Wie gut sind Saarländerinnen gegen sexualisiert Gewalt geschützt?

Wie sieht es um den Schutz der Frauen vor sexualisierter Gewalt aus?

Renate Wanninger   16.03.2021 | 12:00 Uhr

Mit der Istanbul-Konvention wurde in Europa zum ersten Mal ein Instrument geschaffen, um jegliche Form von Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Vor rund drei Jahren ist sie auch in Deutschland in Kraft getreten. Doch was hat sie bisher bewirkt? Der Frauennotruf, das Frauenbüro Saarbrücken, der deutsche Ärztinnenbund und der Frauenrat Saarland hatten am 15. März VertreterInnen aus der Politik zu einer Videoveranstaltung geladen, um über das zu sprechen, was im Saarland gegen Frauengewalt getan wird.

In Deutschland wird jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Ehemann oder Partner getötet. Laut WHO hat zurzeit eine dreiviertel Milliarde Frauen Gewalt erfahren – meist in der eigenen Partnerschaft. Zahlen, die erschüttern, die aber auch dafür stehen, dass viele von uns wegsehen, wenn es in der Nachbarschaft zu Gewalttätigkeit kommt. "Häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, sind Menschenrechtsverletzungen", sagt Ministerpräsident Thobias Hans, der Schirmherrr der virtuellen Veranstaltung am 15. März.

Aber immer noch wird Gewalt gegen Frauen oftmals als eine Art Kavaliersdelikt angesehen. Viele wollen sich auch nicht nicht einmischen, wenn die Nachbarschaft sich streitet. Und viele Frauen trauen sich nicht - oder erst sehr spät - Hilfe zu suchen.

Vertrauliche Spurensicherung

Es gibt aber positive Entwicklungen seit Inkraft treten der Istanbul-Konvention. Bei der vertraulichen Spurensicherung gebe es im Saarland Fortschritte, sagt Hennig Kraft, der dafür Beauftragte der Ärztekammer. Und auch wenn es keine entsprechenden Spuren gebe, gebe es inzwischen mehr Hilfen für die Frauen, so Kraft.

Prävention

Antonia Schneide-Kerle vom Frauennotruf will aber mehr. Sie will mehr Prävention. Und das sei das Gute an der Istanbul-Konvention, sagt sie. Sie mache es möglich, dass auch Präventionsarbeit finaniziert werde. Dabei geht es um Fortbildung, aber auch um Bewusstseinsbildung.

Alle, die sich im pädagogischen Bereich bewegen, ob LehrerInnen oder TrainerInnen, müssten sich darüber im Klaren sein, wie wichtig es sei, Rollenklischees zu durchbrechen, sagt Barbara Spaniol von den Linken.

Auch im Bereich Justiz muss es Fortbildungen geben, damit Anwälte zum Beispiel wissen, wie wichtig eine psychosoziale Betreuung von betroffenen Frauen und Mädchen ist.

Das Thema zur ChefInnensache machen

Die Sozialwissenschaftlerin Karin Heisecke verfolgte die Diskussion und die Darstellungen aus dem Saarland. Auf die Frage, welchen Weg denn das Saarland einschlagen sollte, kam die Antwort klar und deutlich. "Wenn das Thema wirklich zur ChefInnensache gemacht und auch mit den entsprechenden personellen Ressourcen ausgestattet wird, dann wäre das ein erster wichtiger und auch notwendiger Schritt, damit sich auch wirklich was bewegen kann."

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 16.03.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja