Hajo Seppelt (Foto: dpa)

Hajo Seppelt: "Feinde des Sports"

Ulli Wagner   03.01.2020 | 13:11 Uhr

„Sport ist für mich ein Kulturgut“, sagt der ARD-Experte Hajo Seppelt. Und er ergänzt: „Doping zerstört dieses Kulturgut“. Deshalb hat er sich dran gemacht, seine Recherchen und Erlebnisse rund ums Thema Doping im Spitzensport zusammenzufassen. Als Weckruf sozusagen – unter dem Titel „Feinde des Sports“. SR-Reporterin Ulli Wagner hat den ARD-Mann aus Berlin getroffen und mit ihm über seine Geschichte und sein Buch gesprochen.

"Natürlich gibt es saubere Spitzen-Sportler. Ob es einen sauberen Spitzensport in der Fläche gibt, da habe ich meine erheblichen Zweifel", sagt Hajo Seppelt. Der Berliner war Olympia-Reporter Schwimmen für die ARD und Sportreporter mit Leib und Seele. Doch das ist lange her. Weil er immer wieder auf Missstände hinwies, wurde er von der aktuellen Berichterstattung abgezogen.

Das "Abstellgleis" als Glücksfall

Fortan sollte er sich als Doping-Reporter beweisen - allein auf weiter Flur. Doch die Arbeit auf dem "Abstellgleis", wie er sagt, begann, ihm immer mehr Spaß zu machen. "Das Sportsystem mit seinen Hintergründen und Abgründen" sei für ihn zu einem richtig spannenden Thema geworden, dass ihn "grundsätzlich alles, was sportsoziologisch, sportpolitisch, psychologisch abläuft, dass mich das alles viel mehr interessiert als die reine Oberfläche des Sports."

Richtige Zeit, richtiger Ort

Seppelt, der von nicht wenigen als Nestbeschmutzer beschimpft wurde, war über viele Jahre ein Einzelkämpfer, hat sich in seinen Recherchen festgebissen und war dann eines Tages zur richtigen Zeit am richtigen Ort, nämlich 2006 in Spanien. "Ich hab zu Fuentes recherchiert und ein halbes Jahr später wurde die Doping-Redaktion gegründet. Ich wurde gefragt, ob ich mitmache - da bin ich heute noch."

Seine größte Geschichte

Inzwischen gilt Seppelt als der Doping-Fachmann. Den Ruf hat er sich hart erarbeitet, ebenso wie das Vertrauen von Spitzensportlern und anderen Beteiligten, die das Zeug zum Kronzeugen haben. Seine beste Story, sagt Seppelt, konnte er nur realisieren, weil er zwei Whistleblower aus Russland kennengelernt hatte die sich im anvertrauten. So sei die große Recherche entstanden, die schließlich zu den großen Auswirkungen für den Weltsport führte: "Sperren bei Olympia, Funktionäre, die für lebenslang von der Bühne müssten, große politische Verwicklungen bis in den Kreml hinein, bis hin auch eben in der Tat dazu, dass man mir im Jahr 2018 zur Fußball-WM von russischer Seite die Einreise nicht erlauben wollte", so Seppelt.

Spannend wie ein Krimi

Wie er sich undercover mit Funktionären traf, wie er sich von Schikanen nicht ausbremsen liest und weiter recherchierte, das erzählt er in dem Buch „Feinde des Sport“. Und es sind viele Geschichten, die er da zu erzählen hat. Sie sind mal kurios, mal abseitig - aber immer spannend. Fast wie bei einem guten Krimi, nur dass es keine Fiktion ist.

Leichte Tendenz zur Besserung

Dabei ist eigentlich alles schon etwas besser geworden, sagt Doping-Experte Hajo Seppelt. Beim Publikum herrsche bisweilen zwar der Eindruck, dass heute alles viel schlimmer sei als früher. Dem sei nicht so. "Es ist nicht schlimmer, nur heute reden wir endlich darüber", sagt er. Eine Entwarnung könne man aber noch lange nicht geben. "Es ist immer noch ein gravierender, alarmierender Zustand, aber mit einer leichten Tendenz der Besserung."


Auf einen Blick


Audio

Hajo Seppelt: "Feinde des Sports"
Audio [SR 3, Ulli Wagner, 03.01.2020, Länge: 03:12 Min.]
Hajo Seppelt: "Feinde des Sports"

Hajo Seppelt
"Feinde des Sports"

Undercover in der Unterwelt des Spitzensports

Econ Verlag
September 2019
384 Seiten
ISBN-13: 978-3430210119
Preis: 20 Euro

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