Symbolbild: Migräne (Foto: picture alliance/Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa)

Botox - mehr als ein Schönheitsmittel

Lena Schmidtke   18.10.2021 | 11:30 Uhr

Botox - man kennt es als Schönheitsmittel, um Fältchen aufzuspritzen oder die Stirn zu glätten. Doch Botox kann mehr. Vor allem in der Neurologie kommt es zum Einsatz, denn der Wirkstoff Botulinumtoxin kann bei Muskelverkrampfung und Migräne helfen.

Der Wirkstoff von Botox ist Botulinumtoxin - ein Nervengift. Es wird in der Neurologie verwendet, beispielsweise bei Migräne, bei übermäßiger Speichel- oder Schweißproduktion oder bei Bewegungsstörungen wie Lidkrampf, Schiefhals oder bei verspannten Muskeln.

Botulinumtoxin wird nur in ganz geringen Mengen verabreicht. "Es muss in der Körperzelle aufgenommen werden. Wir spritzen es deshalb intramuskulär“, sagt der Neurologe Nikolaus Rauber.

Botox - mehr als ein Schönheitsmittel
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 18.10.2021, Länge: 02:37 Min.]
Botox - mehr als ein Schönheitsmittel

Botulinumtoxin zur Muskelentkrampfung

Botulinumtoxin hemme die Freisetzung von Botenstoffen in den Zellen, so der Neurologe. Der Botenstoff am Übergang von Nerv zu Muskel - das Acetylcholin - werde durch Botulinumtoxin in seiner Freisetzung gehemmt und so das Anspannen der Muskeln verhindert. Wenn beispielsweise nach einem Schlaganfall die Hand zu einer Faust verkrampft sei, ließen sich durch Spritzen in Hand und Unterarm die Finger wieder lösen, sagt Rauber. Hinzu kommt, dass durch den gezielten lokalen Einsatz nicht der ganze Körper belastet wird.

Doch das Mittel kann durch den Muskellockerungseffekt auch ungewollte Nebenwirkungen haben. "Wenn ich zum Beispiel bei einem Schiefhals spritze, kann der Betreffende Schluckstörungen bekommen. Beim Lidkrampf kann es zu einem etwas hängenden Augenlid kommen", so der Neurologe. Bevor man sich für eine Botulinumtoxinbehandlung entscheidet, sollte man sich deshalb auf jeden Fall genau beraten lassen.

Botulinumtoxin als Schmerztherapie

Auch bei chronischen Schmerzen wie Migräne kann Botulinumtoxin helfen. „Über die Hemmung bei der Schmerzentstehung und Schmerzweiterleitung wird die Schmerzschwelle verändert, die Patienten haben weniger Schmerzen", so Rauber. In seine Praxis kommen täglich Patienten, denen er Botox und ähnliche Präparate spritzt. Für sie ist es häufig die letzte Rettung nach einer langen Odyssee. „Etwa die Hälfte der Patienten spricht bereits nach der ersten Behandlung darauf an", so der Neurologe. Nach der dritten Behandlung seien es gut 70 Prozent. Mit der Zeit lasse die Wirkung aber nach, deshalb sei rund alle drei Monate ist eine Auffrischung notwendig.

Krankenkasse übernimmt den medizinischen Einsatz

Eine Botulinumtoxinbehandlung kostet das zwischen 410 und 550 Euro. Anders als bei der Schönheitsbehandlung werde die medizinische Behandlung jedoch von der Krankenkasse übernommen, so Rauber.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 18.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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