Comedian Kurt Krömer (Foto: dpa)

Kurt Krömer: "Du darfst nicht alles glauben, was du denkst"

Christian Job   04.04.2022 | 11:00 Uhr

Depression ist eine Krankheit, die immer noch mit vielen Tabus behaftet ist. Kurt Krömer, einer der erfolgreichsten deutschen Komiker, hat seine Depression öffentlich gemacht und darüber auch ein Buch geschrieben. Die Krankheitsgeschichte landete aus dem Stand auf Platz eins der Bestsellerliste.

Depression ist ein Tabu-Thema. Weil viele Betroffene aus ihrem Umfeld ein lapidares "Stell dich nicht so an", ‚Lach doch mal‘ oder ‚Reiß dich zusammen" befürchten, wird meist geschweigen.

Audio

Ein Komiker schreibt über seine Depression
Audio [SR 3, Christian Job, 04.04.2022, Länge: 04:36 Min.]
Ein Komiker schreibt über seine Depression

Es war vor über einem Jahr nahezu wie ein Dammbruch, dass ausgerechnet zwei preisgekrönte Spaßmacher ihre Krankheit öffentlich gemacht haben. Kurt Krömer, der freche Verhörtalker mit Berliner Schnauze, hatte in seiner Sendung "Chez Krömer" den fein formulierenden Ruhrpottschnodderer Torsten Sträter zu Gast - und beide outen sich als depressiv. Ehrlich, ohne drum herum zu reden, aber eben doch heiter.

Torsten Sträter (Foto: Pressefoto)
Torsten Sträter

"Ich finde - das klingt jetzt wieder so weihevoll-arschkriecherisch - dadurch, dass du das gesagt hat, hat sich alles andere jetzt gelohnt. Denn du bist ein Hoffnungsträger für alle anderen. Wir sind jetzt schon zwei." (Torsten Sträter zu Kurt Krömer)

Die Depression sei eine "alte Hexe", die einem auf der Brust sitze und nach Scheiße stinke, erklären beide ihr Seelenleben mit der Krankheit und Sträter prophezeit, dass diese Sendung eine Bombe zünden werde. Und genau das passierte auch.

Eine Flut an Hilferufen

Über die sozialen Netzwerke erhält Krömer eine Flut an Schulterklopfern, aber auch Fragen, und verzweifelte Hilferufe. Im Akutfall nimmt er Sprachnachrichten auf und rät, „Ey Diggi du musst zum Arzt". Irgendwann wurde es dann zu viel. Zu viele Hilferufe.

Alles, was Krömer tun kann und will, ist seine Geschichte aufzuschreiben. Der Depression mit Berliner Schnauze ein Gesicht geben, sie aus der dunklen Ecke in die Mitte ins Licht ziehen, damit möglichst viele sehen: Es ist eine Krankheit wie andere auch.

Kurt Krömer: "Du darfst nicht alles glauben, was du denkst" (Foto: Kiepenheuer und Witsch)

Kurt Krömer
Du darfst nicht alles glauben, was du denkst

Meine Depression
"Kiepenheuer & Witsch"
Geb. Ausgabe
ISBN: 978-3-462-00254-6
Preis: 20 Euro
E-Book: 16,99 Euro
Hörbuch: 20,99 Euro

Das ist Krömers Ambition und genau das ist auch sein Verdienst. Den Warnhinweis, dass er kein Arzt ist, gibt es, aber wer seine Geschichte liest, hat das entscheidende Plus. Er weiß, dass es jeden treffen kann.

Die größte Schwierigkeit bei einer Depression ist die Diagnose. Wo ist der Unterschied zwischen Melancholie, Traurigkeit und einem echten Krankheitsbild?

Kurt Krömer bemerkt beispielsweise, dass er eine Reise in die Traumstadt Rom keinen Moment genießen kann. Comedy-Auftritte werden immer anstrengender.

Als alleinerziehender Vater von drei Heranwachsenden fühlt er sich an einer Stelle nicht mehr lebensfähig. "Ich hab im Bett gelegen, bis 15.00 Uhr. Dann klingelte es an der Tür, die Kinder waren wieder da und ich hab gemerkt: Scheiße, du bist ja noch im Schlafanzug, du hast ja nichts gemacht."

Die Diagnose - ein Schock

Erst suchen Schulmediziner nach körperlichen Ursachen, eine zweijährige Impotenz wird mit Stress erklärt. Eher zufällig wird irgendwann ein Test für Depressionssymptome gemacht. Treffer und Schock, denn Krömer hat Angst, dass ihn eine psychiatrische Behandlung seine, wie er sagt, Vollmeise kostet: "Ich hab die Angst gehabt, dass sich so eingerückt werde, dass wieder alles normal ist und ich dann sage, das ist ja fürchterlich, 30 Jahre auf der Bühne, das möchte ich nicht mehr machen, ich möchte jetzt in der Behörde arbeiten."

Aber diese Angst sei unberechtigt gewesen. Sein Talent habe man vor einer Depression, während einer Depression und auch nach einer Depression, so Krömer.

Acht Wochen verbrachte Krömer in einer Tagesklinik mit Atemübungen, Meditation, Gruppen und Einzeltherapie und Medikation.

Bevor er sich in die ambulante Behandlung begibt, zeichnet der Komiker noch das Format "LOL - Last One Laughing" auf. Wer lacht, fliegt raus. Er ist sich sicher zu gewinnen - trotz Beruhigungsmitteln und akut depressiv. Aber seltsamerweise ist und bleibt auf der Bühne vieles normal.

Heute gilt seine Depression als überwunden. Antidepressiva nimmt er weiter, will demnächst probieren, wie es ohne geht. Ein wichtiger Lernprozess des Genesenen sei, bei schlechter Stimmung nicht in Panik zu verfallen. "Deine Welt ist nicht nur positiv - und das musste ich lernen", sagt er. Es gebe nun mal schlechte Tage, an denen es einfach nicht laufe.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 04.04.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja