Der Kommentar: "Im Saarland ticken die Uhren anders"

"Im Saarland ticken die Uhren anders"

Audio [SR 3, Thomas Gerber, 27.05.2019, Länge: 02:32 Min.]

Thomas Gerber   27.05.2019 | 12:55 Uhr

Während bundesweit CDU und SPD deutliche Stimmverluste hinnehmen mussten und die Grünen deutlich hinzugewinnen konnten, siehen die Ergebnisse im Saarland etwas anders aus. Die GroKo-Parteien wurden deutlich weniger abgestraft und der Grünen-Hype ist eher ausgeblieben. Aber die Wahl hat auch gezeigt: Die Zeiten der Hochburgen und Selbstläufer sind eigentlich vorbei. Ein Kommentar von Thomas Gerber.

Europawahl 2019
Union vor Grünen, SPD verliert deutlich
Laut dem vorläufigen Ergebnis für das Saarland ist die CDU auch in der Region die stärkste Partei. Die Grünen haben deutlich zugelegt. Aus dem Saarland wird es im nächsten Parlament keinen Europaabgeordneten geben.

Während die Volksparteien oder das, was von ihnen übrig geblieben ist, während CDU und SPD bei den Europawahlen heftig abgestraft wurden und sich mit den Grünen eine dritte Volkspartei zu etablieren scheint – bei den Kommunalwahlen im Saarland ticken die Uhren anders.

Die große Strafaktion blieb den GroKo-Partnern im Saarland erspart. CDU und SPD müssen in den Kommunalparlamenten zwar Verluste hinnehmen, bleiben aber deutlich vorne – mit 34 beziehungsweise 30 Prozent auf Kreistagsebene.

Der große Euro-Hipe blieb kommunal für die Grünen aus, trotzdem gut zwölf Prozent sind im Saarland für Grünes beachtlich. Die Linken, die ohne Zugpferd Oskar wahlkämpften, müssen Federn lassen, die AfD legt zwar zu, hätte sich aber wohl mehr versprochen – und die FDP, die wäre mit Fünf-Prozent-Hürde weiter außerparlamentarisch.

Kommunalwahlen 2019 Saarland
(Ober-)Bürgermeister und Landräte
Die Ergebnisse der Direktwahlen im Saarland.

Eines hat der Superwahlsonntag deutlich gezeigt: Es wird differenziert gewählt. Beispiel Nalbach: Hier hat der grüne Bürgermeister Peter Lehnert die Direktwahl mit Zwei-Drittel-Mehrheit grandios gegen seinen SPD-Herausforderer gewonnen. Gleichzeitig bauten die Nalbacher Genossen die Kommune zur roten Hochburg aus. Im Gemeinderat legten sie auf 55 Prozent zu.

Und noch eines hat uns der Sonntag gelehrt: Hochburgen und Selbstläufer gibt es - vielleicht abgesehen vom St. Wendeler Land - eigentlich kaum mehr. In Eppelborn wird eine rote Amtsinhaberin regelrecht abgewatscht, das gleiche Schicksal ereilt ihren Genossen in Bexbach. Aber auch das gefühlt ewig schwarze Gersheim war für die Christdemokraten nicht zu halten.

Die Zeiten, da die Genossen etwa in Neunkirchen einen roten Besenstiel hätten aufstellen können und der gewählt worden wäre, sind denn auch passé. Hier muss SPDler Aumann trotz halbem Amtsbonus als amtierender Bürgermeister ebenso in die Stichwahl wie in Saarbrücken die amtierende OB Britz. Dass es bei acht Kandidaten schwer werden würde, im ersten Wahlgang 50 Prozent plus eine Stimme zu schaffen, war zwar vielleicht absehbar – aber knappe 37 Prozent sind für Britz ein heftiger Schuss vor den Bug.

Vieles im Wahlkampf wirkte nicht nur in der Landeshauptstadt altbacken und irgendwie nicht auf der Höhe der Zeit. Wenn ein YouTuber in der Lage ist mit seinem Video die Bundes-CDU in die Bredouille zu bringen, brauchen die Parteien neue Wege, um an die Wähler ranzukommen. Im Saarland hat zumindest einer den Schuss gehört: Wadgassens Bürgermeister Greiber wird nachgesagt, er sei mehr im Internet als im Rathaus unterwegs. Der Sozialdemokrat holte gestern stolze 70 Prozent.

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