Jürgen Todenhöfer (2.v.l.), Sarah Wagenknecht und Oskar Lafontaine (rechts) (Foto: Martin Sommer)

Linken-Diskussion mit Todenhöfer

Oliver Buchholz / Onlinefassung: Axel Wagner   10.05.2019 | 12:45 Uhr

„Die große Heuchelei“ heißt das Buch von Jürgen Todenhöfer, in dem der ehemalige CDU-Abgeordnete über Kriege und die angeblich dahinterstehenden Interessen schreibt. Dafür hat er viele Kriegsgebiete besucht. Am 9. Mai gab es vor rund 700 Zuhörern eine Lesung daraus in der Saarbrücker Garage, anschließend eine Diskussion mit Sarah Wagenknecht.

Die Interessen Amerikas führten zu Kriegen, Russland sei der bessere Verbündete, aktuelle deutsche Kriegsbeteiligungen seien eine Gefahr für die Demokratie, so die Thesen des Juristen, CDU-Mitglieds und Buchautors Jürgen Todenhöfers. „Die Tatsache, dass der Bevölkerung nicht die Wahrheit über unsere Kriege gesagt wird, dass wir ihnen vortäuschen, wir würden für Menschenrechte und Demokratie kämpfen, die gefährdet die Demokratie.“, sagt der Autor.

Diskussion mit Todenhöfer und Wagenknecht
Audio [SR 3, Oliver Buchholz, 10.05.2019, Länge: 03:12 Min.]
Diskussion mit Todenhöfer und Wagenknecht

Todenhöfer: "Märchen" über Kriege

Im Bundestag, sagte Todenhöfer, habe man gesagt, man wolle afghanischen Schulmädchen helfen, wieder in die Schule zu gehen. „Und dadurch, dass man solche Märchen erzählt, schaltet man die Bevölkerung von der politischen Meinungsbildung aus, weil die gar nicht weiß, warum der Krieg geführt wird.“

Die „Wahrheit“ ist für Todenhöfer, dass Kriege nicht geführt werden, um Werte zu vermitteln oder Demokratie zu bringen, sondern ausschließlich aus Eigeninteresse der eingreifenden Staaten, meist wirtschaftlicher Art. „Wir haben uns zuletzt beteiligt an der Bombardierung, von Städten im Irak und in Syrien - auch Deutschland durch Aufklärung - und haben dabei 20.000 Zivilisten getötet, alleine in Mossul“, sagt Todenhöfer. „Das ist doch keine Bekämpfung des Terrorismus. Das ist eine Ungerechtigkeit, und durch Ungerechtigkeiten entsteht noch mehr Terrorismus.“, meint der Jurist.

Bei der Podiumsdiskussion mit dabei: Linken-Politikerin Sarah Wagenknecht. Der Auftritt zusammen mit CDU-Mitglied Todenhöfer sei keineswegs neue Wahlkampfstrategie ihrer Partei. „Ich finde, die Aufklärung, die er leistet, indem er einfach darüber berichtet, was er dort sieht, ist eine großartige Arbeit.“ Man sei in der ein oder anderen Frage vielleicht unterschiedlicher Meinung, so Wagenknecht, bei Krieg und Frieden sei das aber nicht so. Von einer Diskussion konnte nicht die Rede sein. Todenhöfer, Wagenknecht und der Moderator des Podiums, Oskar Lafontaine (Linke), waren fast ausschließlich einer Meinung.

Kritik an Berichterstattung

Thema waren auch die Medien. Leitmedien würden Wahrheiten vertuschen, sich mit Regierungen gemein machen und damit Kriege fördern, so Wagenknecht. „Ich erinnere mich noch gut, als der Krieg gerade in seiner schlimmsten Phase war, da wurde sehr viel berichtet über das Morden und Bomben in Aleppo, was ja auch barbarisch war, überhaupt keine Frage. Aber dass das Gleiche von den westlichen Truppen in Mossul und in Rakka stattfand, das wurde völlig ausgeblendet. Und ich finde, Journalisten haben eben auch die Aufgabe, solche Verbrechen anzuprangern.“

Über dieses Thema hat auch die SR 3 "Region am Mittag" vom 10.05.2019 berichtet.

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