Grubenwasser des Bergbaustollens in Landsweiler (Foto: SR)

Grubenwasser - Wie steht's um die geplante Flutung?

mit Informationen von Yvonne Schleinhege   16.03.2022 | 10:35 Uhr

Wasser im Saarland - dazu gehört auch das Dauerthema Grubenflutung. Eigentlich sollte Phase 1 längst angelaufen sein. Doch es gibt Widerstand. Zum Thementag #unserwasser fassen wir den Stand der Dinge zusammen.

Seit 10 Jahren ist der Bergbau im Saarland Geschichte, doch das Grubenwasser bleibt eine Ewigkeitsaufgabe. Und es ist ein Streitthema. 30 Gemeinden im Saarland mit über 600.000 Bewohnern sind direkt von Grubenwasseranstieg betroffen. Formal ist der Teilanstieg auf minus 330 Meter unter Normal Null genehmigt. Doch vorerst muss das Grubenwasser weiter gepumpt werden, weil es dutzende Widersprüche gibt.

Kostenfaktor Pumpen

#unserwasser: Der Streit um das Grubenwasser
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 16.03.2022, Länge: 03:10 Min.]
#unserwasser: Der Streit um das Grubenwasser

Die Wassergärten am ehemaligen Bergwerk Reden. Zwölf bis fünfzehn Millionen Kubikmeter Grubenwasser werden allein hier pro Jahr hochgepumpt. Der Bergbaukonzern RAG will die Pumpen abstellen, vor allem, um Kosten zu sparen. Rund 18 Millionen Euro kostet das Pumpen unter Tage Jahr für Jahr.

Man habe den Auftrag, die Wasserhaltung so kostenkünstig wie möglich zu machen, heißt es bei der RAG bereits 2012. Im August 2017 schließlich stellt die RAG den Antrag, das Grubenwasser auf Minus 320 Meter ansteigen zu lassen. Häufig beschrieben als sogenannte Phase 1.

Widerstand gegen Grubenwasseranstieg

Doch von Beginn an formiert sich Widerstand: die Grünen, Umwelt- und Naturschutzverbände, der Verein der Bergbaubetroffenen, der neu gegründete Verein proH2O und einzelne Bürgermeister äußern sich kritisch, warnen vor Risiken, vor allem für das Trinkwasser.

Auch eine Umfrage aus dem vergangenen Herbst zeigt deutlich: die Saarländer sind gespalten, was den Grubenwasseranstieg angeht. 54 Prozent der Saarländer halten laut einer Umfrage von Infratest dimap eine Grubenflutung für falsch. Dafür sind lediglich 17 Prozent.

Sorge um Trinkwasser und Umweltschäden

Der Streit um das Grubenwasser zieht sich seit Jahren. Es geht vor allem um die Risiken für das Trinkwasser. Aber auch um mögliche Erschütterungen oder Ausgasungen. Es folgen Gutachten um Gutachten.

Von politischer Seite wird immer wieder betont: Es gelte bei der rechtlichen Bewertung, Schäden für Mensch und Umwelt und auch Gefährdungen des Trinkwassers auszuschließen, so Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger.

Das Problem: Im Grubenwasser befinden sich nicht nur Salze und Eisen, sondern auch das als krebserregend eingestufte PCB. Auch das sei eine Gefahr für das Trinkwasser, fürchten die Kritiker.

Wie gefährlich ist eine Grubenflutung?

In einem zentralen Gutachten des Grundwasserforschungszentrum Dresden aus dem Sommer heißt es schließlich: "Für die Flutungsphase 1 (bis -320 mNN) werden in den vorliegenden untersetzenden Gutachten die Risiken im Hinblick auf die Gefährdung von gegenwärtig genutzten Grundwasserleitern (sog. Hauptgrundwasserleiter) durch das Ansteigenlassen des Grubenwassers als gering eingeschätzt."

Das ist wichtig für eine mögliche Phase 2. Diese wurde aber bisher nicht beantragt. Denn: Für das komplette Ansteigen des Grubenwassers sieht das Gutachten durchaus Gefahren für das Trinkwasser.

Entscheidung frühstens 2023

Bisher ist aber nur Phase 1 beantragt: Kurz danach trifft das Oberbergamt schließlich die Entscheidung. Der Grubenwasseranstieg bis auf minus 320 Meter wird genehmigt, wenn auch unter Auflagen, betont Umweltminister Reinhold Jost. Ein Monitoring-Prozess solle den Anstieg überwachen, kontrollieren und ein schnelles Eingreifen ermöglichen.

Doch gegen die Entscheidung gibt es Widerspruch – über 100 beim Oberbergamt. Dazu etwa Dutzend sogenannte Normenkontrollklagen beim Oberverwaltungsgericht. Die Deutsche Bahn, der Verein H2O und auch Gemeinden und Städte haben Klage eingereicht.

Mit einer gerichtlichen Entscheidung wird frühestens 2023 gerechnet. So lange laufen die Pumpen.



Thementag #unserwasser

ARD-weiter Thementag am 16. März 2022
#unserwasser
Sauberes Wasser ist lebensnotwendig. Die Vereinten Nationen haben deshalb den Zugang zu sauberem Wasser zum Menschenrecht erklärt. Doch was bei uns so selbstverständlich aus dem Wasserhahn kommt, ist alles andere als selbstverständlich. Sauberes Wasser ist vielerorts ein kostbares Gut, das nicht verschwendet werden darf. Und Wasser ist auch eine Ware, mit der sich viel Geld verdienen lässt.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 16.03.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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