Virologe Dr. Jürgen Rissland  (Foto: SR)

Dr. Jürgen Rissland zu Fragen rund um Corona

 

Dr. Jürgen Rissland ist Vorsitzender des Verbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitswesens im Saarland und leitender Oberarzt am Institut für Virologie an der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg. Regelmäßig nimmt er sich die Zeit, um Fragen rund um die Corona-Pandemie und die Schutzmaßnahmen zu beantworten.

"Je vollständiger der Impfschutz ist, umso besser"

Rissland: "Je vollständiger der Impfschutz ist, umso besser"
Audio [SR 3, (c) SR, 05.02.2022, Länge: 03:35 Min.]
Rissland: "Je vollständiger der Impfschutz ist, umso besser"
Der Virologe Dr. Jürgen Rissland rechnet mit einem weiteren Anstieg der Corona-Zahlen noch bis Mitte Februar. Wegen einer Untervariante von Omikron könnte es noch etwas länger dauern.

Im Bezug auf die Belegungszahlen in den Kliniken möchte Rissland noch nicht von einer Entwarnung sprechen. Diese habe sich in den vergangenen 14 Tagen fast verdoppelt. Die gute Nachricht: Die Intensivstationen seien von diesem Aufwärtstrend nicht betroffen. Im Gegenteil, dort gebe es eher eine leichte Abwärtsbewegung

"Größere Veranstaltungen noch meiden"

Wer im Krankenhaus lande, sei überwiegend ungeimpft oder unvollständig geimpft. Vollständig Geimpfte seien deutlich seltener und „nochmal eine Stufe weniger, die Geboosterten. Je vollständiger der Impfschutz ist, umso besser.“

Den Wunsch nach Lockerungen kann Rissland gut verstehen. Er würde sie aber noch nicht umsetzen, sondern erst den Gipfel der Omikron-Welle abwarten. Auch das RKI sage ganz deutlich, größere Veranstaltungen sollten noch gemieden oder sogar abgesagt werden.

Was die vierte Impfung betreffe, gebe es ein Missverständnis. „Die Stiko hat noch gar keine Empfehlung ausgesprochen. Sie hat nur eine Pressemitteilung herausgegeben, dass sie einen Beschlussentwurf in den Abstimmungsprozess eingespeist haben.“ Dabei gehe es nicht um die aktuelle Omikron-Welle, sondern um ein Konzept für die Zukunft.


"Die Gesundheitsämter sind mittlerweile derart überlastet"

Die Zahlen steigen weiterhin. Im Saarland sind wir derzeit im vierstelligen Bereich. Dr. Jürgen Rissland Vorsitzender des Verbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitswesens im Saarland gibt leichte Entwarnung. Er erklärt:“ Omikron ist auf der einen Seite quantitativ natürlich sehr stark, aber auf der anderen Seite die Qualität, also die krankmachende Wirkung nicht so groß “. Eine Belastung des Gesundheitssystems ist es dennoch. Rissland betont:“ Wir haben aus Nachbarsstaaten den Hinweis, dass Krankenhaus Behandlungen deutlich nach oben gehen, nicht unbedingt auf der Intensivstation, aber auf den normalen Stationen und wenn man dann noch weiß, dass Personal ausfallen kann, dann ist das schon eine nennenswerte Belastung.“

Vermehrte Zweitinfektionen

Die Zahlen von Menschen, die sich in einem kurzen Zeitraum bereits zum zweiten Mal mit einer Covid-Variante infizieren, steigen. Dr.Rissland erklärt:  “Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es erst Delta war und jetzt Omikron. Eine natürliche Infektion führt schon zu einer vorrübergehenden Immunität.“ Er merkt dennoch an: “Die Infektionen verlaufen in Wellen, das heißt die gehen über mehrere Wochen und dabei gibt es einen Gipfel, wenn die Infektionszahlen runtergehen, dann hat man eigentlich in der Regel ruhe, so lange keine andere bedeutsame Variante auftaucht. “

Quarantäneverordnung für Schulen und Kitas

Ab sofort müssen nur noch Kinder und Jugendlichen in Quarantäne, die positiv getestet sind. Alle anderen Kinder müssen weiterhin zur Schule oder in den Kindergarten gehen. Dr. Jürgen Rissland macht deutlich: “Klar soll damit vor alle Dingen das Ziel verfolgt werden, dass man die Präsenzmöglichkeit für den Unterricht möglichst aufrecht erhält und auf der andern Seite muss man aber auch faktisch sagen, die Gesundheitsämter sind mittlerweile derartig überlastet, angesichts der hohen Inzidenzraten, dass sie das eigentlich gar nicht mehr richtig organisiert bekommen.“ Tägliches Testen und eine verschärfte Maskenpflicht ergänzen die Verordnung. Kinder sind weniger anfällig für eine Corona Erkrankung, als Erwachsene. Das könnte zu Ausfällen in Kindergarten und beim Lehrpersonal führen. Dr. Rissland räumt ein: “Es gibt die S3-Leitlinie, es gibt organisatorische Maßnahmen, wie Akkordiatierung, Wechselunterricht, Halbierung der Klassen oder gestaffelte Öffnung nach Jahrgängen, die man eben einfach im Hinterkopf haben muss, um auch reagieren zu können.“

Neuer Omikron-Typ

BA2 nennt sich die neue Omikron-Variante. Rissland definiert die Variante, als “Untervariante“, die wie “Vorgänger“ zueinander stehen. “Wir wissen jetzt aus ersten Daten aus Indien und Dänemark, dass BA2 etwas ansteckender ist als BA1, aber nicht unbedingt gefährlicher, deswegen habe wir wirklich die begründete Hoffnung, dass BA2 keinen wesentlichen Einfluss auf die aktuelle Omikron-Welle nimmt und vielleicht auch keinen auf die Pandemie insgesamt.“

"Es gibt organisatorische Maßnahmen"
Audio [SR 3, Michael Friemel/Dr.Jürgen Rissland, 29.01.2022, Länge: 04:25 Min.]
"Es gibt organisatorische Maßnahmen"


Belegung der Intensivstationen seit Wochen "relativ konstant niedrig"

Das Oberverwaltungsgericht hat in Saarlouis die 2-Regelung im Einzelhandel gekippt. Jetzt dürfen auch Ungeimpfte wieder in jedes Geschäft im Saarland. Dr. Jürgen Rissland sieht in dem gerichtlichen Beschluss keine fachliche Bewertung der Omikron-Gefährdung. Lockerungen seien auch aus virologischer Perspektive "sicherlich irgendwann in Sicht", aber eben erst, wenn "wir den Gipfel der Omikron-Welle überwunden haben sollten und auch keine neue Variante in Sicht wäre", so Rissland.

Dr. Jürgen Rissland zu Lockerungen im Einzelhandel und Omikron
Audio [SR 3, Michael Friemel, 22.01.2022, Länge: 03:49 Min.]
Dr. Jürgen Rissland zu Lockerungen im Einzelhandel und Omikron
Dr. Jürgen Rissland hat im Gespräch mit Michael Friemel darüber gesprochen, wie er die gerichtlich beschlossenen Lockerungen im Einzelhandel bewertet und was in Sachen Omikron-Variante noch auf uns zukommen wird.

Die Belegung auf den Intesivstationen in Homburg sei durch Omikron seit Wochen "relativ konstant niedrig", sagt der Virologe. Auf den anderen Stationen scheine sich aber wieder ein leichter Anstieg anzukündigen. Deswegen müsse man hier wachsam bleiben.

Bei Novavax wurde vor allem die Alpha-Variante getestet

"Beim Impfstoff Novavax wurde vor allem die Alpha-Variante getestet"
Audio [SR 3, Frank Hofmann / Dr. Jürgen Rissland, 15.01.2022, Länge: 04:19 Min.]
"Beim Impfstoff Novavax wurde vor allem die Alpha-Variante getestet"
Der neue Impfstoff Novavax ist, so der Virologe Rissland, in klinischen Zulassungsstudien vornehmlich gegen die Alpha-Variante getestet worden. Dort hat der Impfstoff eine hohe Wirksamkeit. Bei der Delta Variante sind auch „einige Menschen“ getestet worden. „Auch da war die Wirksamkeit relativ gut“. Für die Omikron Variante gebe es noch keinerlei Daten. Und zunächst werdeauch nur eine relative geringe Menge dieses so genannten Totimpfstoffs zur Verfügung stehen.

Ungeimpfte müssten nach legen

Auf die Frage, ob die Geboosterten einer Corona-Infektion relativ entspannt entgegen sehen könnten, da die Omikron-Variante offensichtlich zu milderen Verläufen führt, meinte Rissland, als Individuum grundsätzlich schon. „Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht ist in Deutschland mehr als jeder Fünfte in der Altersgruppe zwischen 18 und 59 Jahren noch nicht geimpft und etwas mehr als jeder Zehnte in der Altersgruppe der über 60-Jährigen.“ Die müssten noch mal nach legen.


"Der Infektionsdruck ist deutlich am Steigen"

Die Corona-Lage verschärft sich. Trotz Meldeverzögerungen bei Corona-Fällen über die Weihnachtsfeiertage ist sich Dr. Jürgen Rissland, Vorsitzender des Verbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitswesens im Saarland sicher: “Wir können eine Trendumkehr beobachten, das heißt, die Infektionsfälle nehmen wieder zu“. Das spiegelt sich auch in den Inzidenzen des Saarlandes wieder, Dr. Rissland hat aktuelle Zahlen vom Saarland: “ Da ist die Inzidenz schon wieder über 300, die 7-Tage-Inzidenz, und an der Spitze der Landkreis St. Wendel, mit einer Inzidenz über 500“.

Organschäden durch Omikron

Omikron verbreitet sich rasant und äußert sich in den meisten Fällen mit mildem Verlauf. Häufig komme es trotz mildem Krankheitsverlauf zu Langzeitschäden. Das sei, so Rissland, "nichts wirklich Neues. Wir wussten schon die ganze Zeit, dass es eben auch bei primären Infektionen mit wenigen Symptomen, wirklich auch zu Langzeitfolgen kommen kann. Das ist vor alle Dingen darin begründet, dass die Infektion eigentlich eine Art Auslöser ist für Folgeprobleme.“

Long-Covid-Schäden auch bei Kindern

Kinder sind von einer Covid-Infektion nicht ausgeschlossen und haben vermehrt sogar mit Langzeitschäden zu kämpfen. Rissland betont: "Auch bei Kindern können diese Langzeitschäden auftreten, aber sicherlich nicht so häufig wie bei Erwachsenen.“

Tablette gegen Covid

Ein antivirales Arzneimittel zur Behandlung von milder bis moderater COVID-19 bei Erwachsenen ist auf dem Markt: Lagevrio. "Lagevrio ist eine Art Tablette 'Danach'", so Rissland. Aber: In der EU gebe es aktuell noch keine Zulassung, seit dem 3. Januar aber eine spezielle Allgemeinverfügung zur frühzeitigen Einsetzung. Die Zielgruppe sei jedoch stark eingeschränkt. Der richtige "Game-Changer" sei das noch nicht.

"Der Infektionsdruck ist deutlich am Steigen"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 08.01.2022, Länge: 05:01 Min.]
"Der Infektionsdruck ist deutlich am Steigen"


"Die fünfte Welle steht nicht vor der Tür, sie hat die Tür schon geöffnet"

Die fünfte Welle sei da, auch wenn sich das in den Fallzahlen noch nicht so widerspiegele, denn Arztpraxen waren zwischen den Feiertagen teilweise geschlossen und konnten keine Tests durchführen. Im Labor erkenne man aber, dass sich die Omikron Variante durchsetze. In naher Zukunft seien weiterhin steigende Infektionszahlen zu erwarten, sagt Dr. Jürgen Rissland. "Und nächste Woche bei Schulbeginn könnte es zu einer schlagartigen Erhöhung der Infektionsfälle aufgrund erhöhter Kontaktzahlen kommen."

Die Omikron Variante

Omikron verbreitet sich schneller und effektiver als bisherige Varianten. Eine Veränderung der Symptome ist bisher nicht bekannt, es gilt weiterhin bei Husten, Fieber, Schnupfen oder Störung des Geruch- und Geschmacksinns Vorsicht walten zu lassen. Bei Kindern können Magen-Darm-Beschwerden auftreten – auch ohne begleitenden Husten.

Ob Omikron milder ist, lässt sich laut Dr. Rissland noch nicht abschließend beurteilen. Kinder und Jugendliche würden nicht schwerer erkranken als Erwachsene.

Die Booster-Impfung sei aber immer noch das Mittel der Wahl, um sich gegen schwere Krankheitsverläufe zu schützen. Dass sich Omikron besser überträgt und durchsetzt führe auf längere Sicht zu einer natürlichen Boosterung der Gesellschaft, allerdings sei dieser Vorgang – im Gegensatz zur Impfung – nicht standardisiert und schwer kontrollierbar.

Ein Ende der Pandemie sieht Dr. Rissland noch nicht, denn vor allem in Afrika sei die Zahl der vollständig Geimpften immer noch sehr niedrig und biete Angriffsfläche für die Enstehung neuer Virusvarianten.

Omikron: die fünfte Welle ist da
Audio [SR 3, Nadine Thielen, 31.12.2021, Länge: 06:09 Min.]
Omikron: die fünfte Welle ist da


“Die Impfung schützt nicht gegen die Infektion“

In vielen Bereichen gilt derzeit die 2G+-Regel. Das heißt, dass zusätzlich zum vollständigen Impfschutz auch ein negatives Testergebnis nötig ist. Diese Testpflicht entfällt jetzt für Personen, die die Booster-Impfung erhalten haben. Vollständig Geimpfte, die die Booster-Impfung noch nicht erhalten haben, müssen sich weiterhin testen lassen.

Dr. Jürgen Rissland, Vorsitzender des Verbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitswesens im Saarlands erklärt: “Bei den Geboosterten wissen wir, dass sie den höchsten Impfschutz haben und bei den vollständig Geimpften wissen wir, dass er über mehrere Monate auch sehr gut ist und sich erst langsam anfängt abzuschwächen.“ Das ist einer der Gründe, weshalb die STIKO über eine Anpassung der Wartefrist für die Booster-Impfung spricht. Dr. Jürgen Rissland betont: “Wir wissen, wer mehr Immunisierungskontakte hatte, bei dem ist die Viruslast bei den Atemwegen geringer und die Übertragungsgefahr dementsprechend geringer und deswegen kann man diese sogenannten Erleichterungen eben für die Geboosterten rechtfertigen.“

So wenig Kontakt wie möglich

Für die Eindämmung einer Pandemie sind Festtage mit Familientreffen und Veranstaltungen problematisch. Dr. Rissland empfiehlt: “So wenig Kontakte wie möglich, so wenig Personen wie möglich und idealerweise treffen sich nur geboosterte Personen.“ Für Kinder empfiehlt er das konsequente tragen einer Maske.

Omikron-Situation kann Kippen

Die Omikron-Variante aus Südafrika nimmt in anderen Ländern an Dominanz zu. Mit Hinblick auf die angespannte Lage in deutschen Krankenhäusern, sieht Dr. Jürgen Rissland mit Sorgen auf die Ausbreitung der Variante. Er appelliert daher, Vorsichtsmaßnahmen ernst zu nehmen.  

“Die Impfung schützt nicht gegen die Infektion“
Audio [SR 3, Michael Friemel, 18.12.2021, Länge: 04:52 Min.]
“Die Impfung schützt nicht gegen die Infektion“


Kinderimpfungen stellen "geringen epidemiologischen Effekt" dar

Die südafrikanische Corona-Variante Omikron hat nun auch das Saarland erreicht. Dr. Jürgen Rissland, Vorsitzender des Verbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitswesens im Saarland hat das schon befürchtet. Es gibt neue Erkenntnisse und Daten aus Südafrika, Dänemark und England. Er erklärt: "Wir wissen mittlerweile, dass die Omikron-Variante sich so auswirkt, dass das Infektionsgeschehen alle drei Tage verdoppelt wird und das heißt, es ist deutlich schneller, als bei der Delta-Variante".

Impfung wird bedeutsamer

Die Omikron-Variante ist ein weiteres Risiko für die Gesundheit. Für Geboosterte gibt Rissland Entwarnung, bei ihnen besteht weiterhin ein mittlerer Infektionsschutz. Ungeimpfte haben gegen Omikron keinen Infektionsschutz.

Die Steko zu Kinderimpfungen

Kinder können nun schon ab 5 Jahren gegen das Coronavirus geimpft werden. Zur Äußerung der STIKO erklärt Dr. Rissland: “Die konkrete Impfempfehlung ist noch im Abstimmungsverfahren, dennoch ist für gesunde Kinder einen Kann- Bestimmung und somit eine Öffnungsklausel eingeführt, welche aber keine Empfehlung ist." Er betont: “Bei kranken Kindern bin ich ganz auf der Seite der STIKO, da würde ich wirklich zuraten und bei gesunden Kindern kann ich durchaus verstehen, wenn der Ein oder Andere das macht, auf der anderen Seite glaube ich, gibt es da kein Muss, denn “selbst, wenn wir alle Kinder impfen würden, hat das nur einen relativ geringen epidemiologischen Effekt.“

“Die Impfung schützt nicht gegen die Infektion“
Audio [SR 3, Michael Friemel, 18.12.2021, Länge: 04:52 Min.]
“Die Impfung schützt nicht gegen die Infektion“


„Jetzt kommt es auf die konsequente Umsetzung an“

„Jetzt kommt es auf die konsequente Umsetzung an“
Audio [SR 3, Frank Hofmann / Michael Friemel, 04.12.2021, Länge: 04:13 Min.]
„Jetzt kommt es auf die konsequente Umsetzung an“

Dr. Jürgen Rissland hält die aktuellen Maßnahmen für geeignet, die Infektionsdynamik im abzubremsen. Gut sei, dass es bundesweit einheitliche Regelungen gebe und zugleich regional flexibel agiert werden könne. Jetzt komme es auf die konsequente Umsetzung an.

Derzeit gebe es im Saarland den Trend zur Stabilisierung auf hohem Niveau. Dabei gehe es aber noch um die Delta-Variante. Die Omikron-Variante müsse aber im Auge behalten werden. Rissland konnte sich in den vergangenen Wochen ausführlich mit einem befreundeten Virologe in Südafrika austauschen. Er, Rissland, könne daher nicht ganz ausschließen, dass es demnächst noch tiefer greifende Maßnahmen brauche.


"Impfen und Boostern ist entscheidend, aber nicht ausreichend"

Südafrika-Variante: Neue Bedrohung?

In Südafrika ist jetzt eine neue Variante des Coronavirus aufgetaucht, die die WHO mittlerweile als besorgniserregend eingestuft hat. Es ist die Variante B1.1.529, von der WHO mit dem griechischen Buchstaben Omikron getauft. Auch die Uniklinik wird ab sofort positive Proben systematisch auf die neue Mutante untersuchen. Dr. Jürgen Rissland, der Vorsitzende des Verbandes der Ärztinnen und Ärzte gibt aber erstmals Entwarnung: „Ich glaube wir sollten uns jetzt nicht völlig ins Boxhorn jagen lassen“. Erste Erkenntnisse über das Virus sind schon vorhanden: „Wir wissen, dass sie unabhängig von der derzeit dominierenden Delta-Variante entstanden ist.“

Die grundlegende Problematik bei der Variante sind die fehlenden Untersuchungen und Daten. Erst mit Erlangen dieser Informationen ist eine Einstufung in Bezug auf Folgen und Schwere der Variante möglich. Laut Rissland ist das, „sicherlich einer der Gründe, warum die Weltgesundheitsorganisation und auch die Europäische Seuchenschutzbehörde dieses Virus als bedeutsam eingestuft haben.“

Impfwirkung zu schwach für neue Varianten?

Die Impfwirkung ist derzeit stabil. Dennoch erschweren fehlende Daten das Einschätzen von einem möglichen Nachlassen des Impfschutzes. In Südafrika ist nur eine kleine Anzahl von Menschen vollständig geimpft, daher ist sich Rissland sicher, „aus Südafrika kann man kann nur begrenzt Erkenntnisse rausziehen“. Mehr Laboruntersuchungen sollen Klarheit schaffen.

Mehr Impfungen?

Mehr geimpfte Menschen führen zu einem Eindämmen der Pandemie und einem Aufhalten der vierten Welle. Rissland blickt dabei nicht alleine auf Deutschland und erklärt: „aus Israel wissen wir, dass diejenigen, die jetzt eine Booster-Impfung bekommen schon ab dem siebten Tag einen Vorteil in Bezug auf die Krankenhauseinweisungsrate haben“. Für Rissland ist jetzt schon klar, Impfen und Boostern ist entscheidend, aber nicht ausreichend. Er glaubt: „wir werden mehr machen müssen, um dieser vierten Welle die Kraft zunehmen und das heißt eben auch stärkere Kontaktreduktionen.“

Eigenverantwortung gefragt

Die Landesregierung versucht kontrollierte Veranstaltungen mithilfe von der 2G/+ -Regel oder 3G-Regel möglich zu machen. Rissland appelliert daher eher an die  Eigenverantwortung der Menschen, in Bezug auf Kontaktreduzierung, als der Politik Schuld zuzusprechen.  Korrektes Verhalten mit Abständen und Maskenpflicht und Vermeiden von Veranstaltungen wie Weihnachtsmarkt-Besuchen, als eigener Beitrag zur Pandemieeindämmung. Dr. Jürgen Rissland, Vorsitzender des Verbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitswesens im Saarland: „Dazu würde ich sie auch ermuntern, ich glaube das ist das Beste was man machen kann, die Politik wird sicherlich das Ihrige tun, aber letzten Endes kommt es auf jeden Einzelnen von uns selbst an.“

"Wir sollten uns jetzt nicht völlig ins Boxhorn jagen lassen“
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel/Dr. Jürgen Rissland, 27.11.2021, Länge: 04:35 Min.]
"Wir sollten uns jetzt nicht völlig ins Boxhorn jagen lassen“
Dr. Jürgen Rissland, Vorsitzender des Verbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitswesens im Saarlands, zur Omikron-Variante aus Südafrika, zum Impfschutz und welche Rolle die Eigenverantwortung, bei der Eindämmung der Coronapandemie spielt.


„Die Gesundheitsämter stehen unter maximaler Anspannung“

Die Überraschung der Regierung über das verschlimmern der Corona-Lage teilt Dr. Rissland, der Vorsitzende des Verbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitswesens im Saarland, nicht. Er betont: “Die steigende Impfquote ist nichts, ohne entsprechend geordnete Lockerungsmaßnahmen und ich glaube, da haben wir es übertrieben.“

Maßnahmen wie Personalverschiebungen, Unterstützung durch die Bundeswehr, Protection, Impfen, Boostern und die Hospitalisierungsrate, sind Schritte in Richtung Pandemieeindämmung. Dr. Rissland sieht dabei noch große Lücken. So auch bei der Aussagekraft der Hospitalisierungsrate. Mit der Hospitalisierungsrate sollen Corona verschuldete Krankenhauseinweisungen innerhalb sieben Tage erfasst werden. Dabei werden nur Personen erfasst, die im Vorfeld positiv getestet wurden und ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten. Ein positiver Corona-Test nach Einweisung wird dabei nicht gewertet. Problematisch wird es, wenn die Überlastung des Gesundheitssystems zu Meldeverzügen führen. Laut Rissland: “erfolgen teilweise die Hospitalisierungen später“ und werden somit im Wert nicht erfasst, da die Hospitalisierung nach der sieben Tage Frist erfolgt. Der Wert ist daher für den Vorsitzenden Rissland: “als Leitwert nur begrenzt geeignet.“ Es ist wichtig, den Auslastungsgrad der Krankenhäuser mit Covid-Fällen, als Faktor mit in Betracht zu ziehen.

Dr. Jürgen Rissland: „Die Gesundheitsämter stehen unter maximaler Anspannung“
Audio [SR 3, Michael Friemel, 20.11.2021, Länge: 05:46 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: „Die Gesundheitsämter stehen unter maximaler Anspannung“
Die Überraschung der Regierung über das verschlimmern der Corona-Lage teilt Dr. Rissland, der Vorsitzende des Verbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitswesens im Saarland, nicht. Im wöchtenlichen Corona-Update betont er gegenüber SR-Moderator Michael Firmel, dass die steigende Impfquote ist nichts sei, ohne entsprechend geordnete Lockerungsmaßnahmen und er glaube, dass wir es da übertrieben haben.


"Auslastungsgrade reduzieren und Abstände damit erhöhen"

Aufgrund der stark ansteigenden Corona-Infektionszahlen geht Dr. Jürgen Rissland davon aus, dass es nicht zu vermeiden ist, "die Kontakte wieder reduzieren" zu müssen. Dabei bezieht sich der Homburger Virologe auf die Berechnungen des Corona-Experten Prof. Thorsten Lehr, der sagt, dass "mindestens 20, besser 30 Prozent Kontaktreduktion" nötig sind. Das beudete beispielsweise auch, dass man bei Veranstaltungen in Innenräumen darüber nachdenken müsse, "ob wir die Auslastungsgrade reduzieren und die Abstände damit erhöhen", so Rissland. Auch die AHA+L-Regeln müssten wieder eingeführt werden. Außerdem empfehle das Robert-Koch-Institut, "große Veranstaltungen sollten abgesagt werden, oder zumindest gemieden werden".

Dr. Jürgen Rissland: "Auslastungsgrade reduzieren und Abstände damit erhöhen"
[SR 3, Nadine Thielen, 13.11.2021, Länge: 04:12 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Auslastungsgrade reduzieren und Abstände damit erhöhen"
Im wöchtenlichen Corona-Update hat Nadine Thielen mit Dr. Jürgen Rissland über Corona-Präparate und Booster-Impfungen gesprochen. Außerdem gab der Homburger Virologe eine Prognose ab, welche Einschränkungen in den nächsten Wochen und Monaten auf uns zu kommen könnten.


"So viel Freiheit wie möglich, aber auch so viel Zurückhaltung wie nötig"

Der Homburger Virologe Dr. Jürgen Rissland mahnt angesichts steigender Coronainfektionszahlen zur Vorsicht bei Kontakten. Im SR 3-Interview mit Michael Friemel sagte er, zum einen sei die hohe Impfquote im Saarland positiv zu bewerten. Es seien deutlich weniger Menschen im Krankenhaus, als vor einem Jahr. Zum anderen erreiche die Rate der akuten Atemwegserkrankungen wieder die Größenordnung der beiden Winter vor dem Ausbruch der Coronapandemie. Das beudete, die Kontaktzahlen seien so hoch, dass sich wieder sehr viele Menschen mit dem Coronavirus infizieren könnten. Angesichts dieser Entwicklungen solle man sich überlegen, wie man das Motto "So viel Freiheit wie möglich, aber auch so viel Zurückhaltung wie nötig" für sich persönlich umsetzen könne, so Rissland.

"So viel Freiheit wie möglich, aber auch so viel Zurückhaltung wie nötig"
[SR 3, Michael Friemel , 06.11.2021, Länge: 05:08 Min.]
"So viel Freiheit wie möglich, aber auch so viel Zurückhaltung wie nötig"
Die Coronainfektionszahlen steigen deutschlandweit wieder stark an. Dank der guten Impfquote ist die Hospitalisierungsrate aber verhältnismäßig gering. Und über die BoosterMichael Friemel hat mit dem Virologen Dr. Jürgen Rissland über die aktuellen Coronafragen gesprochen.


"Schwere Impfverläufe sollen verhindert werden"

Jürgen Rissland empfiehlt, sich bei den Booster-Impfungen an die Stiko-Empfehlung zu halten: Ältere Menschen sollten sich damit Impfen lassen und solche, die in vulnerablen Bereichen arbeiten, also in Alten- und Krankenheimen. Dass es Impfdurchbrüche gibt, liegt auch daran, so Rissland, dass der Schutz einer Impfung nicht 100-prozentig sei, sondern nur zu 90 Prozent bestehe. Da könne es eben auch Fälle von Impfdurchbrüchen geben. Das Ziel der impfung sei ja auch nicht, zu verhindern, dass sich überhaupt niemand mehr anstecken könne, sondern dass schwere und todbringende Verläufe der Corona-Erkrankung verindert werden.

"Schwere Impfverläufe sollen verhindert werden"
Audio [SR 3, Michael Friemel / Jürgen Rissland, 30.10.2021, Länge: 04:45 Min.]
"Schwere Impfverläufe sollen verhindert werden"
Die Inzidenzzahlen gehen derzeit nach oben, die Ansteckungen und auch die Todeszahlen. Das Verhältnis zwischen Geimpften und Lockerungen stimme derzeit nicht, findet der Virolge Jürgen Rissland. Weiterhin sollten nicht notwendige Kontakte in Innenräumen minimiert und auch die AHA+L-Regeln sollten weiter eingehalten werden. Im Saarland liegt die Impfquote höher als im Rest von Deutschland. Unter anderem das sei ein Grund, dass der Corona-Inzidenzwert im Saarland niedriger liege.


"Überschaubare Zahl der Impfdurchbrüche"

"Sehr überschaubare Zahl der Impfdurchbrüche"
Audio [SR 3, Interview Frank Hofmann / Dr. Jürgen Rissland, 23.10.2021, Länge: 04:21 Min.]
"Sehr überschaubare Zahl der Impfdurchbrüche"
Bundesgesundheitsminister Spahn plädiert für ein Ende der „Epidemischen Lage nationaler Tragweite“ nach dem 25. November. Davon hält der Virologe Rissland nichts. Zum einen berechtige diese Erklärung einer „epidemischen Lage nationaler Tragweite“ den Bund, auch ohne Zustimmung durch die Bundesländer im Bundesrat Anordnungen zum Pandemie-Management zu treffen. Damit ist für Rissland eine  gewisse Einheitlichkeit des Handelns in Deutschland gewährleistet. Zum anderen hätte das Auslaufenlassen für Rissland etwas Symbolisches vom Charakter „Die Pandemie ist vorüber“. Das sei aber nicht der Fall-

Bundesgesundheitsminister Spahn plädiert für ein Ende der „epidemischen Lage nationaler Tragweite“ nach dem 25. November. Davon hält der Virologe Rissland nichts.

Zum einen berechtigt diese Erklärung einer „epidemischen Lage nationaler Tragweite“ den Bund, auch ohne Zustimmung durch die Bundesländer im Bundesrat Anordnungen zum Pandemie-Management zu treffen. Damit ist für Rissland eine gewisse Einheitlichkeit des Handelns in Deutschland gewährleistet. Auch, was den internationalen Reiseverkehr betriffe.

Pandemie ist nicht beendet

Zum anderen hätte das Auslaufenlassen für Rissland etwas Symbolisches vom Charakter „Die Pandemie ist vorüber“. Das sei aber nicht der Fall, wie man ja auch an den aktuellen Fallzahlen erkennen könne. Wenn jemand die Pandemie für beendet erklären könne, dann ohnehin nur die Weltgesundheitsorganisation.

Rissland erwartet von der Politik für diesen Winter, dass sie ein bisschen mehr Zurückhaltung zeigt, die Impfkampagne fortsetzt und weiter auf die AHA+L-Regeln pocht. Das Maskentragen mache weiterhin Sinn. Vor allem in den Innenräumen seien auch die 3G- oder 2G-Regeln sinnvoll.

Auf den Intensivstationen sind die Ungeimpften

Im Bezug auf die Impfdurchbrüche meint der Virologe, sei deren Zahl sehr überschaubar. Im Saarland seien derzeit rund 900 solcher Durchbrüche gemeldet. Das sei 0,1 Prozent der rund 700.000 vollständig Geimpften

„Und von denjenigen, die betroffen sind, sind es nur ganz wenige, die auch wirklich krankenhauspflichtig behandelt werden müssen; etwa zwei Prozent von diesen Impf-Durchbrüchen.“ Also rund 20 Personen im Saarland. Praktisch keiner davon sei auf der Intensivstation gelandet. „ Die Probleme für die Intensivstation, das sind vor allen Dingen die Ungeimpften.“


"Anstieg der Zahlen nur eine Frage der Zeit"

"Anstieg der Zahlen nur eine Frage der Zeit"
Audio [SR 3, Interview Michael Friemel / Dr. Jürgen Rissland, 09.10.2021, Länge: 04:26 Min.]
"Anstieg der Zahlen nur eine Frage der Zeit"
Die derzeit niedrigen Corona-Inzidenzahlen bezeichnet der Virologe Rissland als schön, "allerdings gehen die Zahlen langsamer zurück". Für ihn ist ein Anstieg nur eine Frage der Zeit. Es gebe weitgehende Lockerung, zudem seien die Menschen mehr in Innenräumen. Seit der Abschaffung der Maskenpflicht in der Schule gehe auch die Rate der "akut respiratorischen" Krankheiten wieder nach oben. Es kursieren, so Rissland, eine Reihe von gefährlichen Viren, dieses Mal Schnupfenviren. Er sehe einen Ansteig der stationären Behandlungsfälle als Folge von schweren respiratorischen Erkrankungen, insbesondere bei den Null bis Vierjährigen.

Zur dritten Impfung für über 70-Jährige unde für Pflege- und medizinisches Personal sagt Rissland, das sei sinnvoll für die besonders vulnerablen Bereiche wie Alten- und Pflegeheim sowie Krankenhäuser. Der Impfschutz lasse im Laufe der Zeit nach, und da wolle die Ständige Impfkommission den bestmöglichen Schutz.

Zur Empfehlung der Ständigen Impfkomission, Johnson & Johnson-Geimpften sollten sich ein zweite Impfung geben lassen, meint der Experte von der Homburger Uni-Klinik, das hänge mit den so genannten "Impfdurchbrüchen" zusammen. Es sei erwartbar gewesen, dass der Impfschutz bei nur einer Impfung nachlasse. Im Saarland treffe das aber nur rund 40.000 Menschen.


"Es gibt gute und weniger gute Elemente"

Seit dieser Woche gibt es Lockerungen der Corona-Maßnahmen im Saarland. Es herrscht keine Maskenpflicht mehr, wenn die 3G nachgewiesen werden können. Gleichzeitig steigen aber die Inzidenzwerte deutschlandweit auch wieder leicht. "Es gibt gute und weniger gute Elemente, die damit verbunden sind", sagt Dr. Jürgen Rissland über die neue Corona-Verordnung: Die 3G-Regel, die mit den Lockerungen einhergeht, sei durchaus nachvollziehbar. Kritisch sieht Rissland aber den weitgehenden "Verzicht auf Basis-Hygiene-Maßnahmen, handwerkliche Fehler in der Verordnung und das trügerische Signal von Freiheit".

Dr. Jürgen Rissland: "Es gibt gute und weniger gute Elemente"
[SR 3, Nadine Thielen, 02.10.2021, Länge: 03:00 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Es gibt gute und weniger gute Elemente"
Im Saarland sind weitreichende Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Kraft getreten. Nadine Thielen hat mit Dr. Jürgen Rissland darüber gesprochen, wie die neue Corona-Verordnung aus virologischer Sicht zu betrachten ist.

Rissland rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Meldefälle, sollte die AHA+L-Regel nicht weiter verfolgt werden. Als Folge davon würde man auch wieder "eine erhebliche Belastung" des Gesundheitssystems registrieren müssen. Die Impfquote müsse bei den 18 bis 59-Jährigen noch um ca. 10 Prozent erhöht werden, bevor man sich über die Zurücknahme der Basis-Hygiene-Maßnahmen unterhalten sollte, so der Virologe.


"Die Zirkulation der Viren nimmt jetzt zu"

"Die Zirkulation der Viren nimmt jetzt zu"
Audio [SR 3, Michael Friemel / Dr. Jürgen Rissland, 25.09.2021, Länge: 03:41 Min.]
"Die Zirkulation der Viren nimmt jetzt zu"
Bei der neuen Regelung zur Quarantäne in Schulen und Kitas sieht der Virologe Dr. Jürgen Rissland ein Restrisiko. Die Inkubationszeit liege im "Median" bei fünf bis sechs Tagen. Median bedeutet: 50 Prozent infizieren sich bis dahin, die anderen später. Ein gewisses Maß an Infektionen werde mit der Regelung also nicht erkannt. Diese sieht vor, dass sich Kontaktpersonen eines infizierten Kindes fünf Tage lang testen lassen müssen. In Quarantäne muss nur das betroffene Kind, die Kontaktpersonen nicht.

Rissland geht aber nicht davon aus, dass es durch die neue Regelung zu "Super-Spreading"-Ereignissen kommen wird. Den geplanten weitreichenden Lockerungen für Gastronomie und Freitzeiteinrichtungen im Saarland steht der Virologe an der Homburger Uni-Klinik jedoch eher kritisch gegenüber.

Das könnte eine Trendwende einleiten: Es werde kühler, die Luftfeuchtigkeit nehme zu, die Menschen seien mehr drin, da nehme die Zirkulation der Viren zu. Rissland empfiehlt, sich auch im Herbst und Winter an die AHA+L-Regeln des RKI zu halten: Abstand einhalten, Hygieneregeln beachten, im Alltag Maske tragen sowie lüften. Das empfiehlt Rissland er auch für Genesene und Geimpfte.


"Es liegt noch im grünen Bereich"

In dieser Wochen kann man einen "leichten Rückgang" der Corona-Neuinfektionen beobachten, sagt Dr. Jürgen Rissland. Von einer "Trendwende" will der Virologe noch nicht sprechen. Trotzdem ist er erleichtert, dass mit dem Ende der Reisesaison und dem Beginn des Schuljahres kein "übermäßig starkes Wachstum" zu beobachten sei.

Dr. Jürgen Rissland: "Es liegt noch im grünen Bereich"
[SR 3, Michael Friemel, 18.09.2021, Länge: 03:33 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Es liegt noch im grünen Bereich"
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Saarland ist rückläufig und im Vergleich mit anderen Ländern ist die Lage in den deutschen Krankenhäusern auch relativ entspannt. U.a. darüber hat Michael Friemel mit dem Homburger Virologen Dr. Jürgen Rissland gesprochen.

Ein ähnlich positives Bild zeichnet sich auch in den Krankenhäusern ab. Die Zahl der Einweisungen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen liegt derzeit deutschlandweit bei 1,8. Im Vergleich mit dem europäischen Ausland sei das eher wenig. In Frankreich liege der Wert ungefähr bei 6 und in Großbritannien bei 10, erklärt Rissland: "Insofern ist das alles noch relativ überschaubar und wir würden sagen insgesamt: Es liegt noch im grünen Bereich."


"Eine weitgehend stabile Situation"

Dr. Jürgen Rissland: "Eine weitgehend stabile Situation"
Audio [SR 3, Frank Hofmann, 11.09.2021, Länge: 03:33 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Eine weitgehend stabile Situation"
Im wöchentlichen Corona-Update hat Frank Hofmann mit dem Virologen Dr. Jürgen Rissland über das aktuelle Infektionsgeschehen gesprochen. Außerdem ging es um den Impffortschritt und die neusten Vorfälle in Saarbrücker Seniorenheimen.

Dr. Jürgen Rissland beurteilt das aktuelle Infektionsgeschehen als "eine weitgehend stabile Situation". Das gelte sowohl für die Neuerkrankungsrate und die Zahl der aktiv Erkrankten, als auch für die Hospitalisierungsrate: "Die Krankenhausauslastung hat sich im Wochenverlauf nicht weiter verschärft."

Mittlerweile seien 68 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer vollständig geimpft. Damit liege man über dem Bundesschnitt von 62 Prozent. Und: "Es ist immer noch eine positive Dymanik drin, nur ist die nicht mehr so groß, wie man sich das vielleicht wünschen würde." Rissland geht davon aus, dass die "relativ hohe Impfquote" das "Schlimmste" wird abfedern können.

Nach mehreren Corona-Ausbrüchen in Seniorenheimen im Raum Saarbrücken werden dort jetzt Drittimpfungen verabreicht. Rissland hält das für ein gutes Mittel gegen einen weiteren Anstieg der Ansteckungen in stationären Einrichtungen. Außerdem hofft er darauf, dass so auch Menschen geimpft werden, die bisher "aus welchen Gründen auch immer noch nicht geimpft waren".


"Insgesamt sind wir im Saarland gerade schon relativ gut aufgestellt"

"Insgesamt sind wir im Saarland gerade schon relativ gut aufgestellt"
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel / Dr. Jürgen Rissland, 04.09.2021, Länge: 04:23 Min.]
"Insgesamt sind wir im Saarland gerade schon relativ gut aufgestellt"
Das Saarland nähert sich bei der landesweiten Inzidenz der 100er Marke, drei Kreise liegen bereits darüber. Michael Friemel hat mit dem Homburger Virologen Jürgen Rissland gesprochen, der den aktuellen Entwicklungsverlauf allerdings noch im unkritischen Bereich sieht- insbesondere mit Blick auf andere Indikatoren wie die Hospitalisierungsquote. Auch bei der Impfquote sieht Rissland das Saarland - insbesondere im Vergleich mit anderen Bundesländern - schon relativ gut aufgestellt.

Das Saarland nähert sich bei der landesweiten Inzidenz der 100er Marke, drei Kreise liegen bereits darüber. Michael Friemel hat mit dem Homburger Virologen Jürgen Rissland gesprochen, der den aktuellen Entwicklungsverlauf allerdings noch im unkritischen Bereich sieht- insbesondere mit Blick auf andere Indikatoren wie die Hospitalisierungsquote. Auch bei der Impfquote sieht Rissland das Saarland - insbesondere im Vergleich mit anderen Bundesländern - schon relativ gut aufgestellt.


Corona-Entwicklung noch im "relativ unkritischen Bereich"

Einschätzung von Virologe Jürgen Rissland
Corona-Entwicklung noch im "relativ unkritischen Bereich"
Das Saarland nähert sich bei der landesweiten Inzidenz der 100er Marke, drei Kreise liegen bereits darüber. Aus Sicht des Homburger Virologen Jürgen Rissland verläuft die aktuelle Entwicklung allerdings noch im unkritischen Bereich - insbesondere mit Blick auf andere Indikatoren wie die Hospitalisierungsquote.


"Situation im Herbst abhängig von Impfquote"

"Die Situation im Herbst hängt von der Impfquote ab"
Audio [SR 3, Michael Friemel / Jürgen Rissland, 28.08.2021, Länge: 03:13 Min.]
"Die Situation im Herbst hängt von der Impfquote ab"
Jeder zehnte Infizierte war geimpft. Dennoch spricht sich Rissland gegen eine generelle Testpflicht für Geimpfte aus. Höchstens in einzelnen Bereichen sei sie angebracht, etwa in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, vielleicht auch in Schulen. Wenn die Impfquote weiter nach oben gehe, werde das aber immer weniger notwendig.

Jeder zehnte Infizierte war geimpft. Dennoch spricht sich Rissland gegen eine generelle Testpflicht für Geimpfte aus. Höchstens in einzelnen Bereichen sei sie angebracht, etwa in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, vielleicht auch in Schulen. Wenn die Impfquote weiter nach oben gehe, werde das aber immer weniger notwendig.

Wie der Herbst wird, hängt laut Rissland vom Verhalten von jedem einzelnen ab. Weiterhin seien die Hygieneregeln wichtig, auch die Reduzierung von Kontakten. Auch hier gelte: Je höher die Impfquote, des leichter werde das Leben für alle.

Das Virus könnte sich abschwächen

Die Hauptlast der Infektionen werde voraussichtlich bei den unter Zwölfjährigen liegen. Dort erwartet Rissland keine schwerwiegenden Verläufe, sondern in der Folge dann bei der arbeitenden Bevölkerung, den 18- bis 59-jährigen.

Rissland geht davon aus, dass sich Sars-CoV-2 abschwächen wird. Es werde noch ein bisschen Zeit ins Land gehen, Auffrischungen würden wohl auch noch eine Weile notwendig sein. Es bestehe aber durchaus die berechtigte Hoffnung, dass sich auch das Sars-CoV-2 Virus zu einem so genannten "endemischen Corona-Virus" entwickeln, also nur noch in abgeschwächter Form existieren wird.


"Erst einmal Impflücken auffüllen"

Die Zahl der mit Corona Infizierten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, nimmt zu, so der Virologe. Insgesamt sei das aber auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Es sei also immer noch Zeit, die Pandemie einzudämmen und weiter fürs Impfen zu werben.

"Erst einmal Impflücken auffüllen"
Audio [SR 3, Interview Nadine Thielen / Jürgen Rissland, 21.08.2021, Länge: 03:08 Min.]
"Erst einmal Impflücken auffüllen"
Die Zahl der mit Corona Infizierten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, nimmt zu, so der Virologe. Insgesamt sei das aber auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Es sei also immer noch Zeit, die Pandemie einzudämmen und weiter fürs Impfen zu werben. Zur Diskussion um Impflücken füllen oder mit Auffrischungsimpfungen zu beginnen, meinte Rissland, es gebe derzeit keinen absolut richtigen Weg. Er sei eher dafür, erst einmal die Impflücken zu füllen.

Rissland hält die Delta-Variante wegen der viel leichteren Übertragbarkeit für gefährlicher als die bisherigen Varianten. Deren Anteil liege jetzt bei 99 Prozent. Diese Variante führe nicht zu verstärkten Einweisungen in die Krankenhäuser oder Todesfällen bei Kindern und Jugendlichen. Sie seien aber jetzt genauso wie insgesamt die jüngere Erwachsenen-Bevölkerung stärker betroffen.

Zur Diskussion um Impflücken füllen oder mit Auffrischungs-Impfungen zu beginnen, meinte Rissland, es gebe derzeit keinen absolut richtigen Weg. Er sei eher dafür, erst einmal die Impflücken zu füllen.


"Die höhere Impfquote ist das Entscheidende"

Bei den Bund-Länder-Beratungen sind die Weichen für den Umgang mit Corona im Herbst gestellt worden. Kostenlose Tests soll es ab dem 1. Oktober mit Ausnahmen nicht mehr geben. In verschiedenen Innenräumen gilt ab dem 23. August aber verbindlich die "3G-Regel". Damit soll Druck auf Ungeimpfte gemacht werden - aber eben auf Kosten der Test-Strategie. Eine "höhrere Impfquote" ist aber auch in den Augen von Dr. Jürgen Rissland das wichtigere Mittel in der Bekämpfung der Pandemie. "Die höhrere Impfquote ist das Entscheidende und die wird auch die Testpflicht relativieren", so der Virologe. Im Saarland sei die Zahl der Geimpften zwar schon relativ hoch, vor allem bei den unter 60-Jährigen sei aber noch Luft nach oben.

Dr. Jürgen Rissland: "Die höhere Impfquote ist das Entscheidende"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 14.08.2021, Länge: 04:06 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Die höhere Impfquote ist das Entscheidende"
Je höher die Impfquote, desto eher könne man von der Testpflicht abweichen, sagt der Virologe Dr. Jürgen Rissland. Im Gespräch mit Michael Friemel hat er außerdem über Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion gesprochen und einen Vergleich mit den Pandemie-Zahlen in Großbritannien angestellt.

Rissland erklärt nochmal, dass eine Impfung das Risiko für schwere Verläufe, auch mit Todesfolge, um 90 Prozent verringere. Sie schütze zudem auch gegen asymptomatische Infektionen zu etwa 80 Prozent. Außerdem werde die Viruslast und Ausscheidungsdauer in den Atemwegssekreten reduziert und damit auch die Übertragungsgefahr. Durch die Vermeidung einer Primärinfektion sei man natürlich auch vor Langzeitfolgen wie Long-Covid und Post-Covid geschützt.


"Es ist eine Beobachtung über die Zeit"

Die ersten Corona-Impfungen liegen teilweise schon über ein halbes Jahr zurück. Vor allem ältere und vulnerable Menschen wurden priorisiert geimpft. Jetzt geht es Richtung Herbst, die Deltavariante macht sich weiter breit und man hört von Impfdurchbrüchen. Deswegen wird in Deutschland und anderen Ländern über Auffrischungsimpfungen nachgedacht. Eine allgemeine Empfehlung dafür will Dr. Jürgen Rissland noch nicht aussprechen, weil die Daten aufschlussreicher Studien dazu noch nicht abschließend vorlägen. "Es ist eine Beobachtung über die Zeit", erklärt der Virologe.

Dr. Jürgen Rissland: "Es ist eine Beobachtung über die Zeit"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 07.08.2021, Länge: 04:23 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Es ist eine Beobachtung über die Zeit"
Der Herbst rückt näher und damit auch die Angst, dass sich die Corona-Situation wieder zuspitzt. Michael Friemel hat mit dem Virologen Dr. Jürgen Rissland über Impfdurchbrüche gesprochen,über Auffrischungsimpfungen und die aktuelle Lage.

Insgesamt gab es im Saarland bis jetzt 52 Fälle von "echten Impfdurchbrechern", davon sieben in dieser Woche, erklärt Rissland. Acht Menschen, die sich trotz doppelter Impfung und empfohlener Wartezeit infiziert haben, mussten stationär behandelt werden. Die Zahl der Menschen, die trotz vollständiger Impfung an Corona erkranken, sei aber im Verhältnis zu den absoluten Impfzahlen im Saarland sehr gering.


"Wir sind jetzt nicht unmittelbar in einem extremen, exponentiellen Wachstum"

Die gemeldeten Corona-Neuinfektionen haben sich im Vergleich zur Vorwoche "wieder deutlich abgeflacht", sagt der Virologe Dr. Jürgen Rissland. Grund für Entwarnung sei das nicht, aber zumindest ein gutes Zeichen: "Man kann sagen, wir sind jetzt nicht unmittelbar in einem extremen, exponentiellen Wachstum."

Dr. Jürgen Rissland: "Der Anstieg hat sich verlangsamt"
[SR 3, Frank Hofmann, 31.07.2021, Länge: 04:28 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Der Anstieg hat sich verlangsamt"
Die Zahl der Neuinfektionen im Zahl im Saarland hat sich im Vergleich zur vergangenen Woche verringert. In Großbritannien sinken die Infektionszahlen trotz der Aufhebung der Maßnahmen und ab dem 1. August gelten in Deutschland neue Einreisebestimmungen. Darüber hat Frank Hofmann mit dem Virologen Dr. Jürgen Rissland gesprochen.

Die sinkenden Fallzahlen in Großbritannien kann sich der Virologe und sein Team noch nicht genau erklären. Allgemein unterscheide sich das Management in England nicht sehr von dem der Deutschen. Die wesentlichen Unterschiede sieht Rissland darin, "dass England insbesondere bei den Einreisenden aus europäischen Staaten eine elektronische Anmeldung" hat, die es den britischen Behörden erleichtere, die Kontaktpersonen-Nachverfolgung durchzuführen.

Ab dem 1. August gelten in Deutschland neue Einreiseregelungen. Man darf nur noch dann ins Land, wenn man vollständig geimpft, genesen oder getestet ist. Das gilt für die Einreise in allen Verkehrsmitteln. Es gibt schärfere Bestimmungen für die Einreise aus Variantengebieten und Abschwächungen für Kinder. Rissland sieht darin ein "differenziertes Vorgehen", das gleichzeitig auch "konsequent" genug ist, um einen besseren Überblick zu erlangen, "was denn praktisch aus Europa wieder nach Deutschland zurückgebracht wird". In der Regel seien die Inzidenzen überall im europäischen Ausland höher als in Deutschland. Damit sei auch die Wahrscheinlichkeit höher, sich eine Infektion einzufangen.


"Es sind eher die jüngeren Erwachsenen, die das Geschehen vorantreiben"

Im Vergleich zur letzten Woche hätte sich die Inzidenz im Saarland mehr als verdoppelt, nämlich "von acht auf fast 20", erklärt der Virologe Dr. Jürgen Rissland im SR 3-Interview. Mit einem R-Wert über 1 befänden wir uns zudem schon wieder in einem exponentiellen Wachstum. "Auch wenn die Zahlen noch niedrig liegen, da ist Dynamik drin", fasst er zusammen.

Betroffen seien momentan im Saarland vor allem jüngere Menschen, "ganz besonders die 20 bis 24-Jährigen". Diese Altersgruppe hätte eine Inzidenz von 60, also "praktisch dreimal mehr als wir im saarlandweiten Durchschnitt haben", so Rissland.

Dr. Jürgen Rissland: "Es sind eher die jüngeren Erwachsenen, die das Geschehen vorantreiben"
[SR 3, Nadine Thielen, 24.07.2021, Länge: 02:44 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Es sind eher die jüngeren Erwachsenen, die das Geschehen vorantreiben"
Die Inzidenzwerte im Saarland sind zwar weiterhin auf niedrigem Niveau, im Vergleich zur letzten Woche aber deutlich gestiegen. Vor allem junge Menschen sind davon betroffen und jene, die noch nicht vollständig geimpft sind. SR 3-Moderatorin hat mit dem Virologen Dr. Jürgen Rissland über die neusten Entwicklungen gesprochen.

Weitere Treiber der Infektionsdynamik sieht der Virologe in Menschen, die "entweder unvollständig oder überhaupt nicht geimpft sind". Personen mit vollständigem Impfschutz seien "ausreichend gut gegen die momentan in Deutschland und auch im Saarland zirkulierenden Varianten geschützt" - gegen schwere Erkrankungen und auch gegen kompliziertere Verläufe. Vollständig Geimpfte könnten sich allerdings infizieren, aber "das von ihnen ausgehende Übertragungsrisiko ist [...] deutlich reduziert".


Der Virologe räumt mit dem Vorurteil auf, die vergangenen anderthalb Jahre habe das Augenmerk nur auf den Inzidenzen gelegen. Die Inzidenzen seien das Frühwarnsystem. Darum stünden sie auch weiter im Vordergrund. Natürlich sei aber die Belegung der Intensivbetten genauso beachtet worden.

"Die Inzidenzen sind das Frühwarnsystem"
Audio [SR 3, Michael Friemel / Dr. Jürgen Rissland, 17.07.2021, Länge: 04:12 Min.]
"Die Inzidenzen sind das Frühwarnsystem"
Der Virologe räumt mit dem Vorurteil auf, die vergangenen anderthalb Jahre habe das Augenmerk nur auf den Inzidenzen gelegen. Natürlich sei die Belegung der Intensivbetten genauso beachtet worden. Das sei von der Öffentlichkeit aber nicht so beachtet worden. Der Grund sei einfach: Die Inzidenzen seien aber das Frühwarnsystem.

Daneben gibt es, so Rissland, aber noch weitere Aspekte, etwa, wie gut die Kontaktpersonen-Nachverfolgung funktioniere, oder, wie viele Menschen trotz Impfung oder Genesung eine Neuinfektion erlitten. Letzteres hänge auch von der Variante ab, die gerade dominiere.

Unterschied der Varianten nicht so groß

Wobei der Unterschied der Varianten nicht so groß sei. "Man weiß, dass der Impfschutz gegen die Alpha-Variante etwas besser ist als bei der der Delta-Variante." Diese dominiere jetzt in Deutschland und auch im Saarland. Es gebe aber keine nennenswerten Unterschiede. Wer vollständig geimpft sei, habe ausreichend guten Schutz gegen schwere Erkrankungen.

Zur Frage, ob Kinder geimpft werden sollten, beruft Rissland sich auf die Empfehlung der Stiko: "Erstens sollten sich die Eltern impfen lassen, zweitens die Kinder mit ihm entsprechenden Vorerkrankungen, also Übergewicht oder anderen medizinischen Risiken." Als dritte Möglichkeit gebe es schließlich die freiwillige Impfung.


Die Zahl derer, die sich mit der Delta-Variante infizieren steigen. Dr. Jürgen Rissland empfiehlt zwei Dinge: Basishygiene einhalten, also die AHA+L-Regeln anwenden: Abstand halten, Hände mit Seife waschen, Tragen von Atemschutzmasken und Lüften- Dann: sich impfen lassen. Jeder der könnte, sollte das auch machen lassen.

Gegen die Delta-Variante Basishygiene und Impfen einsetzen. Dr. Jürgen Rissland sieht das Impfen wie das Verteidigen beim Fußball.
Audio [SR 3, Interview Nadine Thielen / Dr. Jürgen Rissland, 10.07.2021, Länge: 03:58 Min.]
Gegen die Delta-Variante Basishygiene und Impfen einsetzen. Dr. Jürgen Rissland sieht das Impfen wie das Verteidigen beim Fußball.
Die Zahl derer, die sich mit der Delta-Variante infizieren steigen. Rissland empfiehlt zwei Dinge: Basishygiene einhalten, also die AHA+L-Regeln anwenden: Abstand halten, Hände mit Seife waschen, Tragen von Atemschutzmasken und Lüften- Dann: sich impfen lassen. Jeder der könnte, sollte das auch machen lassen.

Von Geschenken oder Strafen hält Rissland nichts. Er zieht Überzeugung vor. Wer sich impfen lasse, sei vor schweren Erkrankungen mit möglicher Todesfolge geschützt. Außerdem trage er oder sie zur Herdenimmunität bei, also zum Schutz der Solidargemeinschaft. Ein weiterer Vorteil sei, dass er oder sie von Quarantäne-Maßnahmen ausgenommen seien.

Der Erfolg der ganzen Maßnahme fange bei jedem Einzelnen ab. Erst mal abwarten bringe nichts. Es sei wie beim Fußball. Wenn zwei Verteidiger sagten, och nee, renn Du hin, drängele sich der Angreifer durch und schieße das Tor.


Das enge Beieinander-Sitzen der Fußballfans während der EM in den Stadien bereitet dem Virologen Sorge. Draußen sei die Infektionsgefahr nicht so groß wie in Innenräumen. Wenn man aber sehe, wie eng die Zuschauerinnen und Zuschauer beieinander saßen und sich umarmten, dann sei das eine Kontakt-Intensität, die die Infektionsgefahr erhöhe. Darum geht Rissland davon aus, dass die Europameisterschaft eine Befördererin der Infektionszahlen wird.

"Im Rückreiseverkehr sich an die Spielregeln halten"
Audio [SR 3, Michael Friemel / Rissland, 03.07.2021, Länge: 05:00 Min.]
"Im Rückreiseverkehr sich an die Spielregeln halten"
Schülerinnen und Schüler aus dem Saarland haben ein Mahnschreiben an den DFB geschickt. Sie müssten Masken tragen und Abstand halten, auf den Tribünen in den Stadien säßen die Fans aber dicht an dicht. "Das macht mir schon Sorge", sagt der Homburger Virologe Dr. Jürgen Rissland dazu.

Rissland rechnet damit, dass über kurz oder lang die Delta-Variante in den europäischen Ländern die dominante Variante sein wird. Dennoch seine dringende Bitte an Rückreisende nach Deutschland: "Haltet Euch an die Spielregeln", damit das Infektionsgeschehen so gering wie möglich bleibt.

"Das Wichtigste ist die Herdenimmunität"

Derzeit gibt es Forderungen nach einer Auffrischungsimpfung für Menschen in Altenheimen. Bis jetzt gebe es noch keine verlässlichen Daten dazu, wie lange der Impfschutz anhalte. Was bekannt sei, dass Menschen, die die Infektion auf natürliche Weise durchgemacht hätten sechs bis neun Monate geschützt seien. Andererseits hätten die Geimpften mehr Antikörper als Genesene. Darum könne es sein, dass der Impfschutz etwas länger halte.

Für Rissland ist im Moment aber von größerer Bedeutung, dass erst einmal alle ihre doppelte Impfung erhalten. Viele Menschen nehmen inzwischen den Zweitimpfungstermin nicht mehr wahr. Wichtig sei aber, so Rissland, die vollständige Impfung. Nur so könne eine Herden-Immunität erreicht werden, die allen ermögliche, auch im Herbst entspannter leben zu können.


"Wir stehen nicht auf einem wirklich dicken Eis"

Der Trend der letzten Wochen setzt sich fort: Die allgemeinen Infektionszahlen in Deutschland sinken, parallel breitet sich aber die Deltavariante weiter aus. "Wir stehen nicht auf einem wirklich dicken Eis", bewertet Virologe Dr. Jürgen Rissland die Situation. Er geht davon aus, dass sich die Deltavariante nicht aufhalten lässt. Laut Berechnungen der europäischen Seuchenschutzbehörde könne man damit rechnen, dass die Dominanz in Europa Anfang August schon bei 70 Prozent Dominanz liegen wird und Ende August bei 90 Prozent. Was das wiederum für die Infektionszahlen bedeute, sei noch nicht wirklich abschätzbar, so Rissland.

Dr. Jürgen Rissland: "Wir stehen nicht auf einem wirklich dicken Eis"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 26.06.2021, Länge: 03:59 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Wir stehen nicht auf einem wirklich dicken Eis"
Im wöchentlichen Corona-Update hat der Virologe Dr. Jürgen Rissland u. a. über die Ausbreitung der Deltavariante in Europa gesprochen. Ebenfalls Thema war die Frage, wie wir die Impfkampagne weiterführen sollten, um bestmöglich geschützt zu sein.

In den letzten Wochen kommt vermehrt die Frage auf, ob man die zwölfwöchige Wartezeit zwischen Erst- und Zweitimpfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca verkürzen sollte, um schnellstmöglich vollständig geimpft und damit besser vor der Deltavariante geschützt zu sein. Rissland spricht sich dafür aus, an der bisherigen Strategie festzuhalten: "Es ist also besser, praktisch mehr Leute erst mal erst zu impfen und mit dem längeren Impfabstand zu arbeiten."

Was das Impfen von Kindern betrifft rechnet Rissland mit ersten Studien-Ergebnissen im September. Dabei ginge es vornehmlich um die 5 bis 11-Jährigen. Diese Informationen müssten dann natürlich auch erst wieder von der Europäischen Arzneimittelbehörde bewertet werden.


"Die Delta-Variante kann sich innerhalb von Wochen durchsetzen"

Die Coronazahlen gehen ins ganz Deutschland weiter herunter, gleichzeitig steigt aber der Anteil der ansteckenderen sogenannten "Delta-Variante". Dr. Jürgen Rissland schätzt die derzeitige Entwicklung unterm Strich als positiv ein, warnt aber davor, auf Basishygienemaßnahmen gänzlich zu verzichten. Je mehr gelockert werde und je weniger Basismaßnahmen eingehalten würden, desto mehr gebe man der Delta-Variante die Chance sich zu verbreiten. So sei es möglich, dass sich die Variante innerhalb von ein paar Wochen durchsetze.

"Die Delta-Variante kann sich innerhalb von Wochen durchsetzen"
Audio [SR 3, Frank Hofmann, 19.06.2021, Länge: 02:37 Min.]
"Die Delta-Variante kann sich innerhalb von Wochen durchsetzen"
Die Coronazahlen gehen ins ganz Deutschland weiter herunter, gleichzeitig steigt aber der Anteil der ansteckenderen sogenannten "Delta-Variante". Dr. Jürgen Rissland schätzt die derzeitige Entwicklung unterm Strich als positiv ein, warnt aber davor, auf Basishygienemaßnahmen gänzlich zu verzichten.

Rissland geht außerdem davon aus, dass auch Geimpfte die Variante weiter verbreiten können. Bei unvollständig Geimpften sei die Wahrscheinlichkeit dafür nochmals höher als bei Menschen mit vollem Impfschutz.

Vor dem Hintergrund des Wegfalls der Maskenpflicht in Schulen spricht sich Rissland dafür aus, das Maskentragen freiwillig bis zu den Sommerferien fortzusetzen. Das könne die Infektionsdynamik positiv beeinflussen.


"Die ansteckendste Variante wird sich durchsetzen"

Dr. Jürgen Rissland hat Verständnis dafür, dass viele Menschen wegen der sinkenden Infektionszahlen und den zunehmenden Lockerungen erleichtert sind. Gleichzeitg warnt er aber davor zu denken, die Pandemie sei vorrüber. Das zeige ein Blick auf andere europäische Länder, insbesondere Großbritannien. Obwohl dort die Impfquote deutlich höher ist als in Deutschland oder im Saarland steigen dort die Infektionszahlen wieder. Das liegt laut Rissland vor allem an der sogenannten Deltavariante, die bisher als indische Variante bekannt war. Deswegen gelte es, weiter vorsichtig zu sein.

"Die ansteckendste Variante wird sich durchsetzen"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 12.06.2021, Länge: 04:16 Min.]
"Die ansteckendste Variante wird sich durchsetzen"
Dr. Jürgen Rissland hat Verständnis dafür, dass viele Menschen wegen der sinkenden Infektionszahlen und den zunehmenden Lockerungen erleichtert sind. Gleichzeitg warnt er aber davor zu denken, die Pandemie sei vorrüber. Das zeige ein Blick auf andere europäische Länder, insbesondere Großbritannien. Obwohl dort die Impfquote deutlich höher ist als in Deutschland oder im Saarland steigen dort die Infektionszahlen wieder.

Derzeit sei auch zu beobachten, dass sich die Deltavariante in Deutschland und auch im Saarland festsetzt, wo bisher noch die sogenannte Alphavariante, ehemals britische Variante vorherrscht. Mit der Zeit werde sich aber die Variante durchsetzen, die sich am leichtesten überträgt und das bereitet Rissland Sorge. Deswegen ruft er dazu auf, weiter achtsam zu sein.


"Ich habe [...] noch keine Schmetterlinge im Bauch"

Im Saarland machen sich gerade verspätete Frühlingsgefühle breit - zumindest, was das öffentliche Leben angeht. Die Corona-Zahlen sind weiterhin im Sinkflug und nach und nach treten immer mehr Lockerungen in Kraft. Dr. Jürgen Rissland freue sich zwar über die wieder gewonne Freiheit und habe auch keine "all zu großen Sorgenfalten im Gesicht". Die Zahlen lägen aber trotzdem noch "deutlich im zweistelligen Bereich", und damit auch höher, als im selben Zeitraum im Vorjahr. "Ich habe [...] noch keine Schmetterlinge im Bauch", so Rissland. Man müsse jetzt einfach weiterhin wachsam bleiben und vorsichtig sein.

Rissland: "Ich habe noch keine Schmetterlinge im Bauch"
[SR 3, Michael Friemel, 05.06.2021, Länge: 05:20 Min.]
Rissland: "Ich habe noch keine Schmetterlinge im Bauch"
Der Virologe Dr. Jürgen Rissland hat im wöchentlichen Corona-Update über das wieder anlaufende öffentliche Leben gesprochen. Außerdem ging es um auftretende Nebenwirkungen der Impfungen und den positven Nebeneffekt der Schutzmaßnahmen, die auch andere Krankheiten haben deutlich zurückgehen lassen.

Bei Jugendlichen in Israel und den USA sollen nach einer Impfung mit dem Impfstoff von Biontech vermehrt Herzmuskelentzündungen aufgetreten sein. In Israel wurden diese Nebenwirkungen bei einem von ca. 3000 - 6000 Geimpften festgestellt, erklärt Rissland. Im ersten Moment klinge das nach sehr viel. Bei einer natürlichen Erkrankung an Sars-CoV-2 sei das Risiko dafür aber weitaus höher, jeder 50. sei betroffen. "Da sieht man, dass das Risiko immer noch sehr überschaubar ist", so der Virologe.

Auch andere Nebenwirkungen wie das "Abfallen der Blutplättchenzahl" und auch "neurologische Phänomene" lägen in einer "sehr überschaubaren Größenordnung", sagt Rissland. "Wir liegen in einer Größenordnung von 0,2 schwerwiegenden Erkrankungen auf 1000 Impfungen."


"Nicht von einem trügerischen Sicherheitsgefühl anstecken lassen"

Es wird Sommer, die Inzidenzen sinken und die Impfquoten steigen – das sind gute Entwicklungen. Dennoch sollte man vorsichtig bleiben und sich über beispielsweise einen potentiellen Reiseort und die dort geltenden Maßnahmen genau informieren, bevor man einen Urlaub bucht und weiterhin die Hygiene-Vorschriften einhalten.

Dr. Jürgen Rissland warnt vor trügerischem Sicherheitsgefühl
Audio [SR 3, Interview Michael Friemel/Dr. Jürgen Rissland, 29.05.2021, Länge: 05:31 Min.]
Dr. Jürgen Rissland warnt vor trügerischem Sicherheitsgefühl
Der Sommer kommt und mit ihm auch eine Entspannung der aktuellen Lage. Inzidenzen sinken und Impfquoten steigen. Dennoch sollte man weiter vorsichtig bleiben, Reisen abwägen und die Hygiene-Regeln einhalten. Daten einer aktuellen Studie zufolge sei aber eine Impfungen von Kindern ab 12 Jahren vergleichbar sicher und effektiv wie auch Impfungen von 16- bis 25-Jährigen.

Was die Sorge um mögliche Nebenwirkungen einer Impfung von Kindern ab 12 Jahren betrifft, so verweist der Virologe auf eine aktuelle Studie, bei der in dieser Altersgruppe "keine besonderen Auffälligkeiten aufgetreten sind". Neben der Sicherheit für die Geimpften deuten die Daten auch auf eine hohe Effektivität hin.


"Wir müssen die Hygieneregeln weiter konsequent einhalten"

Die Inzidenzwerte aller saarländischen Landkreise liegen aktuell unter 100. Der Regionalverband Saarbrücken ist gerade wieder zum Saarlandmodell zurückgekehrt. Dr. Jürgen Rissland warnt aber davor, jetzt gleich wieder "Vollgas geben zu wollen: [...] Wir müssen die Hygieneregeln weiter konsequent einhalten und auch das Testen konsequent weiter betreiben." Und natürlich sollten Impfangebote genutzt werden, so der Virologe.

Die Übertragungsraten der indischen und britischen Varianten liegen ungefähr auf einem Niveau, erklärt Rissland: "Das ist in gewisser Weise ein gutes Zeichen, denn das bedeutet auch, dass die Effektivität der Impfstoffe auch in Bezug auf die Übertragungsgefahr wahrscheinlich erst mal anzunehmen ist". Natürlich müsse man wachsam bleiben und abwarten, "richtig eindeutig" sei die Datenlage noch nicht. "Aber ich würde jetzt erst mal vom Guten ausgehen", so Rissland.

Außerdem hört man vereinzelt von schweren Verläufen bei doppelt Geimpften. Rissland betont, dass es sich hier wirklich nur um Einzelfälle handele. Wichtig sei es aber, diesen Einzelfällen nachzugehen und zu prüfen, welche Umstände vielleicht dazu geführt haben könnten. Die Impfstoffeffektivität läge nach aktuellem Wissensstand dennoch "relativ knapp dran" an den 100 Prozent.


"Wir geben die Effektivität preis zu Gunsten eines Vorteils"

Die ersten Landkreise im Saarland sind wieder zum Saarlandmodell zurückgekehrt. Die Infektionszahlen sind tatsächlich runter gegangen und fallen weiter. Die Gründe dafür sieht Dr. Jürgen Rissland einerseits darin, dass immer mehr Saarländerinnen und Saarländer geimpft sind. Die "erzwungenen Maßnahmen", die durch die Bundesnotbremse in Kraft getreten waren, seien aber ebenso verantwortlich für den Rückgang, so Rissland. "Genau das ist eigentlich auch meine Empfehlung für die Zukunft, [...] man muss eben weiter die Kontakte reduzieren soweit es geht und natürlich auch die AHA+A+L-Regeln einhalten."

Der Impfstoff von AstraZeneca wird momentan für Menschen über 60 empfohlen und scheint auch ausreichend verfügbar zu sein. Trotzdem wird er von Vielen abgelehnt aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen. Rissland bestätigt, dass AstraZeneca bei älteren Menschen "auch mal zu Nebenwirkungen" führen kann. Die müsse man aber ins Verhältnis setzen zu den positiven Wirkungen und diese Abwägung spricht für Rissland eindeutig für den Einsatz des Impfstoffes. "Wir wissen ja auch, dass mit dem Alter auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass man schwere Verläufe hat mit auch wirklich Komplikationen bis hin zur Todesfolge", so der Virologe.

Zwischen Erst- und Zweitimpfung wurden bislang zwölf Wochen empfohlen. Jetzt plötzlich darf der Abstand auf vier Wochen heruntergeschraubt werden. Rissland sieht das sehr kritisch: "Wir geben die Effektivität preis zu Gunsten eines Vorteils, der vielleicht darin besteht, dass man ein Kärtchen hat, worauf steht, dass man zwei mal geimpft ist." Man sei aber nicht effektiv geschützt und stelle damit auch eine Gefahr für die Gemeinschaft dar, erklärt Rissland.

Der Virologe geht außerdem davon aus, dass entweder noch in diesem Monat oder spätestens im Juni die Impfstoff-Zulassung für Kinder von der Europäischen Arzneimittelbehörde erteilt wird. Es sei allerdings noch nicht ganz klar, wer dann geimpft werden soll. Rissland hält es nicht für notwenig, alle Kinder zu impfen: "Wir sind ja immer noch in einer Situation, wo es zu wenig Impfstoff gibt. Es sollten also vorrangig die geimpft werden, die ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben."


"Glaube nicht, dass wir alle Kinder in Zukunft impfen müssen"

Nur zwei Wochen nach dem Inkraftreten der Bundesnotbremse fallen die Inzidenzen im Saarland deutlich. Dr. Jürgen Rissland ist dafür, wenn der Wert unter 100 liegt, nicht direkt "alles wieder hochzufahren". Vielmehr solle man differenziert vorgehen. "Da gibt es mittlerweile ja auch genügend epidemiologische Erkenntnisse", so Rissland im SR 3-Interview.

Den Grund für das rasante Sinken der Zahlen sieht Rissland in der Mischung aus den bestehenden Restriktionen und einer freiwilligen Kontaktreduktion der Saarländer. "Allein schon die Ankündigung der Restriktion, also des Bundeslockdowns, hat sicher dazu beigetragen, dass die Leute nochmal ihr eigenes Verhalten auf den Prüfstand gestellt haben." Insofern sei es "nicht verblüffend, dass jetzt schon praktisch nach zwei Wochen dieser Rückgang der Zahlen zu beobachten" sei, so Rissland.

Aus Indien erreichen uns derzeit schockierende Bilder. Das Gesundheitssystem ist dort maßlos überfordert. Ähnliche Zustände herrschen auch in anderen Ländern. Deswegen ist die Diskussion entbrannt, ob Impfstoffpatente freigegeben werden sollten, um die Produktion zu maximieren. Rissland ist sich "nicht sicher, ob das Aufheben eines Patentschutzes wirklich die Lösung ist". Faktisch sei es so, dass die Herstellung der Covid19-Impfstoffe strengen Auflagen unterlägen, um Sicherheit und Qualität des Arzneimittels sicherstellen zu können. "Deswegen glaube ich eher, es ist nicht die Lösung, hier [...] den Patentschutz auszuhebeln, sondern dass man kooperiert und guckt, was gibt es denn für Möglichkeiten", so Rissland.

Im Moment wird auch über die Möglichkeit gesprochen, Kinder zu impfen. Grundsätzlich findet Rissland es richtig, dass die Zulassungsstudien an Erwachsenen durchgeführt worden seien, auch aus ethischen Überlegungen. Trotzdem hält er es auch für den richtigen Schritt, die Wirksamkeit bei Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren zu untersuchen. "Ich glaube nicht, dass wir in Zukunft alle Kinder impfen müssen, es sind nicht die Treiber der Pandemie", so Rissland. Man müsse gezielt gucken, welche Kinder ein Risiko haben könnten und dann "genau diese Kinder vorrangig impfen".


Gute Nachrichten rund ums Impfen und Medikamente

Aktuell wird der Impfstoff von Biontech auf seine Wirksamkeit bei Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren untersucht. Bislang ist er ja nur ab 16 zugelassen. Das Unternehmen hat in den USA schon einen entsprechenden Zulassungsantrag gestellt, in der kommenden Woche ist wohl der Antrag in der EU geplant. Danach folgen die 5- bis 11jährigen und dann Kinder ab 6 Monaten. Ein Zeichen dass es mit den Impfungen vorangehe, so Dr. Rissland im SR 3-Gespräch. Eine weitere gute Nachricht sei, dass Long-Covid-Symptome offenbar durch die Impfung zum einen nicht schlimmer werden und sogar abgemildert werden können.

Nur in Sachen Medikament für Coronapatienten gibt es nach wie vor kaum Hoffnung. Das „Rotalgennasenspray“, von dem Menschen behaupten es hätte geholfen, könnte allerdings Hoffnung machen. Eine erste Studie hätte gezeigt, dass Moleküle aus der Rotalge in der Lage sein könnten Symptome zu mildern. Allerdings, so Jürgen Rissland weiter, gehe es dabei mehr um Prophylaxe als um eine wirkliche Therapie. Diese Moleküle würden wie eine zweite Schleimhaut in Mund und Nase einfach eine Infektion schwieriger machen.


"Weniger Tote im April"

Dr. Jürgen Rissland beobachtet einen "deutlichen Anstieg" der Inzidenzen im Saarland. Momentan liege der durchschnittliche Wert bei 143. Jeder Landkreis habe den kritischen Wert von 100 überschritten. Anfang April sei das nur in Neunkirchen der Fall gewesen. Und auch die Situation auf den Intensivstationen habe sich zugespitzt, so Rissland. Anfang April gab es 47 Intensivpatienten, von denen 29 beatmet werden mussten, heute sind es 65 und davon hängen 47 am Beatmungsgerät. Außerdem sei das Durchschnittsalter der Menschen, die jetzt erkranken, abgesunken. Es gebe aber auch positive Trends, erklärt Rissland: "Wir haben weniger Tote jetzt im April als in den Vergleichsmonaten zuvor." Die Impfungsrate habe sich zudem ungefähr verdoppelt, sowohl bei den Erst- wie auch bei den Zweitimpfungen.

Die Notbremse und das neue Infektionsschutzgesetz sind in Kraft. Damit unterscheiden sich die Regeln von Landkreis zu Landkreis. Dr. Jürgen Rissland sieht die Grundidee des Gesetztes darin, dass der Umgang mit Corona "möglichst differenziert" gemanaged werden kann. Es führe aber auch dazu, dass "der Handlungsspielraum im Saarland eben reduziert wurde". Und ob das "am Ende wirklich mehr bewirkt", das werde man sehen.

Die indische Variante des Coronavirus wurde auch in Europa bereits nachgewiesen. Wie die Weltgesundheitsorganisation betrachet sie auch Rissland als "eine Variante, die interessant ist", aber nicht nicht als besorgniserregend. "Besorgniserregned wäre sie dann, wenn sie verschiedene Eigenschaften hat, nämlich sich leichter ausbreitet, schwerere Erkrankungen macht, vielleicht auch die Symptoe anders ausfallen und das Immunsystem diese Variante nicht mehr so gut erkennen würde." Diese Eigentschaften habe diese Variante aber bislang noch nicht. Man müsse sie aber im Auge behalten. "Es ist jetzt noch nicht so, dass wir sie irgendwie extrem fürchten müssen."


"Die Ampel steht auf Dunkel-Gelb"

Heute will der Ministerrat im Saarland darüber entscheiden, ob die Corona-Lockerungen im Saarland zurückgenommen werden. Das Saarland-Modell sieht diese Maßnahme vor, wenn eine Überlastung des Gesundheitswesens droht. Dr. Jürgen Rissland wies daraufhin, dass es konkret um die Frage gehe, ob die intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten an ihre Grenzen stoßen. In diesem Punkt müsse man sich die Frage stellen, ob man erst reagiere, wenn die Kapazitäten erschöpft seien oder schon bevor dieser Fall eintrete. Aus medizinisch-epidemiologischer Sicht sei Vorsorge immer besser als Heilen, deswegen plädiert er dafür, die Ampel auf Rot zu schalten.

Den Anstieg der Intensivpatienten führt Rissland einerseits auf die steigenden Infektionszahlen zurück, schwerpunktmäßig gebe es zurzeit aber auch viele andere Patienten, die zurzeit intensivmedizinisch behandelt werden müssten. Dazu gehören laut Rissland Personen mit wichtigen Operationen und auch Menschen, die zum Beispiel wegen eines Herzinfarktes oder eines Schlaganfalls behandelt werden müssen.

Was eine nächtliche Ausgangssperre angeht, lässt sich laut Rissland nicht genau sagen, wie sie sich konkret auf die Ansteckungszahlen auswirken würde. Zwar gebe es Modellrechnungen, die einen Zusatzeffekt von etwa 20 Prozent prognostizierten, das könne man aber nicht abschließend sagen. Vielmehr sei eine Ausgangssperre eine Möglichkeit, ein Signal an die Bevölkerung zu senden, die Kontakte zu reduzieren.


"Es ist immer noch eine angespannte Situation"

Diese Woche ist das Saarland-Modell angelaufen, das es u. a. der Gastronomie erlaubt, den Außenbereich für Gäste zu öffnen. Grundsätzlich hält es Dr. Jürgen Rissland für eine gute Idee, einen solchen Öffnungsplan zu haben. Die steigenden Infektionszahlen bereiten ihm aber Sorgen. Er rechnet damit, dass im Saarland der kritische Inzidenzwert von 100 in der nächsten Woche "nachhaltig überschritten wird". Deswegen hält er die Rahmenbedingungen des Modells nicht für ideal. "Es ist eben immer noch eine angespannte Situation [...] und das darf man nicht vergessen."

Dass Ministerpräsident Markus Söder für Bayern ein Sonderkontingent des russischen Impfstoffs Sputnik V bereits vor der Zulassung der Europäischen Arzneimittelbehörde gesichert hat, hält Rissland für fraglich. Eigentlich gebe es eine klare Arbeitsteilung: Der Bund sei für die Beschaffung der Impfstoffe verantwortlich und die Länder für die Impf-Organisation. "Ob es jetzt wirklich Sinn macht, dass jedes einzelne Bundesland beginnt sich Gedanken zu machen, das kann man schon kritisch hinterfragen."

An weiterführenden Schulen im Saarland soll es eine Testpflicht geben. Die Schüler sollen sich demnach auch zu Hause selbst testen. Rissland denkt, dass man hier hätte differenzierter vorgehen können. Bei Fünftklässlern habe er seine Zweifel, dass dieses Selbsttesten "eben wirklich klappt". Bei Oberstufenschülern sei das schon was anderes. Generell hält Rissland die Selbsttests aber eher geeignet für "das private Umfeld und nicht so sehr für das öffentliche Umfeld."


"Das Infektionsgeschehen ist zurzeit sehr dynamisch"

Dr. Jürgen Rissland hat im SR 3-Interview darauf aufmerksam gemacht, dass man die leicht fallenden Infektionszahlen an diesem Osterwochenende nicht überbewerten dürfe. Grund dafür sei, dass an Wochenenden ohnehin weniger Infektionen gemeldet würden. Dieser Effekt verstärke sich nun möglicherweise noch durch das verlängerte Osterwochenende.

Insgesamt gehört das Saarland laut Rissland mit Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig Holstein zu den drei einzigen Bundesländern, in denen die Inzidenzen derzeit unter 100 liegen. In Thüringen dagegen gebe es sehr hohe Zuwachsraten und auch insgesamt sei das Infektionsgeschehen in Deutschland momentan sehr dynamisch. Das gebe Anlass zur Sorge, so Rissland.

Sollten die Infektionszahlen im Saarland steigen, rechnet Rissland auch mit mehr Intensivpatienten. In diesem Zusammenhang wies er daraufhin, dass Covid-Patienten oft länger auf den Intensivstationen bleiben müssten als andere Patienten. Das führe zu einer zusätzlichen Belastung auf den Stationen.

In der Diskussion um den AstraZeneca-Impfstoff erklärte Rissland, dass die Ständige Impfkommission mit ihrer Empfehlung, das Vakzin nur noch an über 60-Jährige uneingeschränkt zu verimpfen, eine sehr vorsichtige Empfehlung ausgesprochen habe. Gleichzeitig habe die Stiko gesagt, dass es durchaus möglich sei, den Impfstoff auch bei jüngeren Frauen anzuwenden. Allerdings müsse dann in einem ärztlichen Vorgespräch auf mögliche Folgen hingeweisen werden und auf mögliche Symptome einer Thrombose aufmerksam gemacht werden.


"Es geht generell darum Kontakte zu reduzieren, nicht nur an Ostern"

Im wöchentlichen Corona-Update auf SR 3 Saarlandwelle hat Dr. Jürgen Rissland erklärt, dass die inzwischen von der Bundesregierung wieder zurückgenommene Osterruhe grundsätzlich von einem guten Gedanken getraagen war. Gleichzeitig wäre aber nicht garantiert gewesen, dass die fünftägige Ruhe einen nachhaltigen Effekt auf das Infektionsgeschehen gehabt hätte. Laut Rissland ist es wichtiger, den Menschen bei jeder Gelegenheit klar zu machen, dass es darum geht, Kontakte generell auf ein Minimum zu reduzieren, nicht nur an Ostern.

Auch im Saarland steigt derzeit die Zahl der stationär behandelten Coronapatienten, auch auf den Intensivstationen. Laut Rissland ist in Homburg zu beobachten, dass zwar immer noch vorwiegend ältere Menschen behandelt werden müssen, aber nicht mehr so alte Patienten wie noch in der ersten und zweiten Coronawelle. Mittlerweile sei das Alter der Menschen auf den Intensivstationen bunt gemischt, außerdem gebe es immer mal wieder einzelne Fälle in denen jüngere Menschen schwer erkranken. Dass sich die Altersstruktur der Patienten geändert habe, liege wohl in erster Linie daran, dass viele ältere Menschen bereits geimpft seien.

Dass die Landesregierung einen Plan für Lockerungen nach Ostern erstellt hat, hält Rissland grundsätzlich nicht für ehrenrührig. Bei den derzeit steigenden Zahlen sei aber noch unklar, ob die Lockerungen umgesetzt werden können. Außerdem hätte sich Rissland gewünscht, dass sich die Pläne für die Öffnungen in einem etwas kleineren Rahmen bewegt hätten.


"80.000 zusätzliche Impfdosen sind gutes Signal"

Der Virologe Dr. Jürgen Rissland begrüßt, dass das Saarland wegen seiner Grenznähe zusätzliche 80.000 Dosen BioNTech-Impfstoff erhält. Das war ein Ergebnis der Bund-Länder-Beratungen am Freitag. Grund ist die starke Verbreitung der südafrikanischen Virusvariante im benachbarten Département Moselle. Rissland sagte, der zusätzliche Impfstoff sei ein wichtiges Signal für das Saarland.

Angesichts der steigenden Coronazahlen plädiert er dafür, das Impfen weiter voranzutreiben. Die vermehrten Neuansteckungen führt er teils auf die geöffneten Schulen und Kitas zurück. Die meisten Menschen steckten sich wohl aber immer noch bei privaten Treffen an, so Rissland. Was den Einzelhandel und Frisöre angehe, sei das Risiko dagegen überschaubar. Auszuschließen sei eine Ansteckung dort allerdings nicht.


"AstraZeneca weiter zu impfen ist die richtige Entscheidung"

Der Virologe bezieht sich dabei auch auf die Entscheidung der "Europäischen Arzneimittelbehörde" EMA. Die hatte mitgeteilt, es gebe keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Impfung und den aufgetretenen Blutgerinnseln. Zum einen sei dieses "Risikosignal" in den Zulassungsstudien nicht aufgetreten. Zum anderen sei die Zahl der fest gestellten Fälle mit 30 niedriger als errechnet bzw. erwartet wurde.

Was die Neuansteckungen von Kindern in Kitas betrifft, hat sich laut Rissland die Situation seit der Wiedereröffnung nicht verschärft. Bei den Fünf- bis Neunjährigen habe es eine leichte Steigerung gegeben, auch bei den 15-19-Jährigen. In allen anderen Altersgruppen seien die Zahlen stabil geblieben, teilweise sogar zurück gegangen.

Nachbarschaft zu Moselle

Die Schnelltests bedeuten, so Rissland, dass man mehr über die Verbreitung erfahre. Im Saarland gebe es bislang eine Dunkelziffer mit dem Faktor Drei, also die festgestellten Infektionen mal drei. Jetzt werde die Dunkelziffer erhellt, das sei vernünftig.

Der höhere Anteil der Infektionen an der südafrikanischen Mutation könnte nach Auffassung von Rissland auf die Nachbarschaft zum Departement Moselle zurück zu führen sein. Das würde es bis zu einem gewissen Maß erklären, meint der Virologe, warum das Saarland im Vergleich zum Bundesdurchschnitt deutlich höher liege. Geimpfte seien auch bei der südafrikanischen und britischen Variante gegen schwere Verläufe geschützt, allerdings reagierten die Mutationen grundsätzlich unterschiedlich auf die Impfungen.


"Es ist gut, dass die Politik Reißleinen eingebaut hat"

Mit Blick auf die am Montag in Kraft tretenden Lockerungen hätte sich der Homburger Virologe Jürgen Rissland tiefere Inzidenzwerte gewünscht. Am Ende müsse man aber irgendwie mit der Situation umgehen. Deswegen sei es beruhigend, dass die Politik in den Stufenplan für Lockerungen sogenannte Reißleinen eingebaut habe. Wenn bestimmte Inzidenzwerte überschritten werden, werden die Lockerungen zurückgenommen. Das sei ein vernünftiges Vorgehen, so Rissland.

Bis im Saarland ein Inzidenzwert von maximal 35 erreicht wird, kann nach Einschätzung von Rissland noch eine gute Weile dauern. Derzeit stehe man immer noch an der Schwelle zum exponentiellen Wachstum.

Was den Wechselunterricht an Schulen angeht, findet es Rissland nach einer Woche noch zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Man müsse zuerst eine Inkubationszeit des Virus von etwa 14 Tagen abwarten, um die Lage bewerten zu können. Grundsätzlich hält Rissland den Wechselunterricht in Verbindung mit den Testangeboten aber für sinnvoll.


"Dritte Welle steht möglicherweise vor der Tür"

Zuerst sind die täglichen Neuinfektionen nur noch langsam gesunken, jetzt hat sich der Trend umgekehrt. Die Fallzahlen steigen langsam wieder an und auch der Basis-Reproduktionswert liegt wieder ungefähr bei eins. Wie Dr. Jürgen Rissland erklärt, wächst damit die Gefahr, wieder in ein exponentielles Wachstum der Fallzahlen hineinzugeraten. Besorgniserregend sei auch, dass inzwischen rund 30 Prozent der Coronainfektionen auf eine Ansteckung mit einer Virusmutation zurückzuführen seien. Damit stehe eine dritte Coronawelle möglicherweise kurz bevor.

Dass am Montag Lockerungen in Kraft treten und dass die Landesregierung über weitere Lockerungen nachdenkt, findet Rissland verantwortbar. Hierbei sei aber wichtig, dass man abwarte, welche Auswirkungen die ersten Lockerungen hätten. Weitermachen dürfe man nur dann, wenn die Infektionszahlen niedrig blieben.

Was Dr. Jürgen Rissland positiv sieht, sind die Auswirkungen der Impfkampagne. Dass die Todeszahlen und die Inzidenzen bei den über 80-Jährigen zurückgingen, sei klar auf die Impfungen zurückzuführen.


"Der Rückgang der Fallzahlen hat sich verlangsamt"

Jürgen Rissland hat im Interview mit SR 3 Saarlandwelle festgestellt, dass die Fallzahlen immer langsamer zurückgehen und derzeit eher eine Seitwärts- als eine Abwärtsbewegung zu beobachten ist. Außerdem seien die Virus-Mutationen weiter auf dem Vormarsch. So deute bundesweit bereits jeder fünfte Nachweis einer Coronainfektion auf eine Mutante hin. Im Saarland läge ihr Anteil bei zehn bis 20 Prozent.

Jürgen Rissland hat außerdem erklärt, weshalb die zunächst in Großbritannien aufgetretene Virusvariante ansteckender ist als die bisherige Variante. Das habe mit dem Oberflächenprotein zu tun, das besser in die menschlichen Zellen eindringen könne. Man müsse sich das Protein wie einen Schlüssel vorstellen, der auf ein Schloss passe.

In den Schnelltests sieht Rissland eine wichtige Ergänzung zu den bisherigen Corona-Maßnahmen. Sie seien allerdings mit Vorsicht zu genießen und man müsse dabei sehr auf ihre Qualität und eine sachgemäße und gewissenhafte Anwendung achten. Schließlich sei es auch wichtig, dass Personen mit einem positiven Testergebnis die richtige Konsequenz daraus zögen und eine mögliche Infektion abklären ließen. Hygienekonzepte, so Rissland, könnten durch die Tests allerdings nicht ersetzt werden.


Rissland hält Regierungs-Strategie für vertretbar

Das Gesundheitsamt berichtet vermehrt von Menschen, die sich nicht mit AstraZeneca impfen lassen wollen. Grundsätzlich hält Dr. Jürgen Rissland, Virologe an der Uniklinik Homburg, den britischen Impfstoff für "durchaus geeignet". Vor allem in Bezug auf den Schutz vor schweren Verläufen sei er mit den Impfstoffen von Biontech und Moderna zu vergleichen. Eine erkennbare Abweichung gebe es aber bei mäßigen Erkrankungen meint Rissland: "Da ist ein Unterschied da." Aber 70-80 Prozent Wirksamkeit seien hier trotzdem ein gutes Ergebnis, wenn die Alternative keine Impfung und damit 0 Prozent sei. Die Tatsache, dass AstraZeneca nur für Menschen unter 65 Jahren empfohlen wird, liege daran, dass nicht genügend Daten für höhere Altersgruppen vorgelegt wurden, so der Virologe.

Bei Einhaltung der entprechenden Hygiene-Konzepte hält es Rissland für vertretbar, dass Friseurläden als erstes wieder öffnen dürfen. Ein ordentlicher Haarschnitt trage zur Körperhygiene bei und das sei jetzt lange genug nicht möglich gewesen. Er hält es außerdem für einen Versuch der Regierung, "die Öffnungsstrategie in irgendeiner Weise strukturiert vorzunehmen". Natürlich müsse die Situation dabei immer wieder neu bewertet werden.


Rissland warnt vor privaten Fastnachtsfeiern

Dr. Jürgen Rissland, Virologe an der Uniklinik Homburg, warnt vor privaten Fastnachtsfeiern. Dass die offiziellen Veranstaltungen abgesagt sind, bedeute noch nicht, dass die Ansteckungsgefahr gebannt sei.

Erhöhte Gefahr durch mutierte Viren

Problematisch ist laut Rissland auch, dass im Saarland mutierte Virusvarianten aufgetreten sind. Beispielsweise ist neben der britischen Mutation auch die brasilianische Variante nachgewiesen worden. Sie sei zwar im direkten Sinne nicht gefährlicher als das bisher verbreitete Coronavirus aber deutlich ansteckender. Das könne dazu führen, dass mehr Menschen einen gefährlichen Krankheitsverlauf haben, ganz einfach deswegen, weil sich potentiell mehr Menschen anstecken.

Positiv bewertet Rissland allerdings, dass Impfungen wohl auch vor der brasilianischen Mutation schützen. Die Impfwirkung sei nach derzeitigem Kenntnisstand zwar nicht genauso gut wie bei der normalen Virusvariante aber auch nicht wesentlich reduziert.


"Nicht die Zeit, über Lockerungen nachzudenken"

Die Corona-Mutationen, sagt Rissland, seien eine Mahnung an alle, konsequent weiter an der Eindämmung der Pandemie weiterzuarbeiten: Kontakte so weit wie möglich reduzieren, die AHA- plus L-Regeln einhalten und zügig weiter impfen. Deswegen sei jetzt auch keine Zeit, über Lockerungen nachzudenken.

Was aber kann man überhaupt noch mehr machen? Da spricht Rissland von einem Index, der beschreibt, wie sehr die Maßnahmen wirken. Auf dieser Skala von null bis 100 ist Deutschland schon jetzt deutlich über 80. Das bedeutet: So viel kann man nicht mehr drauf satteln. Und man müsse ja bei jeder Maßnahme nachdenken, was der Mehrwert sei, und auch, welcher mögliche Schaden davon ausgehen könne. Bei den jetzt beschlossenen Reisebeschränkungen könne man trefflich darüber streiten.

Erst Ungereimtheiten bei AstraZeneca

Im Bezug auf den umstrittenen Impfstoff AstraZeneca meint Rissland, bei der Veröffentlichung der ersten Zwischenergebnisse seien "alle schon ein bisschen irritiert und überrascht gewesen", weil es Ungereimtheiten gab. Laut der Europäischen Arzneitmittelbehörde EMA wurden Daten nachgeliefert. Darum gehe er jetzt erst mal davon aus, dass die Entscheidung der EMA auf einer seriösen Grundlage beruhe. Rissland rechnet also mit einer relevanten Wirkung des Impfstoffs. Die "Ständige Impfkommission", StiKo, in Deutschland schätze das allerdings anders ein. aus. Sie sehe die Wirkung nur bei den 18- bis 64-jährigen tatsächlich belegt. Rissland selbst steht in diesem Punkt eher auf der Seite der StiKo.


Birk und Rissland zur aktuellen Corona-Lage

Der Virologe Jürgen Rissland von der Uniklinik in Homburg und der Leiter des Gesundheitsamtes im Regionalverband Saarbrücken, Alexander Birk, haben u. a. über den Nachweis der mutierten Virus-Variante aus Großbritannien gesprochen, über die Impfung und deren Funktionsweise, über das Impfverhalten der Saarländer und über den verlängerten Lockdown.

Beim Thema Impfung herrscht bei der Bevölkerung Skepsis. Wie soll man sich so sicher sein, dass diese neue Impfmethode keine schwerwiegenden Folgen mit sich bringt, wo es doch keine Langzeitstudien dazu gibt? Rissland versucht, diese Angst zu nehmen: Die Messenger-RNA, die uns immun machen soll, sei im Prinzip nichts anderes als ein "Baurezept für Proteine", die damit verändert würden, und die dann immun gegen das Virus sein sollten. Dieser Prozess laufe in der Zelle sowieso ständig ab, so der Virologe. Auf unser Erbgut habe das keine Auswirkungen. In Bezug auf die mutierte und infektiösere Virusvariante aus Großbritannien sieht Rissland keinen Grund zur Sorge, was die Wirksamkeit der Impfungen betrifft. Zudem könne es mit den selben Maßnahmen bekämpft werden, wie die früheren Varianten auch. Deswegen sei man mit der Verlängerung und Verschärfung des Lockdown wohl gut beraten.

Alexander Birk beobachtet in den Impfzentren eine steigende Impfbereitschaft. Wer sich einen Termin ergattert habe, der sei in erster Linie froh darüber und nicht skeptisch. Was die Nachverfolgung von Neuifizierten betreffe, sei man mittlerweile sehr gut aufgestellt in den Gesundheitsämtern, so Birk: "Wir haben eine große Lernkurve hinter uns gebracht." Personell gesehen habe man sich im Regionalverband Saarbrücken fast verzehnfacht.


"Impfstoffe wirken wohl auch gegen mutierte Virusvariante"

Derzeit geht die Angst um, dass sich die mutierten Coronavirus-Varianten aus Südafrika und Großbritannien auch in Deutschland ausbreiten könnten. Nach Einschätzung von des Homburger Virologen Dr. Jürgen Rissland stellen Virusmutationen immer eine Gefahr dar, weil nicht klar ist, in welche Richtung sie sich entwickeln. Immerhin wirkten die bisher verfügbaren Impfstoffe aber ganz gut gegen die Variante aus Großbritannien.

Dass es trotz der laufenden Impfungen immer noch zu Coronaausbrüchen in Pflegeheimen kommt, führt Rissland auf zwei Dinge zurück. Erstens seien nicht alle Bewohner bereit, sich impfen zu lassen und bei den Pflegern seien es noch weniger. Außerdem wirke eine Impfung erst dann, wenn die Patienten auch ihre zweite immunisierungsspritze erhalten haben.


"Infektionszahlen trotzdem verlässlich"

Dr. Jürgen Rissland ist maßgeblich daran beteiligt, dass in einer Kooperation aus Universitat und Universitätsklinikum zu dieser mutierten Form geforscht wird. Bisher konnte sie im Saarland nicht nachgewiesen werden. Es wurde jetzt dafür gesorgt, dass Proben nach Saarbrücken gegangen seien, wo sie an der Universität untersucht würden, erzählt Rissland. "Das Testverfaren kann man grob gesprochen unterscheiden in eine Art von Suchtest und eine Art von Bestätigungstest. Deswegen muss man wirklich sicher sein, dass das Ergebnis am Ende auch wirklich richtig ist." Sobald erste Ergebnisse da sein, würde die Öffentlichkeit natürlich direkt davon erfahren, so der Virologe.

Rissland denkt nicht, dass das mutierte Virus einen Einfluss auf die Korrektheit unserer Inzidenzwerte habe. Die Anbieter der Testverfahren hätten nochmal versichert, dass sie auch "diese Mutante erkennen würden". Deswegen geht Rissland davon aus, "dass alles, was wir an Infektionszahlen haben, trotzdem verlässlich ist".


"Wir trauen den Zahlen nicht"

Nach den Modellrechnungen der Uniklinik Homburg könnte -wenn nichts dazwischen kommt - Ende Januar wieder der kritische Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen unterschritten werden. Aus derzeitiger Sicht ist das eine positive Marke, denn derzeit liegt der Inzidenzwert noch bei ca. 200. Der Virologe Dr. Jürgen Rissland von der Uniklinik Homburg sieht allerdings die Gefahr, dass die derzeitigen Zahlen nicht die Realität abbilden. Es könne gut sein, dass sie deutlich höher lägen. Grund sei, dass sich wegen der Feiertage Meldungen über Neuinfektionen verzögerten.

Kritik an Bundesgesundheitsminister Spahn wegen der Impfstoffbechaffung teilt Rissland unterdessen nicht. Im Rahmen der Möglichkeiten habe die Bundesregierung einen ganz guten Job gemacht. Vereinzelt gebe es zwar Länder, die beim Beschaffen des Impfstoffes etwas schneller gewesen seine, gleichzeitig gebe es aber auch ganz viele Länder, die weniger oder überhaupt keinen Impfstoff bekommen haben.


"Daten Prüfen auf Herz und Nieren"

In Europa nimmt man sich etwas mehr Zeit für die Notfallzulassung des ersten Impfstoffes als anderswo auf der Welt. Das ermöglicht der europäischen Arzneimittelbehörde nach Ansicht des leitenden Virologen des Universitätsklinikums in Homburg, Dr. Jürgen Rissland, "das Prüfen der Daten auf Herz und Nieren" weiter auszuweiten. Zu der Erforschung der allgemeinen Wirkung des Impfstoffes und auch der Rate der möglichen Nebenwirkungen käme noch hinzu, dass man auch Test durchführen könne in verschiedenen Subgruppen: "Ist das in allen Altersgruppen gleich ausgeprägt? Verhält es sich bei Menschen mit gewissen Vorerkrankungen genauso wie bei gesunden?" Dieses seriöse Vorgehen der Europäischen Arzneimittelbehörde sei sehr wichtig für das Vertrauen in den Impfstoff, so Rissland.

Glücklicherweise ließe die Lage in Zentral-Europa zu, diese Tests durchzuführen. In den USA zum Beispiel herrsche ein "ganz anderer Handlungsdruck". Über eventuelle Langfristnebenwirkungen werde man allerdings erst etwas sagen können, wenn man "nach der Zulassung des Impfstoffes die ganze Geschichte sehr intensiv beobachtet".


"Ein harter Lockdown ist kein Allheilmittel"

Der leitende Virologer am Homburger Uni-Klinikum zeigt sich davon überzeugt, dass ein harter Lockdown bis zum 10. Januar könne dafür sorgen, dass die Infektionszahlen wieder auf die kritische Marke von 50 absinken. Damit ist die Zahl der Infizierten im Wochenschnitt pro 100.000 gemeint. Derzeit liegt dieser Inzidenzwert im Saarland teilweise über 200. Damit käme das Infektionsgeschehen aber nicht zum Erliegen, es sei nur ein Wellenbrecher.

In den Krankenhäusern beginne es mit Engpässen. Das läge vor allem daran, dass qualifiziertes Personal fehle. Darum gingen Krankenhäuser dazu über, so genannte "verschiebbare Eingriffe" tatsächlich zu verschieben. Gefragt, ob Kinder Treiber der Pandemie seien, meint Rissland, es gebe kein einheitliches Bild. Es gebe Studien, die belegen, dass sie gleich häufig betroffen sind wie Erwachsene, andere Studien belegten das Gegenteil.


"Normalität voraussichtlich erst Ende 2021 wieder"


"Weiter mehrere 100 Tote pro Tag"

Derzeit gibt es 500 Tote pro Tag. Die mathematischen Modelle besagen, so Rissland, "leider, dass wir auf diesem hohen Niveau bleiben werden". Wer sich selbst ein Bild machen wolle, könne mal selbst unter www.covid-simulator.com nachsehen und auch selbst mit Zahlen den Erfahrungen machen.


"2021 im Zeichen der Corona-Impfung"

Außerdem müssten die Impfungen organisiert werden, was ein aufwändiger Prozess sei und die Bevölkerung das gesamte kommende Jahr begleiten werde. Darüber hinaus ist auch nicht klar, wie viele Menschen sich tatsächlich impfen lassen wollen. Auch das könne ein Ende der Pandemie hinauszögern. Die Aussage, dass die zweite Welle in Frankreich überwunden sei, sieht Rissland kritisch. Die fallenden Ansteckungszahlen gingen ganz eindeutig auf den Lockdown in dem Land zurück. Würden die Maßnahmen aufgehoben, könnten die Fallzahlen sehr schnell wieder steigen.

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