Umbauarbeiten in der Saarbrücker Eisenbahnstraße (Foto: Franz-Josef Ludwig/SR)

Woran hakt's im Saarland?

Barbara Grech / Janek Böffel   12.07.2019 | 07:56 Uhr

Die Kommunen im Saarland und auch die Landeshauptstadt sind notorisch klamm. Anderswo machen Gemeinden vor, wie es gehen kann, zum Beispiel Monheim bei Köln. Auch da wächst das Geld nicht auf den Bäumen und trotzdem bietet Monheim seinen Bürgern künftig einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr an.

Warum sind woanders Investitionen möglich und im Saarland nicht? Dezidierte Meinungen von den SR-Reportern Barbara Grech:.

Stichwort - öffentlicher Nahverkehr:

Der muss nun wirklich nicht kostenlos sein - aber funktionieren müsste er. Und ich spreche nur von der Landeshauptstadt. Von der Wüstenei im öffentlichen Nahverkehr auf dem Lande spreche ich gar nicht. Ich kenne keine Großstadt, die so ein schlechtes Verkehrsnetz hat. Wenn man von Alt-Saarbrücken auf den Halberg will, geht nichts unter einer halben Stunde. Mit dem Auto benötigt man ca. 10 Minuten. Die Buslinien sind nicht aufeinander abgestimmt. Die Taktung mit zwei Bussen pro Linie und Stunde ein Armutszeugnis und die Umsteigezeiten viel zu knapp bemessen, so daß man die raren Busse die mal fahren nicht erreicht, weil, dank Dauerbaustellen und Verkehrsbehinderungen, Verspätungen jeden Tag der Normalfall sind. Und das alles für stolze 2,60 Euro pro Fahrt. So ist der öffentliche Nahverkehr keine Alternative für das eigene Auto, selbst wenn man nur wenige Kilometer vom Arbeitsplatz wohnt

Stichwort- Bauvorhaben

Da wird es dann besonders bitter: ob HTW, vierter Pavillon oder Berliner Promenade, bauen ohne Skandal geht hier offensichtlich nicht, dank schlechter Planung und chronischer, politisch gewollter Unterfinanzierung. Oder die berühmte Stadtmitte am Fluss. Statt das Ganze erstmal durchzurechnen und zu finanzieren wird hier mal fröhlich losgeplant. Streng nach dem Motto: ei wir fangen schon mal an. Gelder werden, dank planlosem Aktionismus der Verwaltung, für irgendwelche Gutachter und Bürgerbeteiligungs-Aktionen rausgegeblasen um dann festzustellen, wir haben ja gar kein Geld dafür. Während man hier in Saarbrücken ein Jahrzehnt lang über die Stadtmitte am Fluss gelabert hat, hat man in meiner Heimatstadt Ulm schlicht eine neue Stadtmitte hingestellt.

Fazit:

Nein, es liegt nicht nur am fehlenden Geld, das hier nichts geht. Es liegt auch an einer unfähigen Verwaltung, überforderten Mitarbeitern und planlosen Politikern, die nicht in der Lage oder nicht Willens sind, für Infrastrukturprojekte einzustehen und diese auch zu finanzieren. Hier verwaltet man lieber den Notstand. Ist bequemer...

Audio

Kein Geld, keine Angebote: Woran hakt's im Saarland?
Audio [SR 3, Barbara Grech, Janek Böffel, 12.07.2019, Länge: 02:17 Min.]
Kein Geld, keine Angebote: Woran hakt's im Saarland?

Janek Böffel: Die Konkurrenz ist groß

"Das Saarland mag landschaftlich noch so schön sein. Wenn man es sich aber anguckt, wie schön manche Orte in Baden-Württemberg aussehen - dort gibt es auch die Jobs. Und wenn dann die Wahl da ist, wo geh ich hin, dann ziehen die Leute womöglich die anderen Orte vor. Das ist ein klarer Standortnachteil. Womoglich wird abgewandert, wir sind da im Prinzip im Schlimmstfall in einem Teufelskreis: dass weniger Leute kommen, mehr abwandern, dadurch weniger Geld für Investitionen da ist, wir quasi wieder am Anfang stehen. Es muss dringend Geld her.

Die Stadt Monheim macht es vor

Gratis-ÖPNV in Monheim
Bürgermeister Zimmernmann: "Gute Ideen kann man mit den Bürgern entwickeln"
Monheim am Rhein ist ein 40.000-Einwohner Städtchen zwischen Köln und Düsseldorf. Das Städtchen jetzt kostenlosen Nahverkehr an. Und das obwohl, sie vor Jahren noch verschuldet war. Wie machen die Monheimer das? Und können die Saarländer etwas davon lernen? Ein Gespräch mit dem Bürgermeister von Monheim, Daniel Zimmermann.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 12.07.2019 berichtet.

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