Der Rosenmontag und die Wahlämter

Der einsame Dienst auf dem Wahlamt

Simin Sadeghi   05.03.2019 | 12:55 Uhr

Seit Donnerstag regieren die Faasebooze in den saarländischen Rathäusern. Mit abenteuerlichen Rathausstürmen haben sie seit dem fetten Donnerstag die Macht an sich gerissen. Und sie regieren - wie erwartet - feiernd auf den Straßen. Die Rathäuser sind traditionell leer und verwaist. Nicht aber in diesem Jahr. An Rosenmontag war in jeder Gemeinde ein Mitarbeiter im Dienst. Der Grund: die anstehende Europawahl im Mai. SR-Reporterin Simin Sadeghi hat zwei Wahlämter besucht.

Rosenmontag. Das Rathaus in Friedrichsthal ist wie ausgestorben - bis auf das Wahlamt. Dort verrichtet Hauptamtsleiter Christian Jung seinen Dienst. Um 8.00 Uhr hat er das Wahlamt geöffnet - doch Besucher gibt es keine. Ein ähnliches Bild herrscht im Wahlamt in Saarbrücken. Hier hält Rainer Waespi-Oes die Stellung.

Hintergrund
Um zu einer Wahl zugelassen zu werden, brauchen neue Parteien eine gewisse Anzahl von Unterstützern. Unterstützen kann so gut wie jeder mit seiner Unterschrift im Wahlbüro.

Doch warum müssen er und seine Kollegen an Rosenmontag Dienst schieben? "Wir haben heute geöffnet, weil das Europa-Wahlrecht vorsieht, dass am 83. Tag vor der Wahl noch Unterstützungsunterschriften für die Wahlvorschläge eingereicht werden können", erklärt Waespi-Oes.

Dass der Stichtag nun ausgerechnet auf den Rosenmontag gefallen ist und deshalb kaum jemand den Weg ins Wahlamt gefunden hat - Rainer Waespi-Oes hat damit kein Problem. Es sei schließlich eine bundesweite Regelung, nicht überall in Deutschland werde Fastnacht gefeiert "und wir müssen darauf achten, dass überall in der Republik die gleichen Bedingungen herrschen." Und auch Christian Jung hat mit seinem Dienst an diesem Rosenmontag kein Problem: "Das ist unser Tribut an die Demokratie, dass wir uns dafür zur Verfügung stellen."

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 05.03.2019 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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