Barocker Englischer Garten (Foto: dpa)

Berühmte “Blumenfrauen” und ihr kuriose Geschichten

Katja Preißner   22.04.2022 | 09:45 Uhr

Gründe, sich Gärten anzulegen, gibt´s ja viele: Weil man Blumen liebt, das eigene Gemüse auf den Tisch soll - oder weil man die Geliebte des Mannes ausstechen will. Zwei Bücher über berühmte “Blumenfrauen”, in denen allerlei Kurioses zu finden ist: "Die Damen mit den grünen Daumen" und "Ladys in Gummistiefeln".

Findig waren sie, die “Ladys in Gummistiefeln” und “Die Damen mit den grünen Daumen”. So heißen die beiden Bücher von Claudia Lanfranconi, das letztere zusammen mit Sabine Frank verfasst. Zwei Bücher voller Geschichten und Geschichte.

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Berühmte “Blumenfrauen” und ihrr kuriosen Geschichten
Audio [SR 3, Katja Preißner, 22.04.2022, Länge: 05:17 Min.]
Berühmte “Blumenfrauen” und ihrr kuriosen Geschichten

Was macht man beziehungsweise “frau”, wenn man eine wichtige Vorführung von Blumengestecken hat, aber die vorbereiteten Rosen hängen schlapp runter? Julia Clements kürzte sie ein und tauchte die Stiele in heißes, gezuckertes Teewasser, bis sie wieder standen! Nach dem Zweiten Weltkrieg war das, in Karachi. Die Britin war eine weltweit gebuchte Blumendesignerin.

Ihre Kollegin Constance Spry ließ es sogar im Dienste ihrer Majestät blühen! Sie schmückte die Krönung der Queen 1953, genauer gesagt den Weg der Kutsche und Westminster Abbey. Ein Jahr vorher bekamen die königlichen Gärtner Pflanzanweisungen, und aus allen Ecken des Commonwealth wurden exotische Beetschönheiten eingeflogen. Da hatte Spry die Blumendeko aber längst revolutioniert, indem sie auch Obst und Petersilie mit reinpackte, und spektakuläre Gefäße nahm, die sie beim Trödel fand.

Richtig los ging es ab der Renaissance

Ab der Renaissance geht´s quasi quer durch´s Gemüsebeet. Denn vorher war das strenge Mittelalter, wo Gärten nur ernähren oder im Dienste Gottes stehen durften und hinter dicken Mauern abgeschirmt waren.

Erst mit der Renaissance kehrte die Lust an Schönheit und Geselligkeit zurück - und Gärten durften in Landschaft übergehen. Die beschriebenen Damen und Ladies sind Adlige und Bürgerliche, sie gärtnern und planen, malen, beschreiben, sammeln, erforschen und arrangieren Pflanzen.

Wie die Bougainvillea nach Europa kam

Nicht selten spielen Männer dabei eine schwierige Rolle… Wie bei Jeanne Baret. Die Französin, 1740 geboren, war ursprünglich Kräuterfrau mit riesigem Pflanz-Wissen. Die Bougainvillea kam durch sie nach Europa. Sie entdeckte sie in Südamerika, auf einer Weltumsegelung. Benannt wurde sie nach dem Kapitän der Fahrt: Louis-Antoine de Bougainville. Den Rest der von ihr "geraubten" Pflanzen wurden nach ihrem Lebensgefährten Commerson benannt, der sie die komplette, auch körperlich schwere Arbeit machen ließ. Den Großteil der Reise absolvierte sie als Mann getarnt, als Frau hätte sie gar nicht an Bord gedurft. Erst 2012 wurde ein neu entdecktes Nachtschattengewächs nach ihr benannt: das Solanum baretiae!

Katharina von Medici

Das Chateau Chenonceau im Loire-Tal (Foto: Pixabay)
Das Chateau Chenonceau im Loire-Tal

Kennen Sie den Jardin des Tuileries in Paris? Dann sind Sie auf den Spuren Katharina von Medicis gewandelt. Für sie wurde der Garten im 16. Jahrhundert angelegt. Ihr Lieblingsgarten aber liegt an einem der Loire-Schlösser: Chenonceau. Nur musste dafür erst Katharinas Mann sterben: König Heinrich der Zweite. Endlich hatte sie Zugriff auf Chenonceau - vorher gehörte es einer königlichen Geliebten.

Katharina brachte ihre italienische Heimat ein: Oliven, Lorbeer, Rosmarin, und neue Sensation wurde ein Brunnen aus einem künstlichen Felsen. Heute ist Chenonceau nach Versailles das zweitmeistbesuchte Schloss Frankreichs. Die Franzosen nennen es “Chateau des dames”  - Schloss der Damen.

Die Geschichte des Fürst-Pückler-Parks

Lucie Fürstin von Pückler-Muskau. Ihr Mann war der mit dem Eis und einem teuren Gartentraum. Er heiratete sie 1817 des Geldes wegen; die Tochter des preußischen Staatskanzlers Hardenberg. Den Gartentraum fand sie super. Der Landschaftspark auf Hermanns Besitz im sächsischen Muskau wuchs und wuchs - und war ihr Werk, denn er war meist auf Reisen.

Als das Geld weg war, bot sie die Scheidung an, damit er nochmal reich heiraten konnte. Nur wollte ihn keine. So machten sie halt als Geschiedene weiter, mit neuem Park in Branitz, als der alte weg war. Da liegen beide auch gemeinsam bestattet - und der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau, also eigentlich ihr - ist heute Weltkulturerbe.

Jane Webb - Autorin und Gärtnerin

Eine mechanische Melkmaschine und ein dampfbetriebener Pflug - 1830 purer Futurismus im Science Fiction-Horror-Roman “Die Mumie”. Der schottische Botaniker John Loudon wollte den Autor kennenlernen. Es war aber: eine Autorin - Jane Webb. Kurz danach waren sie ein Ehepaar, und Webb wurde Botanikerin und Autorin. Mit eigener Gartenzeitschrift und Gartenbüchern - für Frauen, ohne Fachchinesisch, alles Bestseller.

Dass Frauen nur harken und nichts wissen sollten, weil vor allem botanisches Zuchtwissen als unsittlich galt, war Katharina, Lucie, Jane und all den anderen Pionierinnen egal.


Auf einen Blick


Claudia Lanfranconi, Sabine Frank: Die Damen mit dem grünen Daumen (Foto: Insel Verlag)

Claudia Lanfranconi, Sabine Frank
"Die Damen mit dem grünen Daumen"
Berühmte Gärtnerinnen
Insel Verlag
ISBN: 978-3-458-35922-7
Preis: 14 Euro


Claudia Lanfranconi: Ladys in Gummistiefeln (Foto: Insel Verlag)

Claudia Lanfranconi
"Ladys in Gummistiefeln"
Noch mehr Damen mit dem grünen Daumen
Insel Verlag
ISBN: 978-3-458-36294-4
Preis: 12,95 Euro

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 22.04.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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