26.06.2020, Polen, Warschau: Rafal Trzaskowski, Bürgermeister von Warschau und Präsidentschaftskandidat von Polens größtem Oppositionsbündnis, spricht mit Anhängern auf dem Schlossplatz (Foto: dpa / picture alliance / Czarek Sokolowski)

Die Präsidentschaftswahl in Polen

Interview: Nadine Thielen   29.06.2020 | 07:15 Uhr

Der erste Wahlgang am 28. Juni brachte für keinen Kandidaten die absolute Mehrheit. Nun müssen sich die polnischen Wählerinnen und Wähler bei der Stichwahl am 12. Juli zwischen dem Amtsinhaber Andrzej Duda und seinem Herausforderer Rafal Trzaskowski entscheiden. Auch im Saarland wird mit großem Interesse auf die Wahl im Nachbarland geschaut, denn zwischen dem saarländischen Illingen und dem polnischen Tuchow gibt es eine Städtepartnerschaft.

Nachdem sich beim ersten Wahlgang am 28. Juni 2020 kein Kandidat entscheidend durchsetzen konnte, kommt es bei der Präsidentschaftswahl in Polen am 12. Juli zu einer Stichwahl. Wird sich am Ende der favorisierte rechtskonservative Amtsinhaber Andrzej Duda durchsetzen - oder doch der liberale Herausforderer Rafal Trzaskowski, der seit zwei Jahren als Warschauer Bürgermeister amtiert?

Für die Kritiker der amtierenden Regierung ein Hoffnungsschimmer, dass bei einem Wahlsieg von Trzaskowski die Angriffe gegen Schwule und Lesben, gegen Pressefreiheit und eine unabhängige Justiz, wie es sie zuletzt unter der regierenden Partei PiS und ihrer nationalistischen Politik immer wieder gegeben hat, zurückgehen könnten.

"Wir wollen jetzt denen helfen, die ein liberales Polen vertreten"

"Freundschaft setzte gleiche Werte voraus und dazu gehören die europäischen Werte der Menschenrechte"
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen, 29.06.2020, Länge: 03:19 Min.]
"Freundschaft setzte gleiche Werte voraus und dazu gehören die europäischen Werte der Menschenrechte"

Zu diesen Kritikern gehört auch Illingens Bürgermeister Armin König. Seine Gemeinde pflegt eine Städtpartnerschaft mit der polnischen Gemeinde Tuchow. Man sei vom Ergebnis der Wahl überrascht gewesen, sagt er. Polen sei gespalten "und wir wollen jetzt denen helfen, die ein liberales Polen vertreten und sich nicht vor den Karren der PiS spannen lassen", sagt er. Es sei deshalb auch wichtig gewesen, "dass wir vor der Wahl klar Farbe bekannt haben gegen jegliche Diskriminierung." König hatte einen Brief an die polnische Partnerstadt Tuchow geschrieben, nachdem diese sich zur "LGBT- freien Zone“ erklärt hatte, also dass sie keine homo- und bi-oder transsexuellen Menschen in ihrer Stadt wollen.

Sollte Duda die Wahl gewinnen und damit die PiS und ihre Angriffe auf die demokratischen Werte gestärkt werden, dann müsse die Städtepartnerschaft auf den Prüfstand, denn "Freundschaft setzte gleiche Werte voraus und dazu gehören die europäischen Werte der Menschenrechte. Das muss gewährleistet sein - auch bei einer Städtepartnerschaft", sagt König.

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Ein Thema in der "Region am Mittag" am 29.06.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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