Thementag Saarland digital: "Wer vorne sein will, braucht Geld"

"Wer vorne sein will, braucht Geld"

Ein Kommentar von Florian Mayer

  14.03.2019 | 16:30 Uhr

Das Saarland: deutschlandweit, wenn nicht sogar europaweit führend in der Digitalisierung - so die Wunschvorstellung von Ministerpräsidenten Tobias Hans. Doch wie realistisch ist der Traum vom "Saarvalley"? Dazu ein Kommentar von Florian Mayer.

Blühende digitale Landschaften. Von Leipzig bis nach Stuttgart. Überall werden die Bundesländer an intelligenten, lernenden Pflegerobotern, selbstfahrenden Autos und Cybersicherheitssystemen genesen. Die „Digitalisierung“ ist das ultimative Heilsversprechen der deutschen Politik und Wirtschaft. Das Saarland ist da keine Ausnahme. Ministerpräsident Tobias Hans hat zu Beginn seiner Amtszeit vor einem Jahr die Digitalisierung zur Chefsache erklärt. Seine Vision: nichts weniger als das Saarland zum weltweiten führenden IT-Standort zu machen.

Wer mit Tobias Hans über seine Pläne für die digitale Zukunft des Saarlandes spricht, der merkt aber recht schnell, da kommt nicht nur ein buntes Potpourri der zehn angesagtesten Tech-Begriffe. Hans vermittelt durchaus den Eindruck, dass er Ahnung hat von Start-Ups, von Risikokapital, von DeepLearning und Verschlüsselungstechniken. Wissen, das ihm fehlt, bestellt er sich von Google oder IDS Scheer in die Staatskanzlei.

Nch immer werden mehr Firmen abgemeldet als neu gegründet

Dass ZF zusammen mit CISPA und DFKI künftig in Saarbrücken an den hauseigenen Schlüsseltechnologien Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit für die Fahrzeugentwicklung der Zukunft forschen wird, ist ein Teilen Ergebnis dieses Modus Operandi. Das verdient Anerkennung und beweist in diesem Punkt politische Weitsicht.

Das Saarland als einzig logischen Nachfolger für das us-amerikanische Silicon Valley – der Wiege des modernen Internets – verkaufen zu wollen, dagegen nicht. Es gibt hier keine Konzernzentralen weltweit führender Unternehmen, noch immer werden mehr Firmen abgemeldet als neu gegründet, die Zahl saarländischer Patentanmeldungen sind bedeutungslos im Bundesvergleich und – auch mit dem ZF-Erfolg im Blick sind die Investitionen in Forschung und Entwicklung im Saarland im rasend schnellen, internationalen Wettbewerb der Digitalisierung bei weitem nicht konkurrenzfähig.

Wer da vorne sein will, braucht: Geld!

Wer da vorne sein will, braucht: Geld! Von privaten, risikofreudigen Investoren, denen es egal ist, ob sie 10.000, 100.000 oder 10 Millionen Euro in einem Projekt versenken und nie wieder sehen. Die gibt es nicht im Saarland und sie gibt es – glaubt man dem Bundeswirtschaftsminister und Saarländer Peter Altmaier – auch nicht in Deutschland. Die deutsche Wirtschaft funktioniert nicht nach dem Prinzip vom „Tellerwäscher zum Millionär“. Und die saarländische schon dreimal nicht!

Das Saarland kann Wandel

Trotzdem wird sich die Wirtschaft verändern – durch die Digitalisierung. Und wie man mit ihr umgeht, wird bestimmen, wie erfolgreich der Wandel ausgeht. Das Saarland kann Wandel. Das hat es wieder und wieder bewiesen. Das Saarland kann auch Digitalisierung, das zeigen ein Michael Backes, ein Wolfgang Wahlster und eine Jana Koehler mit Exzellenz. Deshalb aber zu glauben, man könne in einem Wettrennen zum IT-Olymp, das die USA und andere Länder mit Jahrzehnten Vorsprung unter völlig anderen Voraussetzungen begonnen haben, an der Spitze mitlaufen, ist zu viel gewollt.

Es braucht klare Kompetenzen und Ansprechpartner für den Mittelstand

Gefühlt gibt es im Saarland unzählige Beratungsgremien, Netzwerkangebote und Kommissionen in Ministerien und Institutionen. In den darüber diskutiert wird „Was macht die Digitalisierung mit uns?“ Das ist nicht zielführend Es braucht klare Kompetenzen und Ansprechpartner für den Mittelstand, die nicht nur erklären wie spitze unserer Forschung ist, sondern verstehen, was die Unternehmen von der Digitalisierung erwarten und am Ende auch gewinnbringend vermarkten können. Das schafft am Ende Wachstum und lässt Visionen zu greifbaren Erfolgen werden.

Ein Kommentar von Florian Mayer


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