Quarantäne wegen Covid-19 (Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa)

Wirrwarr um Quarantäne im Saarland

Nadine Thielen / Onlinefassung: Axel Wagner   15.04.2020 | 14:54 Uhr

Eigentlich ist es klar: Wer sich mit Covid-19 infiziert oder aber mit einer infizierten Person Kontakt hatte, der muss in Quarantäne – mindestens 14 Tage. So klar ist das aber offenbar doch nicht. Einige Saarländer haben dem SR berichtet, dass sie sich in der Quarantäne ziemlich alleine gelassen fühlten – vor allem im Regionalverband Saarbrücken.

Günther Tholey aus Püttlingen kann es immer noch nicht fassen. „Ich finde es einfach traurig, dass es den Leuten, die unter Quarantäne gestellt werden, am Ende einfach überlassen wird, ob sie die Quarantäne weitermachen oder nicht.“ Er selbst sitzt noch in Quarantäne – wenn auch mittlerweile selbst verordnet.

Quarantäne-Ende ohne Test

Doch von Anfang an: Die Tholeys leben zu sechst in Püttlingen. Ende März wird seine Tochter positiv auf das Coronavirus getestet – sie hat Covid-19. „Am Tag des positiven Testergebnisses meiner Tochter hat uns das Gesundheitsamt angerufen und uns informiert, wie das weitere Vorgehen ist“, erzählt Günther Tholey.

So weit, so normal. Ungewöhnlich wurde es erst, als die Ortspolizei die Quarantäne nach 14 Tagen aufheben sollte. Die infizierte Tochter arbeitet im Altenheim. Dort darf sie trotz abgelaufener Quarantäne erst wieder arbeiten, wenn sie zweimal negativ auf das Virus getestet wurde. So will es der Arbeitgeber.

Verlängerung ohne Bescheinigung

Deshalb fragte die Familie bei der Ortspolizeibehörde noch einmal nach. Die Antwort, so Günther Tholey: „Wenn der Arbeitgeber das so möchte, dann hat die Ortspolizeibehörde nichts mehr damit zu tun. Wir können am 15. April raus.“

Familie Tholey fragte sich jedoch, was das für sie bedeutet, vor allem für die zweite Tochter, die auch in einem Altenheim arbeitet und damit ebenfalls eine Gefahr wäre. Sie meldete sich beim Gesundheitsamt des Regionalverbandes Saarbrücken. Das Amt verlängert die Quarantäne – allerdings ohne Bescheinigung, denn dafür wäre ja die Polizei zuständig.

Von A nach B geschickt

Diese Bescheinigung ist aber wichtig für den Arbeitgeber, denn sonst gibt es kein Geld. Vater Günther Tholey kann nicht glauben, wie die Behörden die Familie von A nach B schicken. Er ruft noch einmal beim Gesundheitsamt an, fragt nach einer Bescheinigung – und erfährt: „Wenn die Ortspolizeibehörde Ihnen mitgeteilt hat, dass die Quarantäne am 14.4. beendet ist, dann ist sie auch beendet.“

Bei den Tholeys bleibt das Gefühl: Da weiß die eine Hand nicht, was die andere tut. „Wie es aussieht mit Empfehlungen und mit Einzelfällen außerhalb dieses Gesetzesrahmens, dazu kann ich jetzt ohne Kenntnis von Einzelheiten keine Stellung nehmen“, sagt dazu Alexander Birk, Leiter des Gesundheitsamtes im Regionalverband Saarbrücken, auf SR-Anfrage. Er verweist auf die Rechtsgrundlage. Nur ein Positivbefund ermächtige sowohl das Gesundheitsamt als auch die Ortspolizeibehörden zu einer solchen Entscheidung.

Ministerium weicht aus

Nicht nur die Tholeys wundern sich, warum überhaupt so viele Behörden mitmischen und es nicht einfach einen Ansprechpartner gibt. Das Gesundheitsamt empfiehlt, aber ohne Konsequenzen – und ohne dass die Betroffenen dies ihren Arbeitgebern beweisen können. Nicht überall im Saarland läuft das Ende einer Quarantäne so ab. Andere Gesundheitsämter in anderen Landkreisen testen am Ende noch einmal, ob die Infizierten noch krank sind.

Das Gesundheitsamt im Regionalverband Saarbrücken bleibt jedoch bei seiner Strategie. „Ein positiver Test nach zwei Wochen heißt nicht unbedingt, dass auch eine Ansteckungsfähigkeit da ist“, sagt Amtsleiter Birk. Einzelfälle werde man nie vermeiden können. Das sei aber auch noch Gegenstand der weiteren Forschung, „und wir konnten bis jetzt auch nicht feststellen, dass irgendjemand, den wir aus der Quarantäne entlassen haben, irgendwelche Folgefälle gezüchtet hat“.

Warum es überhaupt unterschiedliche Regeln je nach Landkreis gibt, diese Frage bleibt offen. Das zuständige Gesundheitsministerium antwortet auf eine SR-Anfrage nur ausweichend. Eine Sprecherin teilte mit, die Landkreise richteten sich nach den Kriterien des Robert-Koch-Institutes. Die genauen Vorgehensweisen müssten direkt bei den Landkreisen erfragt werden.

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 15.04.2020 berichtet.

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