Wenn man ein traumatisches Erlebnis hat (Foto: Pixabay/geralt)

Wenn einem das Herz bricht

Steffani Balle   26.04.2021 | 11:45 Uhr

Ein gebrochenes Herz – das gibt es nicht nur in Liedern, Büchern und Filmen. Ein gebrochens Herz ist tatsächlich eine Krankheit. Und sie hat auch einen Namen: das Broken-Heart-Syndrom, das im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Und sie wird ausgelöst durch traumatische Erlebnisse.

Wer an einem „Broken- Heart-Syndrom“ leidet, hat im wahrsten Sinne des Wortes ein gebrochenes Herz. Wie aber erkennen das die Ärzte? Und wie wird es behandelt?

Ein Herz „bricht“ tatsächlich durch schwerwiegende Ereignisse, "Ereignisse, die mit starken emotionalen Belastungen einhergehen und einen starken Bedrohungscharakter haben", sagt Psycho-Kardiologin Irene Özbek. Das könne ein Verlust, ein Unfall, Streitigkeiten aber auch eine finanzielle Krise sein.

Symptome wie bei einem Herzinfarkt

Die Symptome des gebrochenen Herzens sehen denen eines Herzinfarkts zum Verwechseln ähnlich: Schmerzen in Brust, die in den linken Arm ausstrahlen, Luftnot mit Todesangst.

Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied zum klassischen Herzinfarkt, nämlich "dass die Herzkranzgefäße gar nicht verschlossen sind, wie das typisch für einen Herzinfarkt ist, sonder dass sie offen sind", sagt Dr. Özbek.

Die Herzspitze ist fast wie gelähmt

Dass es trotzdem eine gefährliche Situation ist, erkennt die Kardiologie nur durch ein ganz bestimmtes Symptom: "Bei dem Broken-Heart-Syndrom ist vor allem die Herzspitze betroffen, das Herz steht dort fast wie still", beschreibt Özbek das Bild. Das Herz ist in der Spitze quasi wie gelähmt.

Betroffen sind vom Broken-Heart-Syndrom vor allem Frauen. "90 Prozent der Patienten sind Frauen, und zwar Frauen nach den Wechseljahren", so die Psycho-Kardiologin.

Der Therapieansatz: Sich die Dinge von der Seele reden

Für die Therapie sei es ganz wichtig, sich Zeit für die Patienten zu nehmen, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich die Dinge "von der Seele zu reden und sie mit jemanden zu teilen", sagt die Ärztin. Das Sprichwort "Geteiltes Leid ist halbes Leid" enthalte viel Wahrheit.

Medikamente sind für Betroffenen natürlich nicht überflüssig, aber der Fokus liegt auf der psychischen Begleitung, der Unterstützung durch Verhaltenstherapie, manchmal auch in einer anschließenden Psychotherapie, um Unverarbeitetes aufzuräumen. Und er liegt im Verständnis, dass ein gebrochenes Herz kein "sich anstellen" ist, sondern eine inzwischen wissenschaftlich nachgewiesene schwere Erkrankung.


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