An einem Haltegriff eines Pflegebettes in einem Seniorenheim hängt ein weißes Deko-Herz an einem roten Band. (Foto: Jonas Güttler/dpa)

"Steuert der Bund nicht gegen, werden Pflegeplätze noch teurer"

Interview: Simin Sadeghi / Jürgen Stenger   05.05.2021 | 13:11 Uhr

Wohnen im Pflegeheim ist teuer. Derzeit müssen saarländische Bewohnerinnen und Bewohner knapp 2600 Euro aus eigener Tasche bezahlen. Jürgen Stenger, dem Geschäftsführer der Saarländischen Pflegegesellschaft sagte dazu im SR-Gespräch, sofern die Bundesregierung den Eigenanteil nicht deckele, werde es wahrscheinlich noch teurer.

"Wenn die Bundesregierung nicht gegensteuert, werden Pflegheimplätze noch teurer"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi / Jürgen Stenger, 05.05.2021, Länge: 03:49 Min.]
"Wenn die Bundesregierung nicht gegensteuert, werden Pflegheimplätze noch teurer"

Das Saarland liegt seit zehn Jahren im Ländervergleich an der Spitze, wenn es um den Eigenanteil für die stationäre Pflege geht. Als einen Grund für die hohen Kosten nennt Stenger den hohen Personalschlüssel, der im Bundesvergleich überdurchschnittlich hoch sei. Erstmalig seien zum 1. Januar 2000 verbindliche "Mindestpersonal-Anhaltszahlen" vereinbart worden. Damit ist das Verhältnis von Pflegekräfte zu Bewohnern gemeint. Rund 70 Prozent der Heimkosten, so Stenger, werden von den Personalkosten bestimmt. Mehr Personal bedeute somit höhere Heimkosten.

Die zweite Besonderheit im Saarland betrifft die Ausbildung. Laut Stenger wurde die Zahl der Ausbildungsplätze im Bereich der Altenpflege mehr als verdoppelt. "2011 waren es 700, 2020/21 waren es 1500". Auch hier gelte die Regelung, dass die Ausbildungsvergütungen im Pflegesatz enthalten seien, somit also von den Pflegebedürftigen gezahlt werden. Und es werden, so Stenger, noch weitere Ausbildungsplätze dazu kommen. Die Verdoppelung reiche nämlich noch nicht. Der Eigenanteil werde also weiter steigen.

"Irgendwann nicht mehr finanzierbar"

Stenger sieht ein Dilemma. Spätestens in zwei Jahren werde es ein neues System der Personalbemessung geben, das nach seinem jetzigen Kenntnisstand ebenfalls zusätzliches Personal in den Heimen zur Folge haben wird. Wenn es auf Bundesebene keine Deckelung des Eigenanteils gebe, werde das alles irgendwann nicht mehr finanzierbar sein. Stenger machte deutlich: "Jegliche Kostensteigerung, die durch qualitätsverbessernde Maßnahmen verursacht ist, geht zu Lasten der Heimbewohner, und wenn sie es selbst nicht mehr zahlen können, zu Lasten des Sozialhilfeträgers."

Die Forderung nach einer Deckelung der Eigenanteile habe die Saarländische Pflegegesellschaft schon vor zehn Jahren formuliert. Damals sei bereits abzusehen gewesen, dass alle strukturverbessernde Maßnahmen in letzter Konsequenz von den Bewohnern zu zahlen sind. Das dürfe nicht hingenommen werden. Stenger mahnte daher "dringenden Handlungsbedarf" an.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 05.05.2021 berichtet.

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