Symbol eines Elektroautos auf einem Parkplatz (Foto: picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa)

Wie klimafreundlich ist das Elektroauto?

Nadine Thielen / Onlinefassung: Thomas Braun   06.01.2020 | 06:30 Uhr

Das Ziel ist klar: Künftig sollen deutlich mehr Elektroautos auf die Straßen. Aber wie steht es wirklich um ihre Klimabilanz? Und wie schneiden die E-Autos im Vergleich zu Autos mit Verbrennermotoren ab. SR 3-Reporterin Nadine Thielen hat sich die Diskussion und die Fakten dazu angeschaut.

Um die Klimabilanz realistisch einzuschätzen, gehören mehrere Faktoren auf den Prüfstand: Nicht nur der CO2-Ausstoß während der Fahrt, sondern schon während der Produktion. Und wie steht es um die Rohstoffe und später die Entsorgung?

Der CO2-Ausstoß während des Betriebs

Beim CO2-Ausstoß während des Betriebes ist das E-Auto der klare Gewinner. Es stößt beim Betrieb null Gramm CO2 aus, eben weil alles mit Strom läuft. Aber dieser Strom muss auch erzeugt werden - und im aktuellen Energie-Mix in Deutschland wird dabei auch CO2 ausgestoßen. Was bedeutet das für den Vergleich E-Auto versus Verbrenner? Nach Zahlen des Bundesumweltministeriums stößt ein 2017 neuzugelassenes Auto im Durchschnitt während des Fahrens als Benziner gut 140 Gramm CO2 pro Kilometer aus, als Diesel gut 120 Gramm. Weit darunter und damit eindeutig die beste Bilanz hat das Elektroauto mit gerade mal rund 75 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer. Zudem geht das Ministerium davon aus, dass sich die CO2-Bilanz aufgrund des steigenden Anteils erneuerbarer Energien am Strommix weiter verbessern wird.

Der CO2-Ausstoß bei der Produktion

Klimabilanz von E-Auto und Verbrenner
Audio [SR 3, (c) SR, 06.01.2020, Länge: 03:04 Min.]
Klimabilanz von E-Auto und Verbrenner

Für einen Vergleich zwischen Verbrenner- und Elektroauto muss allerdings nicht nur auf den Betrieb, sondern auch auf die Produktion geschaut werden. Und genau hier kommt die Kritik am E-Auto ins Spiel. Denn für die Herstellung der Batterie braucht es eine Menge an Energie. Und dafür stößt die Industrie ordentlich CO2 aus. In einer Studie des Instituts für Energie und Umweltforschung Heidelberg, kurz IFEU, gehen Wissenschaftler davon aus, dass für die Produktion eines durchschnittlichen E-Autos 12,4 Tonnen CO2 ausgestoßen werden. Für einen Durchschnitts-Verbrenner sind es laut den Forschern nur rund sieben Tonnen – also nur etwas mehr als die Hälfte. Beim derzeitigen deutschen Strommix müsste ein Elektroauto demnach gut 60.000 Kilometer fahren, um in Sachen CO2-Bilanz den Benziner einzuholen – 80.000 Kilometer bis zum Diesel-Auto.

Zu ähnlichen Zahlen kommt Professor Rüdiger Tiemann vom Institut für Technologietransfer FITT an der htw in Saarbrücken – und er weist auf ein weiteres Problem hin:

Das Recycling

Erst wenn das Ende gut ist, ist alles gut. Und das sei in Sachen E-Auto noch ziemlich offen, so htw-Professor Tiemann: „Bis jetzt gibt es bei den Batterien immer noch kein sauberes Recyclingverfahren. Es gibt ein, zwei Firmen, die momentan glauben, Batterien gut recyceln zu können. Der Nachweis ist noch nicht geführt, weil noch nicht genug Batterien zurückgelaufen sind, um diesen Prozess herleiten zu können.“ Beim Verbrenner-Motor ist man da schon deutlich weiter. Laut Tiemann kann hier fast der komplette Motor recycelt werden.

Wie es aktuell um das Recycling der Batterien bestellt ist, hat auch der ADAC in einem kleinen Dossier zusammengestellt. Der Automobilclub kommt zu dem Ergebnis, dass es zwar bereits vielversprechende Ansätze gibt – sieht aber auch die Politik in der Pflicht, die gesetzlichen Vorgaben deutlich zu verschärfen und insbesondere auch bei der Weiterverwendung von Batterien außerhalb des Fahrzeuges sichere gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Die Rohstoffe

Was auch immer wieder in der Diskussion ums E-Auto auftaucht, ist die Frage: Woher kommen eigentlich die Rohstoffe? Lithium ist das Stichwort, das das E-Auto hier in die Bredouille bringt. Ein Großteil des Lithiums wird aus Salzseen in Südamerika gewonnen – ein Eingriff, durch den der Grundwasserspiegel in der sowieso schon wasserarmen Umgebung immer mehr sinkt. Die Hilfsorganisation Brot für die Welt geht von 400 Badewannen voll mit Wasser für das Lithium nur einer Autobatterie aus. Und auch Kobalt in den Batterien hat einen hohen Preis - der Abbau im Kongo gerät immer wieder in die Schlagzeilen unter anderem wegen lebensgefährlicher Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit.

Aber auch Verbrenner kommen in Sachen Rohstoffe nicht gut weg: Um Öl für Benzin und Diesel zu gewinnen, werden laut Greenpeace riesige Waldflächen gerodet. Hinzu kommen gefährliche Ölunfälle, die laut Greenpeace allein beim Öl-Riesen Shell jeden Tag vorkommen.

Fazit

Natürlich hat die beste Klimabilanz, wer das Auto gleich ganz stehen lässt. Das ist aber an vielen Orten bei uns im Saarland nicht drin – weil der öffentliche Nahverkehr fehlt oder weil der Weg zur Arbeit oder zum nächsten Supermarkt nicht immer nur eine Fahrradfahrt entfernt liegt. Und genau hier kommt das E-Auto ins Spiel. Auch wenn die Klimabilanz nicht ohne Abstriche auskommt, besser als beim Auto mit Diesel oder Benzin ist sie allemal. Damit das E-Auto das Rennen gegen den Verbrenner am Ende auch wirklich gewinnt, müssen allerdings noch einige ihre Hausaufgaben machen. Das E-Auto schlecht zu reden, macht trotz aller berechtigten Kritik keinen Sinn. Schon jetzt ist es eine gute Alternative zum Klimaschutz und mit ein bisschen Arbeit wird es für alle, die auf das Auto nicht verzichten wollen, sogar eine sehr gute.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 06.01.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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