Klimafreundliche Stahlproduktion - ist das möglich?

Felix Schneider   12.12.2019 | 12:30 Uhr

"Grüner Stahl" - made im Saarland? Professor Marc Hölling von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HWH) war zu Besuch in Saarbrücken und hat seinen Ansatz für eine umweltfreundliche Stahlproduktion vorgestellt. Eines steht fest: Billig wird es nicht. Alleine wird das Saarland das nicht schaffen.

CO2-Reduktion bei der Stahlproduktion ist ein Thema, das aktueller ist denn je. Zwischen Klimaschutz und Verlust von Arbeitsplätzen, zwischen finanzieller Machbarkeit und politischer Umsetzung.

Momentan kostet ein Kilo Stahl rund 60 Cent. Ein sehr günstiges Produkt, trotz der sehr aufwendigen Produktion. „Wir arbeiten gerade am Überleben, weil wir momentan Verluste einfahren. Wir müssen uns verschlanken, um überhaupt wettbewerbsfähig sein zu können“, sagt Dr. Helmut Lachmund, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung Stahlerzeugung bei der Dillinger Hütte.

Neben dem harten Konkurrenzkampf auf dem Markt gibt es bei dem billigen Stahl auch noch ein weiteres, großes Problem: Die hohe CO2-Emission bei der Produktion. Für eine Tonne Stahl wird beim derzeitigen Verfahren mit Hochöfen nämlich fast die doppelte Menge an CO2 ausgestoßen.

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Saubere Stahlproduktion - ist das möglich?
Audio [SR 3, Felix Schneider, 12.12.2019, Länge: 03:06 Min.]
Saubere Stahlproduktion - ist das möglich?

Am 11. Dezember gab es im Saarbrücker Filmhaus eine Veranstaltung zu dem Thema. Als Referent geladen war Marc Hölling von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Er konnte zwar keine einfachen Lösungen präsentieren, dafür aber immerhin einige Mut machende Ansätze. Es sei technisch durchaus möglich, CO2 zu reduzieren, bis hin zur CO2-freien Stahlproduktion, sagt er. Das Zauberworte lauteten: Erdgas und Wasserstoff. Mit ihrem Einsatz könnte man auf Hochofen und Konverter verzichten und stattdessen mit einer Direktreduktionsanlage arbeiten, die über Erdgas funktioniert. "Damit wäre man zumindest auf einem Zwischenweg, mit dem man 40 bis 50 Prozent CO2 einsparen könnte".

CO2-frei nur mit gelungener Energiewende möglich

Der nächste große Schritt wäre dann der Betrieb der Anlage mit Wasserstoff. Das Aufschmelzen würde über Strom erfolgen. Der Strombedarf dabei ist jedoch sehr hoch, ungefähr so hoch wie der Stromverbrauch einer Kleinstadt. Damit der Stahl überhaupt CO2-frei sein könne, müsse deshalb auch die Energiewende gelingen und der benötigte Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen, sagt Hölling.

Europa muss mit einer Stimme sprechen

Soweit die technischen Möglichkeiten. Doch um diese umzusetzen, braucht es Investitionen, hohe Investitionen. „Wir würden im Moment bei einer Umstellung von Hochofenstahl zu Wasserstoffstahl über eine immense Kostensteigerung reden. Für ein Werk wie Saarstahl würde das in die Millarden gehen", sagt Hölling.

Die Industrie ist durchaus an neuen Verfahren interessiert, aber nicht in einem nationalen Alleingang. Das sei unmöglich zu stemmen, sagt Helmut Lachmund. Deshalb gibt es einen ganz klaren Appell an die Politik und vor allem an Brüssel: "Wenn Europa hier nicht mit einer Stimme spricht, sind wir in einem globalen Weltmarkt verloren", so Lachmund.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 12.12.2019 auf SR 3 Saarlandwelle

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