Zeugnisse (Foto: dpa)

Sitzenbleiben im Corona-Schuljahr?

mit Informationen von Steffani Balle   18.06.2021 | 08:16 Uhr

Am 19. Juli gibt es im Saarland Zeugnisse, und wie immer wird es nicht bei allen für eine Versetzung reichen. Doch wie lassen sich die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in diesem Coronajahr überhaupt gerecht beurteilen?

Viele Schülerinnen und Schüler haben dieses Schuljahr höchstens 50 Prozent ihres Unterrichts im Klassensaal verbracht. Trotzdem müssen die Lehrerinnen und Lehrer ihre Leistungen beurteilen.

Sitzenbleiben im Corona-Schuljahr?
Audio [SR 3, Stefani Balle, 18.06.2021, Länge: 03:00 Min.]
Sitzenbleiben im Corona-Schuljahr?

Das führt zurzeit insbesondere an Gymnasien dazu, dass in kürzester Zeit zahlreiche Prüfungen nachgeholt werden, sodass sich der Leistungsdruck kurz vor Ende des Schuljahres extrem gesteigert hat.

Das löst Unmut aus - bei den Lernenden, bei den Lehrenden und bei den Eltern.

Gewerkschaft für pädagogische Noten

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Birgit Jenni, wünscht sich deswegen eine differenzierte Notengebung, die sich nicht ausschließlich an Leistungsnachweisen orientiert. Vielmehr hält sie es für sinnvoll, sogenannte pädagogische Noten zu vergeben. In sie sollten auch andere Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler mit einfließen.

Außerdem sollte berücksichtigt werden, wie sich die Schüler im Laufe des Schuljahres entwickelt haben und ob ihr Umfeld zuhause ein effizientes Lernen überhaupt zugelassen hat. Als gutes Beispiel würden hier bereits viele Grund-, Gemeinschafts-, Förder-, und Berufsschulen vorangehen, sagt die Gewerkschafterin.

Klärende Gespräche vorgesehen

Sollte bei einem Schüler oder einer Schülerin die Versetzung tatsächlich gefährdet sein, sind die Lehrer auf Beschluss des Bildungsministeriums angehalten, mit den Eltern ein persönliches Gespräch zu führen. Hierbei sollen die Gründe für das Sitzenbleiben genannt und Streitigkeiten ausgeräumt werden.

Pandemiesituation allein kein Klagegrund

Diskussion um Versetzungen im Coronajahr
Audio [SR 3, Steffani Balle, 18.06.2021, Länge: 03:09 Min.]
Diskussion um Versetzungen im Coronajahr

Angelique Maaß, Anwältin für Bildungsfragen, rät davon ab, alleine wegen der Pandemiesituation gegen das Sitzenbleiben klagen zu wollen. Es reiche nicht aus, die Klage damit zu begründen, dass ein Kind nur etwa 50 Prozent Präsenzunterricht gehabt habe. Denn davon seien alle Kinder betroffen gewesen und deswegen müsse, wie sonst auch, jeder Fall im Einzelnen geprüft werden.

Dies war auch Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 18.06.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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