Privatinsolvenz (Foto: picture alliance/Alexander Heinl/dpa)

Zunehmend Saarländer wegen der Pandemie verschuldet

Yvonne Schleinhege   22.10.2020 | 06:39 Uhr

Im Saarland wie auch anderswo in Deutschland werden Stellen abgebaut. Es gibt Kurzarbeit und ganze Branchen sind zum Erliegen gekommen. Die Corona-Krise hat für viele Menschen spürbare finanzielle Folgen. Das merken auch die Mitarbeiter bei der Schuldnerberatung.

Die Corona-Krise verschärft das Problem der Verschuldung.
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 22.10.2020, Länge: 02:09 Min.]
Die Corona-Krise verschärft das Problem der Verschuldung.

Jeder neunte volljährige Saarländer ist überschuldet, kann also seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. In der Folge bekommt er oder sie keine keine Kredite mehr und hat auch kein entsprechendes Vermögen. Damit liegt das Saarland seit Jahren über dem Bundesschnitt, das zeigt der jährliche "Schuldneratlas" der Creditrefrom.

Susanne Gier arbeitet seit 17 Jahren bei der Schuldnerberatung der Caritas. Sie hilft Menschen, die Probleme mit Schulden haben, meist sind sie sogar überschuldet. Das könne ein Handy-Vertrag sein, der nicht mehr bezahlt werden kann, oder Schulden aus der Selbständigkeit. Oft seien es zunächst einzelne Verträge oder kleine Kredite, die nicht mehr bedient werden können. Schritt für Schritt gerate man dann in einen Strudel von Krediten und Verpflichtungen. Häufig kämen die Betroffenen erst spät zur ihr in die Beratung. "Viele schämen sich, verdrängen das Problem und kommen erst dann, wenn's gar nicht mehr geht", so Gier

Es gibt deutlich mehr Beratungsbedarf

Die Zahl der Überschuldeten steige kontinuierlich an, sagt Carsten Uthoff von der Creditreform in Saarbrücken. Ein wichtiger Grund für die Überschuldung ist Arbeitslosigkeit. Diese steigt in der Corona-Krise. Hinzu kommt die Kurzarbeit. Eine aktuelle Umfrage der Creditrefom zeigt auch: Fast 40 Prozent der befragten Haushalte sind durch die Corona-Krise finanziell schlechter gestellt.

Fast ein Drittel der Befragten befürchtet, bald in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten. Das trifft dann nicht nur die einkommensschwachen Haushalte, sondern mehr und mehr auch die Mittelschicht. Arbeitsplätze, etwa die von Facharbeitern, die gut bezahlt sind, werden abgebaut. Auch das kann ein Auslöser für Überschuldung sein. Schuldnerberaterin Susanne Gier macht die gleichen Beobachtungen. Sie merkt jetzt schon, dass es deutlich mehr Beratungsbedarf gibt. Und Gier ist überzeugt, es wird noch mehr.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 22.10.2020 berichtet.

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