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Rückkehr zu G9: Viele Fragen sind noch offen

Eva Lippold   29.04.2022 | 11:00 Uhr

Lange wurde sie gefordert: die Rückkehr zu G9 an Gymnasien - also neun Jahre Gymnasium bis zum Abi statt nur acht. Ab dem Sommer soll sie nun kommen, aber noch sind viele Fragen offen. Was ist mit den älteren Jahrgängen? Gibt es auch Änderungen in den Lehrplänen? Und was bedeutet die Reform für die Gesamtschulen?

Bei ihrer ersten Regierungserklärung hat Anke Rehlinger verkündet, dass zum kommenden Schuljahr die Gymnasien zu G9 zurückkehren. Die Kinder, die in diesem Sommer aufs Gymnasium wechseln, werden dann wieder ein Jahr mehr Zeit haben. Viele Eltern sind noch unsicher, was sie von der schnellen Rückkehr zu G9 halten sollen. Die meisten freuen sich zwar, dass der Weg ihrer Kinder zum Abitur jetzt entzerrt werden soll und damit auch der Druck ein wenig nachlassen könnte - die Frage ist für sie, wie eine so schnelle Umsetzung klappen kann.

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G9-Start bei der Unterstufe

Ab dem Schuljahr 23/24 soll die Umstellung auf G9 dann für die gesamte Unterstufe, also die Jahrgänge fünf, sechs und sieben am Gymnasium gelten, so die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot. "Das werden die Schülerinnen und Schüler sein, die ihr Abitur dann auf jeden Fall in neun Jahren ablegen." Das sind die jetzigen dritten, vierten und fünften Klassen.

Ob und in welchem Umfang auch ältere Jahrgänge noch in den Genuss eines weiteren Schuljahres kommen, wird derzeit noch geprüft.

Landesschülersprecher fordert auch inhaltliche Reform

Und auch sonst sind noch viele Fragen offen. Zu viele, kritisiert Landesschülersprecher Lennart Elias Seimetz. "Einfach zu glauben, wir hängen ein Jahr dran, legen das aktuelle Schulsystem einfach eins zu eins um, um es strecken zu können - das bringt uns nicht weiter." Er fordert auch eine inhaltliche Reform wie die Möglichkeit zu einer breiteren Fächerwahl, mehr zweisprachigen Unterricht, eine stärke Praxisausrichtung in der Schule, zwei Schulpraktika.

Wird die Gemeinschaftsschule abgehängt?

Außerdem sei wichtig, dass bei dem G9-Thema auch die Gemeinschaftsschulen im Blick behalten werden, so Seimetz. "Wenn wir ein Schulsystem reformieren, kann das nicht nur das Gymnasium sein", so der Landesschülersprecher.

Bisher war G9 ein Alleinstellungsmerkmal der Gemeinschaftsschulen. Durch die angekündigte Reform wird die Konkurrenz zwischen den beiden Schulformen wieder größer.

Seit Jahren stemmt die Gemeinschaftsschule gesellschaftliche Herausforderungen wie Integration und Inklusion – doch trotz aller Versprechen der Politik hat sich bei der personellen und finanziellen Ausstattung seit Jahren kaum was verbessert. Elke Boudier vom Saarländischen Lehrer- und Lehrerinnenverband fordert deshalb, diese den Gymnasien immerhin anzupassen. "Es muss einfach sichergestellt sein, dass nicht eine Schulform bevorzugt wird."


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Streichert-Clivot zur Einführung von G9 und die Bedeutung der Gemeinschaftsschule
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger, 29.04.2022, Länge: 04:19 Min.]
Streichert-Clivot zur Einführung von G9 und die Bedeutung der Gemeinschaftsschule
Schon im neuen Schuljahr soll an den saarländischen Gymnasien wieder G9 eingeführt werden. Man wolle sich nun mit Experten und den Betroffenen - Lehrer, Schüler, Eltern - austauschen, wie eine Entzerrung der Inhalte am besten zu realisieren sei, so Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot im SR-Interview. Aber es gehe nicht nur ums Gymnasium, sondern auch um die Gemeinschaftsschule. "Sie braucht die entsprechende Ausstattung und Unterstützung" für ihre Arbeit, denn sie stehe nicht nur für den neunjährigen Weg zum Abitur.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 29.04.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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