Thementag Saarland digital: Der Stand der Dinge

Der Stand der Dinge

SR Thementag Saarland digital

Florian Mayer   14.03.2019 | 12:45 Uhr

Das Thema Digitalisierung hat für die Politik im Saarland eine ganz besondere Bedeutung. Ministerpräsident Tobias Hans hat das Thema zur Chefsache erklärt und zahlreiche Experten in die Staatskanzlei geholt, um das Saarland zum Spitzenreiter bei Innovationen und der Digitalisierung in Deutschland, wenn nicht sogar europaweit zu machen. SR-Reporter Florian Mayer hat nachgeforscht, wie der Stand der Dinge ist.

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Thementag Saarland digital: "Wir müssen auch als Forschungsstandort brillieren!"
Audio [SR 3, (c) SR 3 Florian Mayer, 14.03.2019, Länge: 02:02 Min.]
Thementag Saarland digital: "Wir müssen auch als Forschungsstandort brillieren!"

"In Zukunft wird das Saarland an der Spitze stehen - bei allem, was mit IT und Digitalisierung zu tun hat". Seit einem Jahr ist dieses Versprechen von Ministerpräsident Tobias Hans ein fester Baustein in seinen Reden. Große Worte, bedenkt man, wo das Saarland in Sachen Digitalisierung und Innovationen aktuell steht.

Der Stand der Dinge

Der diese Woche erschienene Digitialisierungsindex des Fraunhofer-Instituts plaziert das Saarland im Bundesvergleich auf Platz 9. Das ist nicht schlecht, aber bei Weitem nicht spitze. Man bewege sich deutschlandweit inzwischen auf einem guten Mittelplatz, nennt das Hans. Bei den öffentlichen Investitionen in die Forschungslandschaft habe man sich verbessert - letztendlich auch durch die CISPA-Investionen.

Wirklich gut war und ist die Ausgangslage für das Saarland nicht. Bereits 2016 kam die Staatskanzlei zu dem Ergebnis, dass die Rahmenbedingungen für die Digitalisierung im Land nicht die besten sind. Kaum Investitionen in Forschung und Entwicklung. Verschwindend geringe Summen an Wagniskapital für saarländische Start-Ups. Seit Jahren mehr Unternehmensabmeldungen als Anmeldungen.

Nicht mal ein Prozent der gesamten Patentanmeldungen in Deutschland kommt aus dem Saarland. Das Problem sei, dass im Saarland zu wenig große Unternehmen ihren zentralen Sitz hätten, sagt Hans. Das bedeute einen Nachteil im Hinblick auf die Steuereinnahmen im Land. Hinzu komme, dass die meisten Unternehmen ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen am Hauptsitz ihres Unternehmens konzentrierten. Um das zu durchbrechen müsse viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Immerhin: mit dem Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und Cybersichereit von ZF, kann sich die Landesregierung mit diesen 100 neuen Arbeitsplätzen im zukunftssicheren Spitzenforschungsbereich schon mal einen Erfolg auf die Fahnen schreiben.

Zu wenig Technologietransfer in den Mittelstand

Trotzdem. Das Saarland ist eher Produktionsland, verlängerte Werkbank. Kleine und mittelständische Unternehmen sind die Wirtschaftsmotoren hier und die können sich meist keine eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen leisten, die die Zukunftstechnologie von morgen entwickeln. Sich dafür bei den saarländischen Hochschulen bedienen, könnte die Lösung sein. Das sieht auch Ministerpräsident Hans so. Es finde zu wenig Technologietransfer von den Hochschulen in das mittelständische produzierende Gewerbe statt. "Das müssen wir verbessern", so Hans. Und da scheint sich auch etwas zu bewegen: Ein Mittelstands-Kompetenzzentrum an der HTW und ein Innovation-Center an der Uni sollen in diesem Jahr noch kommen und es richten. Es sind nicht die ersten und auch sicher nicht die letzten Einrichtungen dieser Art.

Das Problem der Finanzierung

Und dann ist da noch diese Sache mit dem lieben Geld. Nur wer private Investoren überzeugen kann, hier richtig viel Geld in Start-Ups und Spin-Offs reinzustecken, wird in ein paar Jahren in Sachen KI, autonomes Fahren und Cybersicherheit ganz vorne mitspielen. Zuständig für diese Mammut-Aufgabe ist in der Staatskanzlei der Innovationsbeauftragte Ammar Alkassar. Aus eigener Erfahrung weiß er: Gründen klappt im Saarland. Das große Problem seien vielmehr die nachfolgenden Wachstumsstufen. Zehn, 20, 25 Millionen für Investitionen - für solche Größenordnungen gebe kaum Fonds. In den USA oder Großbritannien sei das anders. Dort gebe es Mittel in dieser Größenordnung und auch die Erfahrung, wie man damit umgeht. Ein Strukturnachteil für Deutschland - so Alkassar.

Ein Saarlandfonds soll es nun richten. Private Geldgeber sollen dort einzahlen und somit saarländische High-Tech-Ideen unterstützen. Verhandlungen, wer Einzahler werden könnte, gibt es laut Hans und Alkassar - konkrete Namen aber noch nicht.

Somit bleibt es vorerst bei ersten Achtungserfolgen wie dem ZF-Forschungszentrum, dem CISPA oder der Symantec-Ansiedlung.


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Saarland digital!?
Industrie 4.0, digitale Schule oder Internet der Dinge. Schlagworte für die Digitalisierung im Saarland gibt es viele. Doch was genau bedeuten diese Schlagworte? Und vor allem: Wie sieht es bei uns im Saarland aus? Auf diese Fragen wollen wir Antworten geben und hinter die Schlagworte schauen. Dorthin, wo es im Saarland wirklich digital zugeht, aber auch dorthin, wo wir noch aufzuholen haben.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 14.03.2019 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.