Weiskirchen (Foto: SR)

Weiskirchen finanziell am Limit

Der saarländische Luftkurort braucht Hilfe

Steffani Balle   17.05.2022 | 12:30 Uhr

Weiskirchen steht zurzeit finanziell das Wasser bis zum Hals. Auf der einen Seite die hohen Unterhaltungskosten und die Abgaben an den Landkreis - die so genannte Kreisumlage - auf der anderen Seite ein Rückgang beim Kurbetrieb und damit weniger Einnahmen. Nun hat die Kommunalaufsicht den Haushalt für das laufende Jahr nicht gebilligt und die Gemeinde muss nun Wege finden, wie sie ihre finanziell desolate Situation verbessern kann.

Weiskirchen, Orscholz und Blieskastel sind die drei Kur-Gemeinden im Saarland. Und an einen Kurort werden hohe Anforderungen gestellt. Das reicht vom Haus des Gastes, über ein schönes großes Schwimmbad bis hin zu einem Kurpark. Und das kostet natürlich.

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Weiskirchen braucht dringend Geld
Audio [SR 3, Steffani Balle, 17.05.2022, Länge: 03:01 Min.]
Weiskirchen braucht dringend Geld

Weniger Einnahmen bei gleichbleibenden Verpflichtungen

Weiskirchen ist aktuell quasi pleite. Die Einnahmen durch den Kurbetrieb sprudeln bei Weitem nicht mehr so wie früher. Das Publikum habe sich verändert, sagt Bürgermeister Wolfgang Hübschen. In den 60er Jahren habe es in Weiskirchen noch 20 Gaststätten und Tanzlokale gegeben. Das sorgte natürlich für Einnahmen.

Heute sei nichts mehr mit "Morgens Fango, abends Tango", so der Bürgermeister. Gastronomie und Geschäfte profitieren heute kaum noch von der Kurklinik im Ort. Trotzdem muss die Gemeinde die Kureinrichtungen pflegen und unterhalten. Und das kostet richtig Geld. Geld, dass die Gemeinde schon lange nicht mehr hat.

Ein großes Problem: die hohe Kreisumlage

Die fehlenden Einnahmen sind dabei nicht das einzige Problem von Weiskirchen. "Wir müssten jetzt vier Millionen Kreisumlage im Jahr bezahlen - fast unser gesamtes Steueraufkommen", sagt Kämmerer Christian Dietrich.

Es ist eine schwierige Situation - auch mit Blick auf die Weiterentwicklung der Gemeinde. Weiskirchen ist zwar ein gefragter Wohnort, doch die Erschließung neuer Wohngebiete kostet Geld. Deshalb wurden entsprechende Pläne erst mal auf Eis gelegt.

Gute Luft allein reicht nicht

Auch bei der Erschließung neuer Gewerbegebiete sind die Grenzen eng gesteckt. Als heilklimatischer Luftkurort darf Weiskirchen nur sauberes Gewerbe ansiedeln. Mit andere Worten: Die Gemeinde lebt von der guten Luft und dem Wald. Und die will sie auch so gut wie möglich vermarkten - zum Beispiel mit einem Angebot zum Waldbaden. Das allein wird aber nicht reichen.

Um mehr Gäste und vor allem auch Neubürger in die Gemeinde zu ziehen, muss die Infrastruktur stimmen. Dazu gehören für Baudezernent Klaus Barth vor allem ein gutes Kindergarten- und Grundschulangebot - Stichwort "Ganztagsbetreuung". Wenn das nicht geboten werde, werde Weiskirchen für junge Familien zu einer unattraktiven Gemeinde. "Dann können wir irgendwann die Türen zuschließen."

Wie kommt wieder Geld in die Gemeindekasse?

Weiskirchen braucht also dringend Geld. Ein erster Schritt ist nun, dort Ausgaben zu reduzieren, wo es möglich ist. Deshalb soll der Wild- und Wanderpark demnächst kostenpflichtig werden, ebenso das Parken davor. Bei einem Preis von zwei Euro pro Person könnte so wenigstens die Hälfte der laufenden Kosten eingenommen werden, rechnen Kämmerer und Bürgermeister der Hochwaldgemeinde vor.

Um aber die angehäuften Schulden von immer noch rund zwölf Millionen Euro tilgen zu können, braucht es grundlegende Veränderungen. Bürgermeister Wolfgang Hübschen fordert deshalb eine rasche Regelung im Bund, die Altschulden der Kommunen komplett zu streichen.

Und bis dahin sollte es auf Landesebene schon mal eine Entlastung geben: eine Reduzierung der Kreisumlage und Zuschüsse für den Unterhalt der Einrichtungen, die zum Erhalt von Weiskirchen als Kurort notwendig sind. Nur so sei es möglich, Weiskirchen als Kurort zu erhalten, sagt der Bürgermeister

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 17.05.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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