Lena Reichert und Nicki Herl in ihrem Unverpackt-Laden in Saarlouis (Foto: SR Fernsehen)

Finanzielle Probleme im "Unverpackt" in Saarlouis

Manuela Weichsel / Onlinefassung: Jil Kalmes   24.08.2022 | 12:00 Uhr

Haferflocken, Hülsenfrüchte, Waschmittel – das alles und vieles mehr bekommt man zum Selbstabfüllen im Unverpackt-Laden in Saarlouis. Anfangs lief der Verkauf gut, doch die Inflation und die damit zusammenhängenden Existenzängste machen auch vor den Unverpackt-Kunden nicht halt.

Ohne Verpackungsmüll einkaufen – das geht in Unverpackt-Läden. Man bringt seine eigenen Behälter mit und kann sich die Lebensmittel selbst abfüllen. Der Vorteil: man kauft nur die Menge ein, die man auch wirklich benötigt.

Das Konzept war in den letzten Jahren sehr erfolgreich, doch mittlerweile müssen immer mehr Läden schließen – oder stehen kurz davor. Auch der "Unverpackt" Saarlouis kämpft mit Problemen.

Audio

"Unverpackt" Saarlouis steht vor Problemen
Audio [SR 3, Manuela Weichsel, 24.08.2022, Länge: 03:06 Min.]
"Unverpackt" Saarlouis steht vor Problemen

Als Gründerin Lena Reichert und Gründer Nicki Herl 2019 in die Planung gingen, schien das Konzept noch sehr erfolgsversprechend zu sein. 2020 gründeten sie dann ihren Laden unter dem Namen "Unverpackt". Doch dann kam Corona und die Inflation. Zu Beginn der Pandemie waren es noch 60 bis 80 Kunden am Tag, derzeit sind es etwa 30.

Kein Anspruch auf staatliche Corona-Hilfen

Nicki Herl, der auch im Vorstand des Berufsverbands der Unverpackt Läden ist, sieht das Problem allerdings nicht im Konzept der Läden. Grund für die Schwierigkeiten sei eher, dass die Branche jung sei und wenig Zeit war, um Rücklagen zu bilden.

Anspruch auf staatliche Corona-Hilfen haben sie nicht, da sie "Unverpackt" erst 2020 gegründet haben. Allein von ihrem Laden können Lena Reichert und Nicki Herl derzeit nicht leben. Deshalb haben sie nebenher noch andere Jobs – um über die Runden zu kommen.

Inflation und Zukunftsängste

Den Kunden macht vor allem die Inflation zu schaffen. In Saarlouis beschäftigt die Menschen außerdem die Entscheidung von Ford, ihr neues E-Auto in Valencia zu produzieren. Viele plagen daher Existenzängste. Um Geld zu sparen kaufen Menschen ihre Lebensmittel daher eher bei Discountern ein.

Discounter sind im Vorteil

Gegen die großen Discounter kämen sie einfach nicht an, erzählt Nicki Herl. Nicht nur, weil Discounter ein professionelles Marketingbudget haben oder inflationsbereinigte Preise anbieten können, sondern auch wegen der Lage und den Parkplätzen.

Viele andere kleine Läden in der Umgebung haben die Pandemie nicht überlebt, die Gegend sei unattraktiv geworden. Doch ein Umzug ist für "Unverpackt" nicht möglich, dafür fehlt das Geld. Und auch Parkplätze gibt es nur wenige vor dem kleinen Laden. Im Discounter einzukaufen sei für viele einfach bequemer, sagt Herl.

"Die Lücke zwischen 'konventionell' und 'Bio' schließt sich"

Dabei sind die Produkte aus dem Unverpackladen mittlerweile gar nicht mehr so viel teurer als konventionelle aus dem Supermarkt – und das, obwohl im Unverpackt-Laden fast ausschließlich Bio-Qualität angeboten wird.

"Da kommt uns zu Gute, dass wir auf biologische Lebensmittel Wert legen, denn hier muss kein teurer Dünger zugekauft werden", sagt Herl. Und auch mit Energie sei im "Unverpackt" schon immer sparsam umgegangen worden.

Sie haben die Preise zu Beginn des Ukraine-Krieges nur bei wenigen Artikeln anpassen müssen. Mittlerweile bekomme man ein Bio-Sonnenblumenöl aus dem "Unverpackt" zum fast gleichen Preis wie im konventionellen Supermarkt, so Herl.


Video

Video [aktueller bericht, 23.08.2022, Länge: 3:50 Min.]
Finanzielle Probleme bei Unverpackt-Läden
In Unverpackt-Läden können Kundinnen und Kunden ihre eigenen Verpackungen mitbringen und Produkte selbst darin abfüllen. Doch Corona und nun die Inflation stellen das Konzept vor Probleme. Der Unverpackt-Laden in St. Ingbert musste bereits schließen. Auch beim Unverpackt-Laden in Saarlouis läuft das Geschäft gerade nicht gut.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 24.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja