Zulieferindustrie im Saarland (Foto: SR)

Wie wichtig ist die US-Wahl für die Saarwirtschaft?

Karin Mayer   03.11.2020 | 12:45 Uhr

Trump oder Biden? Republikaner oder Demokraten? Die Präsidentschaftswahl in den USA ist auch für die Wirtschaft im Saarland von Bedeutung, denn der US-Markt ist wichtig - vor allem für die Autohersteller und Zulieferer im Land.

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Die US-Wahl und die Saarwirtschaft
Audio [SR 3, Karin Mayer, 03.11.2020, Länge: 03:00 Min.]
Die US-Wahl und die Saarwirtschaft
Trump oder Biden? Republikaner oder Demokraten? Die Wahl in den USA ist aus für die Saarwirtschaft von großem Interesse, denn der US-Markt ist wichtig, vor allem für die Autohersteller und Zulieferer im Land.

Auf den ersten Blick ist sie weit weg: die Präsidentschaftswahl in den USA. Bei Casar in Limbach sieht man das auch recht entspannt, obwohl das Unternehmen einem amerikanischen Mutterkonzern gehört. Der Hauptabsatzmarkt sei Europa, China, Russland - und da laufe das Geschäft, so ein Mitarbeiter

In der Autoindustrie und bei den Zulieferern im Saarland sieht die Sache etwas anders aus, weiß Patrick Selzer von der IG Metall Saarbrücken. So zum Beispiel beim ZF Werk. Das Saarbrücker Werk habe immer auch in die USA geliefert. Das sei dann teilweise umgewidmet worden wegen der Zoll- und Steuerbelastung, sagt Selzer. Getriebe für den US-Markt werden jetzt in den USA produziert, bestätigt auch ein ZF-Sprecher. Die Verlagerung in die USA war aber schon vor Trumps Amtszeit geplant.

USA - wichtiger Exportmarkt für die Saarwirtschaft

IHK hofft auf Freihandelsabkommen
Die IHK hofft, dass nach der US-Wahl Gespräche über ein Freihandelsabkommen mit den USA in Gang kommen. Geschäftsführer Oliver Groll sagte dem SR, für die Saarwirtschaft seien stabile Handelsbeziehungen entscheidend. Wenn auf Dauer Zölle als Druckmittel benutzt würden, schade das der exportorientierten saarländischen Industrie. Unter US-Präsident Trump haben die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP geruht. Die Wirtschaft hat aber nach wie vor Interesse an einem Abkommen.

Fakt ist: Die USA sind ein wichtiger Exportmarkt für die Saarwirtschaft. Lange war der US-Markt sogar eine wichtige Bank für die Saarwirtschaft. Von 2006 bis 2016 hatten sich die Exporte aus dem Saarland in die USA auf über 1,6 Milliarden Euro verdreifacht. Seither stagniert der Export aber. 1,5 Milliarden seien es im letzten Jahr gewesen, davon gut Zweidrittel über Automobilteile, sagt Oliver Groll von der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes (IHK).

Besonders den Zulieferern droht US-Präsident Trump seit Beginn seiner Amtszeit mit Zöllen. Sollte er wieder gewählt werden, wird er diese Strategie wohl fortsetzen. "Wenn pauschal Zollsätze auf Teile, ganze Autos oder wichtige Baugruppen verhängt werden, dann stimmt die Kalkulation nicht mehr", so Groll.

Strafzölle auf Autos gibt es bisher noch nicht. Die hat Trump bei einer möglichen zweiten Amtszeit noch in der Hinterhand. Das hätte katastrophale Auswirkungen, sagt Patrick Selzer von der IG Metall Saarbrücken.

"Buy American" statt "America first"

Auf Stahl und Aluminium werden schon US-Zölle erhoben. Eine Folge: Immer mehr asiatische Anbieter drängen sich auf den europäischen Markt und drücken die Preise. Das belastet die Stahlunternehmen im Saarland seit Jahren.

Eher fraglich, ob der Herausforderer Joe Biden das ändern wird. Auch Biden will neue Industriearbeitsplätze schaffen. Unternehmen, die Jobs ins Ausland verlagern, sollen dafür mehr Steuern zahlen. Statt "America first" propagiert er "Buy American". Oliver Groll von der IHk erwartet jedenfall keine Trendwende in der Handelspolitik von Joe Biden. Allenfalls eine Verbesserung im Umgangston.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 03.11.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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