uns derzeit schockierende Bilder. Das Gesundheitssystem ist dort maßlos überfordert. Ähnliche Zustände herrschen auch in anderen Ländern. Deswegen ist die Diskussion entbrannt, ob Impfstoffpatente freigegeben werden sollten, um die Produktion zu maximieren. Rissland ist sich "nicht sicher, ob das Aufheben eines Patentschutzes wirklich die Lösung ist". Faktisch sei es so, dass die Herstellung der Covid19-Impfstoffe strengen Auflagen unterlägen, um Sicherheit und Qualität des Arzneimittels sicherstellen zu können. "Deswegen glaube ich eher, es ist nicht die Lösung, hier [...] den Patentschutz auszuhebeln, sondern dass man kooperiert und guckt, was gibt es denn für Möglichkeiten", so Rissland.

Im Moment wird auch über die Möglichkeit gesprochen, Kinder zu impfen. Grundsätzlich findet Rissland es richtig, dass die Zulassungsstudien an Erwachsenen durchgeführt worden seien, auch aus ethischen Überlegungen. Trotzdem hält er es auch für den richtigen Schritt, die Wirksamkeit bei Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren zu untersuchen. "Ich glaube nicht, dass wir in Zukunft alle Kinder impfen müssen, es sind nicht die Treiber der Pandemie", so Rissland. Man müsse gezielt gucken, welche Kinder ein Risiko haben könnten und dann "genau diese Kinder vorrangig impfen".


Gute Nachrichten rund ums Impfen und Medikamente

Aktuell wird der Impfstoff von Biontech auf seine Wirksamkeit bei Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren untersucht. Bislang ist er ja nur ab 16 zugelassen. Das Unternehmen hat in den USA schon einen entsprechenden Zulassungsantrag gestellt, in der kommenden Woche ist wohl der Antrag in der EU geplant. Danach folgen die 5- bis 11jährigen und dann Kinder ab 6 Monaten. Ein Zeichen dass es mit den Impfungen vorangehe, so Dr. Rissland im SR 3-Gespräch. Eine weitere gute Nachricht sei, dass Long-Covid-Symptome offenbar durch die Impfung zum einen nicht schlimmer werden und sogar abgemildert werden können.

Hilft Nasenspray gegen Corona?
Audio [SR 3, Michael Friemel, 30.04.2021, Länge: 03:55 Min.]
Hilft Nasenspray gegen Corona?
Weil am 1. Mai Feiertag ist, hat sich SR 3-Moderator Michael Friemel schon am Freitag mit Dr. Jürgen Rissland über die neuesten Nachrichten in der Coronapandemie unterhalten. Dabei ging es um einen Coronaimpfstoff für Kinder und um die Gerüchte, dass bestimmte Nasensprays gegen Corona helfen. Thema war auch die Frage, ob langfristige Coronafolgen durch einen Impfung im Nachhinein gelindert werden können.

Nur in Sachen Medikament für Coronapatienten gibt es nach wie vor kaum Hoffnung. Das „Rotalgennasenspray“, von dem Menschen behaupten es hätte geholfen, könnte allerdings Hoffnung machen. Eine erste Studie hätte gezeigt, dass Moleküle aus der Rotalge in der Lage sein könnten Symptome zu mildern. Allerdings, so Jürgen Rissland weiter, gehe es dabei mehr um Prophylaxe als um eine wirkliche Therapie. Diese Moleküle würden wie eine zweite Schleimhaut in Mund und Nase einfach eine Infektion schwieriger machen.


"Weniger Tote im April"

Dr. Jürgen Rissland beobachtet einen "deutlichen Anstieg" der Inzidenzen im Saarland. Momentan liege der durchschnittliche Wert bei 143. Jeder Landkreis habe den kritischen Wert von 100 überschritten. Anfang April sei das nur in Neunkirchen der Fall gewesen. Und auch die Situation auf den Intensivstationen habe sich zugespitzt, so Rissland. Anfang April gab es 47 Intensivpatienten, von denen 29 beatmet werden mussten, heute sind es 65 und davon hängen 47 am Beatmungsgerät. Außerdem sei das Durchschnittsalter der Menschen, die jetzt erkranken, abgesunken. Es gebe aber auch positive Trends, erklärt Rissland: "Wir haben weniger Tote jetzt im April als in den Vergleichsmonaten zuvor." Die Impfungsrate habe sich zudem ungefähr verdoppelt, sowohl bei den Erst- wie auch bei den Zweitimpfungen.

Dr. Jürgen Rissland: "Weniger Tote im April"
Audio [SR 3, Michael Friemel , 24.04.2021, Länge: 03:50 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Weniger Tote im April"

Die Notbremse und das neue Infektionsschutzgesetz sind in Kraft. Damit unterscheiden sich die Regeln von Landkreis zu Landkreis. Dr. Jürgen Rissland sieht die Grundidee des Gesetztes darin, dass der Umgang mit Corona "möglichst differenziert" gemanaged werden kann. Es führe aber auch dazu, dass "der Handlungsspielraum im Saarland eben reduziert wurde". Und ob das "am Ende wirklich mehr bewirkt", das werde man sehen.

Die indische Variante des Coronavirus wurde auch in Europa bereits nachgewiesen. Wie die Weltgesundheitsorganisation betrachet sie auch Rissland als "eine Variante, die interessant ist", aber nicht nicht als besorgniserregend. "Besorgniserregned wäre sie dann, wenn sie verschiedene Eigenschaften hat, nämlich sich leichter ausbreitet, schwerere Erkrankungen macht, vielleicht auch die Symptoe anders ausfallen und das Immunsystem diese Variante nicht mehr so gut erkennen würde." Diese Eigentschaften habe diese Variante aber bislang noch nicht. Man müsse sie aber im Auge behalten. "Es ist jetzt noch nicht so, dass wir sie irgendwie extrem fürchten müssen."


"Die Ampel steht auf Dunkel-Gelb"

Heute will der Ministerrat im Saarland darüber entscheiden, ob die Corona-Lockerungen im Saarland zurückgenommen werden. Das Saarland-Modell sieht diese Maßnahme vor, wenn eine Überlastung des Gesundheitswesens droht. Dr. Jürgen Rissland wies daraufhin, dass es konkret um die Frage gehe, ob die intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten an ihre Grenzen stoßen. In diesem Punkt müsse man sich die Frage stellen, ob man erst reagiere, wenn die Kapazitäten erschöpft seien oder schon bevor dieser Fall eintrete. Aus medizinisch-epidemiologischer Sicht sei Vorsorge immer besser als Heilen, deswegen plädiert er dafür, die Ampel auf Rot zu schalten.

"Die Ampel steht auf Dunkel-Gelb"
Audio [SR 3, Frank Hofmann, 17.04.2021, Länge: 04:44 Min.]
"Die Ampel steht auf Dunkel-Gelb"
Heute will der Ministerrat im Saarland darüber entscheiden, ob die Lockerungen im Saarland zurückgenommen werden. Das Saarland-Modell sieht diese Maßnahme vor, wenn eine Überlastung des Gesundheitssystems droht. Dr. Jürgen Rissland hat sich im SR 3-Interview dazu geäußert und davor gewarnt, zulange damit zu warten.

Den Anstieg der Intensivpatienten führt Rissland einerseits auf die steigenden Infektionszahlen zurück, schwerpunktmäßig gebe es zurzeit aber auch viele andere Patienten, die zurzeit intensivmedizinisch behandelt werden müssten. Dazu gehören laut Rissland Personen mit wichtigen Operationen und auch Menschen, die zum Beispiel wegen eines Herzinfarktes oder eines Schlaganfalls behandelt werden müssen.

Was eine nächtliche Ausgangssperre angeht, lässt sich laut Rissland nicht genau sagen, wie sie sich konkret auf die Ansteckungszahlen auswirken würde. Zwar gebe es Modellrechnungen, die einen Zusatzeffekt von etwa 20 Prozent prognostizierten, das könne man aber nicht abschließend sagen. Vielmehr sei eine Ausgangssperre eine Möglichkeit, ein Signal an die Bevölkerung zu senden, die Kontakte zu reduzieren.


"Es ist immer noch eine angespannte Situation"

Diese Woche ist das Saarland-Modell angelaufen, das es u. a. der Gastronomie erlaubt, den Außenbereich für Gäste zu öffnen. Grundsätzlich hält es Dr. Jürgen Rissland für eine gute Idee, einen solchen Öffnungsplan zu haben. Die steigenden Infektionszahlen bereiten ihm aber Sorgen. Er rechnet damit, dass im Saarland der kritische Inzidenzwert von 100 in der nächsten Woche "nachhaltig überschritten wird". Deswegen hält er die Rahmenbedingungen des Modells nicht für ideal. "Es ist eben immer noch eine angespannte Situation [...] und das darf man nicht vergessen."

"Es ist immer noch eine angespannte Situation"
[SR 3, Michael Friemel, 10.04.2021, Länge: 04:55 Min.]
"Es ist immer noch eine angespannte Situation"
Das Saarlandmodell ist angelaufen, die Inzidenzzahlen steigen, Markus Söder will Sputnik V-Kontingent für Bayern sichern und für weiterführende Schulen im Saarland soll es eine Testpflicht geben. Michael Friemel hat mit dem Virologen Dr. Jürgen Rissland über die Corona-Themen der Woche gesprochen.

Dass Ministerpräsident Markus Söder für Bayern ein Sonderkontingent des russischen Impfstoffs Sputnik V bereits vor der Zulassung der Europäischen Arzneimittelbehörde gesichert hat, hält Rissland für fraglich. Eigentlich gebe es eine klare Arbeitsteilung: Der Bund sei für die Beschaffung der Impfstoffe verantwortlich und die Länder für die Impf-Organisation. "Ob es jetzt wirklich Sinn macht, dass jedes einzelne Bundesland beginnt sich Gedanken zu machen, das kann man schon kritisch hinterfragen."

An weiterführenden Schulen im Saarland soll es eine Testpflicht geben. Die Schüler sollen sich demnach auch zu Hause selbst testen. Rissland denkt, dass man hier hätte differenzierter vorgehen können. Bei Fünftklässlern habe er seine Zweifel, dass dieses Selbsttesten "eben wirklich klappt". Bei Oberstufenschülern sei das schon was anderes. Generell hält Rissland die Selbsttests aber eher geeignet für "das private Umfeld und nicht so sehr für das öffentliche Umfeld."


"Das Infektionsgeschehen ist zurzeit sehr dynamisch"

Dr. Jürgen Rissland hat im SR 3-Interview darauf aufmerksam gemacht, dass man die leicht fallenden Infektionszahlen an diesem Osterwochenende nicht überbewerten dürfe. Grund dafür sei, dass an Wochenenden ohnehin weniger Infektionen gemeldet würden. Dieser Effekt verstärke sich nun möglicherweise noch durch das verlängerte Osterwochenende.

Insgesamt gehört das Saarland laut Rissland mit Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig Holstein zu den drei einzigen Bundesländern, in denen die Inzidenzen derzeit unter 100 liegen. In Thüringen dagegen gebe es sehr hohe Zuwachsraten und auch insgesamt sei das Infektionsgeschehen in Deutschland momentan sehr dynamisch. Das gebe Anlass zur Sorge, so Rissland.

"Das Infektionsgeschehen ist zurzeit sehr dynamisch"
Audio [SR 3, Frank Hofmann, 03.04.2021, Länge: 03:58 Min.]
"Das Infektionsgeschehen ist zurzeit sehr dynamisch"
Dr. Jürgen Rissland hat am Morgen im SR 3-Interview darauf aufmerksam gemacht, dass man die leicht fallenden Infektionszahlen an diesem Osterwochenende nicht überbewerten darf. Grund dafür sei, dass an Wochenenden ohnehin weniger Infektionen gemeldet würden. Dieser Effekt verstärke sich nun möglicherweise noch durch das verlängerte Osterwochenende.

Sollten die Infektionszahlen im Saarland steigen, rechnet Rissland auch mit mehr Intensivpatienten. In diesem Zusammenhang wies er daraufhin, dass Covid-Patienten oft länger auf den Intensivstationen bleiben müssten als andere Patienten. Das führe zu einer zusätzlichen Belastung auf den Stationen.

In der Diskussion um den AstraZeneca-Impfstoff erklärte Rissland, dass die Ständige Impfkommission mit ihrer Empfehlung, das Vakzin nur noch an über 60-Jährige uneingeschränkt zu verimpfen, eine sehr vorsichtige Empfehlung ausgesprochen habe. Gleichzeitig habe die Stiko gesagt, dass es durchaus möglich sei, den Impfstoff auch bei jüngeren Frauen anzuwenden. Allerdings müsse dann in einem ärztlichen Vorgespräch auf mögliche Folgen hingeweisen werden und auf mögliche Symptome einer Thrombose aufmerksam gemacht werden.


"Es geht generell darum Kontakte zu reduzieren, nicht nur an Ostern"

Im wöchentlichen Corona-Update auf SR 3 Saarlandwelle hat Dr. Jürgen Rissland erklärt, dass die inzwischen von der Bundesregierung wieder zurückgenommene Osterruhe grundsätzlich von einem guten Gedanken getraagen war. Gleichzeitig wäre aber nicht garantiert gewesen, dass die fünftägige Ruhe einen nachhaltigen Effekt auf das Infektionsgeschehen gehabt hätte. Laut Rissland ist es wichtiger, den Menschen bei jeder Gelegenheit klar zu machen, dass es darum geht, Kontakte generell auf ein Minimum zu reduzieren, nicht nur an Ostern.

"Es geht generell darum Kontakte zu reduzieren, nicht nur an Ostern"
Audio [SR 3, Frank Hofmann, 27.03.2021, Länge: 03:26 Min.]
"Es geht generell darum Kontakte zu reduzieren, nicht nur an Ostern"
Im wöchentlichen Corona-Update auf SR 3 Saarlandwelle hat Dr. Jürgen Rissland erklärt, dass die inzwischen von der Bundesregierung wieder zurückgenommene Osterruhe grundsätzlich von einem guten Gedanken getragen war. Gleichzeitig wäre aber nicht garantiert gewesen, dass die fünftägige Ruhe einen nachhaltigen Effekt auf das Infektionsgeschehen gehabt hätte. Laut Rissland ist es wichtiger, den Menschen bei jeder Gelegenheit klar zu machen, dass es darum geht, Kontakte generell auf ein Minimum zu reduzieren, nicht nur an Ostern.

Auch im Saarland steigt derzeit die Zahl der stationär behandelten Coronapatienten, auch auf den Intensivstationen. Laut Rissland ist in Homburg zu beobachten, dass zwar immer noch vorwiegend ältere Menschen behandelt werden müssen, aber nicht mehr so alte Patienten wie noch in der ersten und zweiten Coronawelle. Mittlerweile sei das Alter der Menschen auf den Intensivstationen bunt gemischt, außerdem gebe es immer mal wieder einzelne Fälle in denen jüngere Menschen schwer erkranken. Dass sich die Altersstruktur der Patienten geändert habe, liege wohl in erster Linie daran, dass viele ältere Menschen bereits geimpft seien.

Dass die Landesregierung einen Plan für Lockerungen nach Ostern erstellt hat, hält Rissland grundsätzlich nicht für ehrenrührig. Bei den derzeit steigenden Zahlen sei aber noch unklar, ob die Lockerungen umgesetzt werden können. Außerdem hätte sich Rissland gewünscht, dass sich die Pläne für die Öffnungen in einem etwas kleineren Rahmen bewegt hätten.


"80.000 zusätzliche Impfdosen sind gutes Signal"

Der Virologe Dr. Jürgen Rissland begrüßt, dass das Saarland wegen seiner Grenznähe zusätzliche 80.000 Dosen BioNTech-Impfstoff erhält. Das war ein Ergebnis der Bund-Länder-Beratungen am Freitag. Grund ist die starke Verbreitung der südafrikanischen Virusvariante im benachbarten Département Moselle. Rissland sagte, der zusätzliche Impfstoff sei ein wichtiges Signal für das Saarland.

"Zusätzliche Impfdosen sind gutes Signal"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 20.03.2021, Länge: 04:04 Min.]
"Zusätzliche Impfdosen sind gutes Signal"
Der Virologe Dr. Jürgen Rissland begrüßt, dass das Saarland wegen seiner Grenznähe zusätzliche 80.000 Dosen BioNTech-Impfstoff erhält. Das war ein Ergebnis der Bund-Länder-Beratungen am Freitag. Grund ist die starke Verbreitung der südafrikanischen Virusvariante im benachbarten Département Moselle. Rissland sagte, der zusätzliche Impfstoff sei ein wichtiges Signal für das Saarland.

Angesichts der steigenden Coronazahlen plädiert er dafür, das Impfen weiter voranzutreiben. Die vermehrten Neuansteckungen führt er teils auf die geöffneten Schulen und Kitas zurück. Die meisten Menschen steckten sich wohl aber immer noch bei privaten Treffen an, so Rissland. Was den Einzelhandel und Frisöre angehe, sei das Risiko dagegen überschaubar. Auszuschließen sei eine Ansteckung dort allerdings nicht.


"AstraZeneca weiter zu impfen ist die richtige Entscheidung"

"AstraZeneca weiter zu impfen ist die richtige Entscheidung"
Audio [SR 3, Michael Friemel / Dr. Jürgen Rissland, 13.03.2021, Länge: 04:07 Min.]
"AstraZeneca weiter zu impfen ist die richtige Entscheidung"
Im Gespräch mit SR 3 bezieht sich der Virologe Dr. Jürgen Rissland auch auf die Entscheidung der "Europäischen Arzneimittelbehörde" EMA an. Die hatte mitgeteilt, es gebe keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Impfung und den aufgetretenen Blutgerinnseln. Zum einen dieses "Risikosignal" in den Zulassungsstudien nicht aufgetreten. Zum anderen sei die Zahl der aufgetretenen Fälle mit 30 niedriger als errechnet bzw. erwartet wurden.

Der Virologe bezieht sich dabei auch auf die Entscheidung der "Europäischen Arzneimittelbehörde" EMA. Die hatte mitgeteilt, es gebe keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Impfung und den aufgetretenen Blutgerinnseln. Zum einen sei dieses "Risikosignal" in den Zulassungsstudien nicht aufgetreten. Zum anderen sei die Zahl der fest gestellten Fälle mit 30 niedriger als errechnet bzw. erwartet wurde.

Was die Neuansteckungen von Kindern in Kitas betrifft, hat sich laut Rissland die Situation seit der Wiedereröffnung nicht verschärft. Bei den Fünf- bis Neunjährigen habe es eine leichte Steigerung gegeben, auch bei den 15-19-Jährigen. In allen anderen Altersgruppen seien die Zahlen stabil geblieben, teilweise sogar zurück gegangen.

Nachbarschaft zu Moselle

Die Schnelltests bedeuten, so Rissland, dass man mehr über die Verbreitung erfahre. Im Saarland gebe es bislang eine Dunkelziffer mit dem Faktor Drei, also die festgestellten Infektionen mal drei. Jetzt werde die Dunkelziffer erhellt, das sei vernünftig.

Der höhere Anteil der Infektionen an der südafrikanischen Mutation könnte nach Auffassung von Rissland auf die Nachbarschaft zum Departement Moselle zurück zu führen sein. Das würde es bis zu einem gewissen Maß erklären, meint der Virologe, warum das Saarland im Vergleich zum Bundesdurchschnitt deutlich höher liege. Geimpfte seien auch bei der südafrikanischen und britischen Variante gegen schwere Verläufe geschützt, allerdings reagierten die Mutationen grundsätzlich unterschiedlich auf die Impfungen.


"Es ist gut, dass die Politik Reißleinen eingebaut hat"

Mit Blick auf die am Montag in Kraft tretenden Lockerungen hätte sich der Homburger Virologe Jürgen Rissland tiefere Inzidenzwerte gewünscht. Am Ende müsse man aber irgendwie mit der Situation umgehen. Deswegen sei es beruhigend, dass die Politik in den Stufenplan für Lockerungen sogenannte Reißleinen eingebaut habe. Wenn bestimmte Inzidenzwerte überschritten werden, werden die Lockerungen zurückgenommen. Das sei ein vernünftiges Vorgehen, so Rissland.

"Es ist gut, dass die Politik Reißleinen eingebaut hat"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 06.03.2021, Länge: 04:07 Min.]
"Es ist gut, dass die Politik Reißleinen eingebaut hat"
Mit Blick auf die am Montag in Kraft tretenden Lockerungen hätte sich der Homburger Virologe Jürgen Rissland tiefere Inzidenzwerte gewünscht. Am Ende müsse man aber irgendiwe mit der Situation umgehen. Deswegen sei es beruhigend, dass die Politik in den Stufenplan für Lockerungen sogenannte Reißleinen eingebaut habe. Wenn bestimmte Inzidenzwerte überschritten werden, werden die Lockerungen zurückgenommen. Das sei ein vernünftiges Vorgehen, so Rissland.

Bis im Saarland ein Inzidenzwert von maximal 35 erreicht wird, kann nach Einschätzung von Rissland noch eine gute Weile dauern. Derzeit stehe man immer noch an der Schwelle zum exponentiellen Wachstum.

Was den Wechselunterricht an Schulen angeht, findet es Rissland nach einer Woche noch zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Man müsse zuerst eine Inkubationszeit des Virus von etwa 14 Tagen abwarten, um die Lage bewerten zu können. Grundsätzlich hält Rissland den Wechselunterricht in Verbindung mit den Testangeboten aber für sinnvoll.


"Dritte Welle steht möglicherweise vor der Tür"

Zuerst sind die täglichen Neuinfektionen nur noch langsam gesunken, jetzt hat sich der Trend umgekehrt. Die Fallzahlen steigen langsam wieder an und auch der Basis-Reproduktionswert liegt wieder ungefähr bei eins. Wie Dr. Jürgen Rissland erklärt, wächst damit die Gefahr, wieder in ein exponentielles Wachstum der Fallzahlen hineinzugeraten. Besorgniserregend sei auch, dass inzwischen rund 30 Prozent der Coronainfektionen auf eine Ansteckung mit einer Virusmutation zurückzuführen seien. Damit stehe eine dritte Coronawelle möglicherweise kurz bevor.

"Dritte Welle steht möglicherweise vor der Tür"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 27.02.2021, Länge: 03:09 Min.]
"Dritte Welle steht möglicherweise vor der Tür"
Zuerst sind die täglichen Neuinfektionen langsamer gesunken und jetzt hat sich der Trend sogar umgekehrt. Die Fallzahlen steigen langsam wieder und auch der Basis-Reproduktionswert liegt wieder ungefähr bei eins. Wie Dr. Jürgen Rissland erklärt, wächst damit die Gefahr wieder in ein exponentielles Wachstum der Fallzahlen hineinzugeraten. Dazu käme, dass inzwischen rund 30 Prozent der Coronainfektionen auf eine Ansteckung mit einer Virusmutation zurückzuführen seien. Damit stehe eine dritte Coronawelle möglicherweise kurz bevor.

Dass am Montag Lockerungen in Kraft treten und dass die Landesregierung über weitere Lockerungen nachdenkt, findet Rissland verantwortbar. Hierbei sei aber wichtig, dass man abwarte, welche Auswirkungen die ersten Lockerungen hätten. Weitermachen dürfe man nur dann, wenn die Infektionszahlen niedrig blieben.

Was Dr. Jürgen Rissland positiv sieht, sind die Auswirkungen der Impfkampagne. Dass die Todeszahlen und die Inzidenzen bei den über 80-Jährigen zurückgingen, sei klar auf die Impfungen zurückzuführen.


"Der Rückgang der Fallzahlen hat sich verlangsamt"

Jürgen Rissland hat im Interview mit SR 3 Saarlandwelle festgestellt, dass die Fallzahlen immer langsamer zurückgehen und derzeit eher eine Seitwärts- als eine Abwärtsbewegung zu beobachten ist. Außerdem seien die Virus-Mutationen weiter auf dem Vormarsch. So deute bundesweit bereits jeder fünfte Nachweis einer Coronainfektion auf eine Mutante hin. Im Saarland läge ihr Anteil bei zehn bis 20 Prozent.

Jürgen Rissland hat außerdem erklärt, weshalb die zunächst in Großbritannien aufgetretene Virusvariante ansteckender ist als die bisherige Variante. Das habe mit dem Oberflächenprotein zu tun, das besser in die menschlichen Zellen eindringen könne. Man müsse sich das Protein wie einen Schlüssel vorstellen, der auf ein Schloss passe.

"Der Rückgang der Fallzahlen hat sich verlangsamt"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 20.02.2021, Länge: 03:38 Min.]
"Der Rückgang der Fallzahlen hat sich verlangsamt"
Jürgen Rissland hat im Interview mit SR 3 Saarlandwelle festegstellt, dass die Fallzahlen immer langsamer zurückgehen und derzeit eher eine Seitwärts- als eine Abwärtsbewegung zu beobachten ist. Außerdem seien die Virus-Mutationen weiter auf dem Vormarsch. So deute bundesweit bereits jeder fünfte Nachweis einer Coronainfektion auf eine Mutante hin. Im Saarland läge ihr Anteil bei zehn bis 20 Prozent. Corona-Schnelltests hält er als zusätzliche Maßnahme für sinnvoll.

In den Schnelltests sieht Rissland eine wichtige Ergänzung zu den bisherigen Corona-Maßnahmen. Sie seien allerdings mit Vorsicht zu genießen und man müsse dabei sehr auf ihre Qualität und eine sachgemäße und gewissenhafte Anwendung achten. Schließlich sei es auch wichtig, dass Personen mit einem positiven Testergebnis die richtige Konsequenz daraus zögen und eine mögliche Infektion abklären ließen. Hygienekonzepte, so Rissland, könnten durch die Tests allerdings nicht ersetzt werden.


Rissland hält Regierungs-Strategie für vertretbar

Das Gesundheitsamt berichtet vermehrt von Menschen, die sich nicht mit AstraZeneca impfen lassen wollen. Grundsätzlich hält Dr. Jürgen Rissland, Virologe an der Uniklinik Homburg, den britischen Impfstoff für "durchaus geeignet". Vor allem in Bezug auf den Schutz vor schweren Verläufen sei er mit den Impfstoffen von Biontech und Moderna zu vergleichen. Eine erkennbare Abweichung gebe es aber bei mäßigen Erkrankungen meint Rissland: "Da ist ein Unterschied da." Aber 70-80 Prozent Wirksamkeit seien hier trotzdem ein gutes Ergebnis, wenn die Alternative keine Impfung und damit 0 Prozent sei. Die Tatsache, dass AstraZeneca nur für Menschen unter 65 Jahren empfohlen wird, liege daran, dass nicht genügend Daten für höhere Altersgruppen vorgelegt wurden, so der Virologe.

Bei Einhaltung der entprechenden Hygiene-Konzepte hält es Rissland für vertretbar, dass Friseurläden als erstes wieder öffnen dürfen. Ein ordentlicher Haarschnitt trage zur Körperhygiene bei und das sei jetzt lange genug nicht möglich gewesen. Er hält es außerdem für einen Versuch der Regierung, "die Öffnungsstrategie in irgendeiner Weise strukturiert vorzunehmen". Natürlich müsse die Situation dabei immer wieder neu bewertet werden.


Rissland warnt vor privaten Fastnachtsfeiern

Dr. Jürgen Rissland, Virologe an der Uniklinik Homburg, warnt vor privaten Fastnachtsfeiern. Dass die offiziellen Veranstaltungen abgesagt sind, bedeute noch nicht, dass die Ansteckungsgefahr gebannt sei.

Erhöhte Gefahr durch mutierte Viren

Problematisch ist laut Rissland auch, dass im Saarland mutierte Virusvarianten aufgetreten sind. Beispielsweise ist neben der britischen Mutation auch die brasilianische Variante nachgewiesen worden. Sie sei zwar im direkten Sinne nicht gefährlicher als das bisher verbreitete Coronavirus aber deutlich ansteckender. Das könne dazu führen, dass mehr Menschen einen gefährlichen Krankheitsverlauf haben, ganz einfach deswegen, weil sich potentiell mehr Menschen anstecken.

Rissland warnt vor privaten Faschingsfeiern
Audio [SR 3, SR 3 Michael Friemel/Jürgen Rissland, 06.02.2021, Länge: 03:24 Min.]
Rissland warnt vor privaten Faschingsfeiern
Dr. Jürgen Rissland, Virologe an der Uniklinik Homburg, warnt vor privaten Fastnachtsfeiern. Dass die offiziellen Veranstaltungen abgesagt sind, bedeute noch nicht, dass die Ansteckungsgefahr gebannt sei. Problematisch ist laut Rissland auch, dass im Saarland mutierte Virusvarianten aufgetreten sind. Beispielsweise ist neben der britischen Mutation auch die brasilianische Variante nachgewiesen worden.

Positiv bewertet Rissland allerdings, dass Impfungen wohl auch vor der brasilianischen Mutation schützen. Die Impfwirkung sei nach derzeitigem Kenntnisstand zwar nicht genauso gut wie bei der normalen Virusvariante aber auch nicht wesentlich reduziert.


"Nicht die Zeit, über Lockerungen nachzudenken"

Die Corona-Mutationen, sagt Rissland, seien eine Mahnung an alle, konsequent weiter an der Eindämmung der Pandemie weiterzuarbeiten: Kontakte so weit wie möglich reduzieren, die AHA- plus L-Regeln einhalten und zügig weiter impfen. Deswegen sei jetzt auch keine Zeit, über Lockerungen nachzudenken.

"Es ist keine Zeit, über Lockerungen nachzudenken"
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel / Dr. Jürgen Rissland, 30.01.2021, Länge: 03:58 Min.]
"Es ist keine Zeit, über Lockerungen nachzudenken"
Die Corona-Mutationen, sagt Rissland, seien eine Mahnung an alle, konsequent weiter an der Eindämmung der Pandemie weiterzuarbeiten: Kontakte so weit wie möglich reduzieren, die AHA- plus L-Regeln einhalten und zügig weiter impfen. Deswegen sei jetztauch keine Zeit, über Lockerungen nachzudenken. In Belgien hätten sich diese Varianten schon durchgesetzt. Das müsse in Deutschland so weit wie möglich hinaus geschoben werden.

Was aber kann man überhaupt noch mehr machen? Da spricht Rissland von einem Index, der beschreibt, wie sehr die Maßnahmen wirken. Auf dieser Skala von null bis 100 ist Deutschland schon jetzt deutlich über 80. Das bedeutet: So viel kann man nicht mehr drauf satteln. Und man müsse ja bei jeder Maßnahme nachdenken, was der Mehrwert sei, und auch, welcher mögliche Schaden davon ausgehen könne. Bei den jetzt beschlossenen Reisebeschränkungen könne man trefflich darüber streiten.

Erst Ungereimtheiten bei AstraZeneca

Im Bezug auf den umstrittenen Impfstoff AstraZeneca meint Rissland, bei der Veröffentlichung der ersten Zwischenergebnisse seien "alle schon ein bisschen irritiert und überrascht gewesen", weil es Ungereimtheiten gab. Laut der Europäischen Arzneitmittelbehörde EMA wurden Daten nachgeliefert. Darum gehe er jetzt erst mal davon aus, dass die Entscheidung der EMA auf einer seriösen Grundlage beruhe. Rissland rechnet also mit einer relevanten Wirkung des Impfstoffs. Die "Ständige Impfkommission", StiKo, in Deutschland schätze das allerdings anders ein. aus. Sie sehe die Wirkung nur bei den 18- bis 64-jährigen tatsächlich belegt. Rissland selbst steht in diesem Punkt eher auf der Seite der StiKo.


Birk und Rissland zur aktuellen Corona-Lage

Der Virologe Jürgen Rissland von der Uniklinik in Homburg und der Leiter des Gesundheitsamtes im Regionalverband Saarbrücken, Alexander Birk, haben u. a. über den Nachweis der mutierten Virus-Variante aus Großbritannien gesprochen, über die Impfung und deren Funktionsweise, über das Impfverhalten der Saarländer und über den verlängerten Lockdown.

Dr. Jürgen Rissland und Alexander Birk beantworten Corona-Fragen
[SR 3, Jürgen Rissland, 23.01.2021, Länge: 07:09 Min.]
Dr. Jürgen Rissland und Alexander Birk beantworten Corona-Fragen
Das mutierte Virus aus Großbritannien ist nachgewiesen in Deutschland, dominiert aber noch nicht. Die Impfzentren sind in Betrieb, der Lockdown verlängert und punktuell verschärft. Die Infizierten-Zahlen gehend aber nur langsam runter. Der Virologe Dr. Jürgen Rissland hat mit zusammen mit Alexander Birk, dem Leiter des Gesundheitsamtes im Regionalverband, Rede und Antwort gestanden.

Beim Thema Impfung herrscht bei der Bevölkerung Skepsis. Wie soll man sich so sicher sein, dass diese neue Impfmethode keine schwerwiegenden Folgen mit sich bringt, wo es doch keine Langzeitstudien dazu gibt? Rissland versucht, diese Angst zu nehmen: Die Messenger-RNA, die uns immun machen soll, sei im Prinzip nichts anderes als ein "Baurezept für Proteine", die damit verändert würden, und die dann immun gegen das Virus sein sollten. Dieser Prozess laufe in der Zelle sowieso ständig ab, so der Virologe. Auf unser Erbgut habe das keine Auswirkungen. In Bezug auf die mutierte und infektiösere Virusvariante aus Großbritannien sieht Rissland keinen Grund zur Sorge, was die Wirksamkeit der Impfungen betrifft. Zudem könne es mit den selben Maßnahmen bekämpft werden, wie die früheren Varianten auch. Deswegen sei man mit der Verlängerung und Verschärfung des Lockdown wohl gut beraten.

Alexander Birk beobachtet in den Impfzentren eine steigende Impfbereitschaft. Wer sich einen Termin ergattert habe, der sei in erster Linie froh darüber und nicht skeptisch. Was die Nachverfolgung von Neuifizierten betreffe, sei man mittlerweile sehr gut aufgestellt in den Gesundheitsämtern, so Birk: "Wir haben eine große Lernkurve hinter uns gebracht." Personell gesehen habe man sich im Regionalverband Saarbrücken fast verzehnfacht.


"Impfstoffe wirken wohl auch gegen mutierte Virusvariante"

"Impfstoffe wirken auch gegen mutierte Viren"
Audio [SR 3, (c) SR, 16.01.2021, Länge: 03:31 Min.]
"Impfstoffe wirken auch gegen mutierte Viren"
Derzeit geht die Angst um, dass sich die mutierten Coronavirus-Varianten aus Südafrika und Großbritannien auch in Deutschland ausbreiten könnten. Nach Einschätzung von des Homburger Virologen Dr. Jürgen Rissland stellen Virusmutationen immer eine Gefahr dar, weil nicht klar ist, in welche Richtung sie sich entwickeln. Immerhin wirkten die bisher verfügbaren Impfstoffe aber ganz gut gegen die Variante aus Großbritannien.

Derzeit geht die Angst um, dass sich die mutierten Coronavirus-Varianten aus Südafrika und Großbritannien auch in Deutschland ausbreiten könnten. Nach Einschätzung von des Homburger Virologen Dr. Jürgen Rissland stellen Virusmutationen immer eine Gefahr dar, weil nicht klar ist, in welche Richtung sie sich entwickeln. Immerhin wirkten die bisher verfügbaren Impfstoffe aber ganz gut gegen die Variante aus Großbritannien.

Dass es trotz der laufenden Impfungen immer noch zu Coronaausbrüchen in Pflegeheimen kommt, führt Rissland auf zwei Dinge zurück. Erstens seien nicht alle Bewohner bereit, sich impfen zu lassen und bei den Pflegern seien es noch weniger. Außerdem wirke eine Impfung erst dann, wenn die Patienten auch ihre zweite immunisierungsspritze erhalten haben.


"Infektionszahlen trotzdem verlässlich"

Dr. Jürgen Rissland hält Testverfahren auch bei Mutation für verlässlich
[SR 3, Michael Friemel, 09.01.2021, Länge: 03:44 Min.]
Dr. Jürgen Rissland hält Testverfahren auch bei Mutation für verlässlich
Vor ein paar Wochen wurde in England eine neue Form des Coronavirus entdeckt, die deutlich ansteckender sein soll, als die bisherige. Mittlerweile wurde diese Mutation auch in Deutschland und mehreren Ländern weltweit nachgewiesen. Im Saarland wird jetzt auch danach gesucht. Michael Friemel hat u. a. darüber mit Dr. Jürgen Rissland, dem leitenden Virologen des Universitätsklinikums in Homburg, gesprochen.

Dr. Jürgen Rissland ist maßgeblich daran beteiligt, dass in einer Kooperation aus Universitat und Universitätsklinikum zu dieser mutierten Form geforscht wird. Bisher konnte sie im Saarland nicht nachgewiesen werden. Es wurde jetzt dafür gesorgt, dass Proben nach Saarbrücken gegangen seien, wo sie an der Universität untersucht würden, erzählt Rissland. "Das Testverfaren kann man grob gesprochen unterscheiden in eine Art von Suchtest und eine Art von Bestätigungstest. Deswegen muss man wirklich sicher sein, dass das Ergebnis am Ende auch wirklich richtig ist." Sobald erste Ergebnisse da sein, würde die Öffentlichkeit natürlich direkt davon erfahren, so der Virologe.

Rissland denkt nicht, dass das mutierte Virus einen Einfluss auf die Korrektheit unserer Inzidenzwerte habe. Die Anbieter der Testverfahren hätten nochmal versichert, dass sie auch "diese Mutante erkennen würden". Deswegen geht Rissland davon aus, "dass alles, was wir an Infektionszahlen haben, trotzdem verlässlich ist".


"Wir trauen den Zahlen nicht"

Nach den Modellrechnungen der Uniklinik Homburg könnte -wenn nichts dazwischen kommt - Ende Januar wieder der kritische Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen unterschritten werden. Aus derzeitiger Sicht ist das eine positive Marke, denn derzeit liegt der Inzidenzwert noch bei ca. 200. Der Virologe Dr. Jürgen Rissland von der Uniklinik Homburg sieht allerdings die Gefahr, dass die derzeitigen Zahlen nicht die Realität abbilden. Es könne gut sein, dass sie deutlich höher lägen. Grund sei, dass sich wegen der Feiertage Meldungen über Neuinfektionen verzögerten.

"Wir trauen den Zahlen nicht"
Audio [SR 3, (c) SR, 02.01.2021, Länge: 04:32 Min.]
"Wir trauen den Zahlen nicht"
Nach den Modellrechnungen der Uniklinik Homburg könnte -wenn nichts dazwischen kommt - Ende Januar wieder der kritische Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen unterschritten werden. Aus derzeitiger Sicht ist das eine positive Marke, denn derzeit liegt der Inzidenzwert noch bei ca. 200. Der Virologe Dr. Jürgen Rissland von der Uniklinik Homburg sieht allerdings die Gefahr, dass die derzeitigen Zahlen nicht die Realität abbilden. Es könne durchaus sein, dass die Zahlen deutlich höhrer liegen, weil sich die Meldungen wegen der Feiertage möglicherweise verzögert haben.

Kritik an Bundesgesundheitsminister Spahn wegen der Impfstoffbechaffung teilt Rissland unterdessen nicht. Im Rahmen der Möglichkeiten habe die Bundesregierung einen ganz guten Job gemacht. Vereinzelt gebe es zwar Länder, die beim Beschaffen des Impfstoffes etwas schneller gewesen seine, gleichzeitig gebe es aber auch ganz viele Länder, die weniger oder überhaupt keinen Impfstoff bekommen haben.


"Daten Prüfen auf Herz und Nieren"

Dr. Jürgen Rissland: "Daten prüfen auf Herz und Nieren"
[SR 3, Michael Friemel, 19.12.2020, Länge: 04:19 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Daten prüfen auf Herz und Nieren"
Deutschland steckt zum zweiten Mal in einem harten Lockdown, für Weihnachten sind aber Lockerungen vorgesehen. Während im Saarland die Impfzentren noch startklar gemacht werden und letzte Tests laufen für die Notfallzulassung des ersten Impfstoffes, wird in den USA schon einer verabreicht und der zweite hat nun auch die Zulassung bekommen. Im Gespräch mit Michael Friemel schätzt der Virologe Dr. Jürgen Rissland die Lage ein.

In Europa nimmt man sich etwas mehr Zeit für die Notfallzulassung des ersten Impfstoffes als anderswo auf der Welt. Das ermöglicht der europäischen Arzneimittelbehörde nach Ansicht des leitenden Virologen des Universitätsklinikums in Homburg, Dr. Jürgen Rissland, "das Prüfen der Daten auf Herz und Nieren" weiter auszuweiten. Zu der Erforschung der allgemeinen Wirkung des Impfstoffes und auch der Rate der möglichen Nebenwirkungen käme noch hinzu, dass man auch Test durchführen könne in verschiedenen Subgruppen: "Ist das in allen Altersgruppen gleich ausgeprägt? Verhält es sich bei Menschen mit gewissen Vorerkrankungen genauso wie bei gesunden?" Dieses seriöse Vorgehen der Europäischen Arzneimittelbehörde sei sehr wichtig für das Vertrauen in den Impfstoff, so Rissland.

Glücklicherweise ließe die Lage in Zentral-Europa zu, diese Tests durchzuführen. In den USA zum Beispiel herrsche ein "ganz anderer Handlungsdruck". Über eventuelle Langfristnebenwirkungen werde man allerdings erst etwas sagen können, wenn man "nach der Zulassung des Impfstoffes die ganze Geschichte sehr intensiv beobachtet".


"Ein harter Lockdown ist kein Allheilmittel"

"Ein harter Lockdown ist kein Allheilmittel"
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel / Dr. Jürgen Rissland, 12.12.2020, Länge: 03:47 Min.]
"Ein harter Lockdown ist kein Allheilmittel"
Der leitende Virologer am Homburger Uni-Klinikum zeigt sich davon überzeugt, dass ein harter Lockdown bis zum 10. Januar könne dafür sorgen, dass die Infektionszahlen wieder auf die kritische Marke von 50 absinken. Damit ist die Zahl der Infizierten im Wochenschnitt pro 100.000 gemeint. Derzeit liegt dieser Inzidenzwert im Saarland teilweise über 200. Damit käme das Infektionsgeschehen aber nicht zum Erliegen, es sei nur ein Wellenbrecher.

Der leitende Virologer am Homburger Uni-Klinikum zeigt sich davon überzeugt, dass ein harter Lockdown bis zum 10. Januar könne dafür sorgen, dass die Infektionszahlen wieder auf die kritische Marke von 50 absinken. Damit ist die Zahl der Infizierten im Wochenschnitt pro 100.000 gemeint. Derzeit liegt dieser Inzidenzwert im Saarland teilweise über 200. Damit käme das Infektionsgeschehen aber nicht zum Erliegen, es sei nur ein Wellenbrecher.

In den Krankenhäusern beginne es mit Engpässen. Das läge vor allem daran, dass qualifiziertes Personal fehle. Darum gingen Krankenhäuser dazu über, so genannte "verschiebbare Eingriffe" tatsächlich zu verschieben. Gefragt, ob Kinder Treiber der Pandemie seien, meint Rissland, es gebe kein einheitliches Bild. Es gebe Studien, die belegen, dass sie gleich häufig betroffen sind wie Erwachsene, andere Studien belegten das Gegenteil.


"Normalität voraussichtlich erst Ende 2021 wieder"

"Normalität voraussichtlich erst Ende 2021 wieder"
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel / Dr. Jürgen Rissland, 05.12.2020, Länge: 02:48 Min.]
"Normalität voraussichtlich erst Ende 2021 wieder"
Viele Menschen fragen sich, ob sie sich impfen lassen sollen und auch, wann sie überhaupt an der Reihe sind. Dr. Jürgen Rissland geht davon aus, dass zunächst diejenigen geimpft werden, die Risikogruppen angehören. Dazu gehörten ältere Menschen. Je älter jemand sei, desto wahrscheinlicher sei ein schwerer Verlauf der Erkrankung. Dann natürlich diejenigen, die die Erkrankten betreuen. Viele fragen sich auch, wie lange es dauern wird, bis alle geimpft sind. Rein rechnerisch, so Rissland, werde das Jahr 2021 im Zeichen der Impfung stehen. Erst Ende des Jahres werde sich voraussichtlich langsam wieder Normalittät einstellen.


"Weiter mehrere 100 Tote pro Tag"

"Wir werden weiter mehrere 100 Tote pro Tag beklagen müssen"
Audio [SR 3, (c) SR, 28.11.2020, Länge: 04:03 Min.]
"Wir werden weiter mehrere 100 Tote pro Tag beklagen müssen"
Im Bezug auf die verkaufsoffenen Sonntag schlagen zwei Herzen in der Brust von Jürgen Rissland. Wirtschaftlich gesehen, sei das sehr wichtig. Er verstehe die Sorgen und Nöte des Einzelhandels. Vom epidemiologischen Gesichtspunkt sei es besser, möglichst wenige Kontakte zu haben. Vielleicht sei es sinnvoll, für eine begrenzte Zeit die Sonntagsöffnungszeiten zu ändern. Dagegen stehe aber das Tarifrecht. Einfach sei die Entscheidung nicht.

Derzeit gibt es 500 Tote pro Tag. Die mathematischen Modelle besagen, so Rissland, "leider, dass wir auf diesem hohen Niveau bleiben werden". Wer sich selbst ein Bild machen wolle, könne mal selbst unter www.covid-simulator.com nachsehen und auch selbst mit Zahlen den Erfahrungen machen.


"2021 im Zeichen der Corona-Impfung"

"2021 im Zeichen der Corona-Impfung"
Audio [SR 3, (c) SR, 21.11.2020, Länge: 04:07 Min.]
"2021 im Zeichen der Corona-Impfung"
Auch nachdem es zwei Pharma-Unternehmen gelungen ist, Impfstoffe gegen Covid19 zu entwickeln, glaubt der Virologe Dr. Jürgen Rissland nicht, dass die Pandemie schnell überwunden sein wird. Besonders am Anfang würden nur begrenzte Mengen an Impfstoff zur Verfügung stehen.

Außerdem müssten die Impfungen organisiert werden, was ein aufwändiger Prozess sei und die Bevölkerung das gesamte kommende Jahr begleiten werde. Darüber hinaus ist auch nicht klar, wie viele Menschen sich tatsächlich impfen lassen wollen. Auch das könne ein Ende der Pandemie hinauszögern. Die Aussage, dass die zweite Welle in Frankreich überwunden sei, sieht Rissland kritisch. Die fallenden Ansteckungszahlen gingen ganz eindeutig auf den Lockdown in dem Land zurück. Würden die Maßnahmen aufgehoben, könnten die Fallzahlen sehr schnell wieder steigen.

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