Tippschein - Audio (Foto: dpa/SR)

Das Ringen um den neuen Glücksspielstaatsvertrag

Sarah Sassou   06.12.2019 | 12:45 Uhr

Auf dem Halberg in Saarbrücken befindet sich das Lottostudio, in dem mittwochs und samstags die Glückszahlen gezogen werden. Doch viele warten schon längst nicht mehr auf die beiden wöchentlichen Ziehungen, denn im Internet gibt es inzwischen fast unendlich viele Glücksspielanbieter. Und um diesen undurchsichtigen Markt zu lenken, beraten die Länder zurzeit über eine Neuerung des Glücksspielstaatsvertrags. Die Chefs der 16 staatlichen Lottoanstalten haben dazu recht klare Vorstellungen.

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Lottochefs beraten über Onlinekonkurrenz
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 06.12.2019, Länge: 03:09 Min.]
Lottochefs beraten über Onlinekonkurrenz

Das Lottostudio auf dem Saarbrücker Halberg: Die Kugeln rollen und die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer der 16 deutschen Lottoanstalten schauen zu. Der Jackpot wird an diesem Abend nicht geknackt. Das bedeutet: Bei der nächsten Ziehung geht es um elf Millionen Euro. Das ziehe die Glücksspieler besonders an, sagt der Geschäftsführer von Saartoto, Michael Burkert. Aber die Umsätze könnten durchweg besser sein.

Glückspiel im Internet

Land & Leute
Das Spiel mit der Sucht
Glücksspiel in Deutschland ist ein Gewinn – zumindest für die Anbieter. Sie verdienen jedes Jahr Milliarden Euro, auch auf Kosten hunderttausender Glücksspielsüchtiger. Was die Sucht für die Betroffenen bedeutet und mit welchen Tricks die Branche weiter wachsen will, zeigt Jonathan Janoschka in seinem Feature am Sonntag um 12.30 Uhr auf SR 3 Saarlandwelle. Im Anschluss auch als Podcast.

Die Konkurrenz - vor allem im Internet - ist groß, aber "wir sind diejenigen, die sich an die gesetzlichen Rahmenbedingungen halten", sagt Burkert. "Wir machen keine aufreizende Werbung, wir sind sehr zurückhaltend im Fernsehen." Man könne nicht alles machen, was dem Markt diene. Glückspiel sei nun mal gefährlich.

Den Lottotipp im Internet abzugeben ist mittlerweile zwar erlaubt, aber andere Online-Angebote kommen dem erlebnisorientierten und vor allem zeitlich unabhängigen Bedürfnis jüngere Menschen offenbar mehr entgegen. Aber diese Angebote sind nicht immer legal, der Markt sei in vielen Teilen völlig unkontrolliert, sagt Burkert. Deswegen müsse die Neuregelung des Glücksspielstaatsvertrages her.

Die Casino-Welt

Casino (Foto: pixabay / kalhh)

Bei den staatlichen Casinos finde beispielsweise eine sehr umfangreiche Eingangskontrolle statt und Spieler mit Suchtproblemen könnten gesperrt werden, sagt der Saarbrücker Lottochef. Bei Online-Casinos wäre das schwierig umzusetzen.

Aber nicht nur zu diesem Thema gab es beim Glücksspielstaatsvertrag immer wieder Streit. Private Glücksspielanbieter sehen sich gegenüber den staatlichen Spielbanken im Nachteil. Außerdem muss er mit europäischem Recht einhergehen.

Weil die Neuregelung noch nicht ausformuliert sei, gebe es noch eine Chance, Vorschläge einzubringen, sagen die Chefs der 16 deutschen Lottoanstalten.

Das staatliche Glückspiel

Bei dem Treffen in Saarbrücken haben sie noch einmal betont, wie wichtig sie als staatliche, kontrollierte Glückspielanbieter seien. In den letzten fünf Jahren seien allein 207 Millionen Euro in die Sport- und Kulturförderung sowie soziale Projekte geflossen, sagt Peter Jacoby von Saartoto. Um dies weiterhin leisten zu können, wollen die Lottochefs verhindern, dass privat betriebene Online-Casinos in Deutschland erlaubt werden.

2021 läuft der Glücksspielstaatsvertrag aus. Bis dahin müssen sich die Länder und der Bund auf eine Neuregelung geeinigt haben.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 06.12.2019 auf SR 3 Saarlandwelle

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