Symbolbild: Völkerbund und Saargebiet (Foto: UnoArchiv)

Der Völkerbund an der Saar – Spielball der Mächte

Nadine Thielen   30.03.2020 | 09:52 Uhr

100 Jahre ist es her, da war das Saarland noch Saargebiet - und gleichzeitig einer der Orte, auf den ein großer Teil der Welt geblickt hat, denn genau trafen gleich mehrere Konflikte aufeinander, die zum Alltag der Saarländer gehörten. Eine Dokumentation von SWR und SR aus der Reihe „Geschichte im Ersten“ zeigt, welche Schlüsselrolle der Streit um die Saar in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gespielt hat.

Programmtipp
30. März, 23.30 Uhr im Ersten

30. März - 23.30 Uhr, das Erste
Völkerbund an der Saar
Das kleine Saargebiet vor hundert Jahren - Schauplatz der Machtinteressen zwischen den Weltkriegen. Der neutrale Völkerbund hatte die historische Chance, die Region zu befrieden.

Es ist der 13. Januar 1935. Mehr als eine halbe Million Saarländer stimmen ab, zu wem das Saargebiet in Zukunft gehören soll: Zum Deutschen Reich? Zu Frankreich? Oder soll alles so bleiben, wie es ist, nämlich, dass der Völkerbund, so wie in den vergangenen 15 Jahren, die Region einfach weiter verwaltet?

90 Prozent der Saarländer wollten zu Deutschland - das Ergebnis kennen wir heute. Der Weg dorthin, den kennen aber viele nicht mehr. Und genau da setzt die SWR und SR-Dokumentation von Mathias Haentjes an: "Die Dimension dieses Prozesses ist viel, viel größer als es auf den ersten Moment erscheint. Und die Auswirkungen gehen wirklich über die Jahrzehnte hinweg."

Was ganz Europa im Großen beschäftigt , das erleben die Saarländer vor Ort im Kleinen. Seit 1920 verwaltet der Völkerbund das Saargebiet, was fast schon einem Experiment gleicht. Der Völkerbund ist der erste Versuch einer Organisation, in der gleich mehrere Staaten ihre eigenen Interessen unter einen Hut bringen und dabei - zumindest nach außen hin - für Frieden sorgen wollen.

Die Schwächen in der Praxis

Der Völkerbund an der Saar
Audio [SR 3, Nadine Thielen, 30.03.2020, Länge: 03:11 Min.]
Der Völkerbund an der Saar

Was für uns mit dem Völkerbund-Nachfolger, den Vereinten Nationen, heute vollkommen normal ist, war damals absolutes Neuland - und zeigte in der Praxis seine Schwächen. Der Französische Chef, der an der Spitze der Regierungskommission des Völkerbundes im Saargebiet das Sagen hatte, verfolgte eher französische denn internationale Interessen. Der Industrielle Völklinger Hermann Röchling setzte aufs Geschäftemachen mit den Nazis. Der Sozialdemokrat und Journalist Max Braun hoffte auf eine deutsch-französische Freundschaft. Und in Wiebelskirchen übte sich der noch jugendliche Erich Honecker im Kommunismus.

Diese vier Figuren führen durch die Dokumentation und so macht es uns Autor Mathias Haentjes leicht, der durchaus sehr dichten Geschichte zu folgen.

Wer „Der Völkerbund an der Saar – Spielball der Mächte“ schaut, der merkt schnell, das diese Episode deutscher, ja europäischer Geschichte deutlich mehr Platz in unseren Geschichtsbüchern verdient hätte. Denn hier zeigt sich, wie schon damals alles zusammenhing - und was wir bis heute daraus lernen können. Es sei "ein Appell, Vernunft und Ruhe zu bewahren und sich nicht von Emotionen dominieren zu lassen", so Autor Haentjes.

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