Fahne mit dem Logo der Gewerkschaft IG Metall (Foto: dpa/Lino Mirgeler)

Die Tarifbindung bröckelt auch im Saarland

Karin Mayer   21.10.2020 | 13:25 Uhr

Die Arbeitszeit, der Lohn, den Urlaub, das alles regelt ein Tarifvertrag. Um die Jahrtausendwende haben zwei Drittel der Beschäftigten von so einer Regelung profitiert. Heute ist es nur noch die Hälfte. Im Saarland ist die Tarifbindung mit 57 Prozent verhältnismäßig hoch, aber auch das ist rückläufig. Corona könnte das noch beschleunigen.

Die Tarifbindung sinkt im Saarland seit Jahren
Audio [SR 3, Karin Mayer, 21.10.2020, Länge: 03:20 Min.]
Die Tarifbindung sinkt im Saarland seit Jahren

Die Tarifbindung im Saarland sinkt immer mehr. Für die Arbeitnehmer bedeutet das vor allem: weniger Sicherheit. Ralf Reinstädtler von der IG Metall Homburg bringt es auf den Punkt: "Im Saarland gehen gerade Tausende Jobs in großen Betrieben verloren. Sie alle sind tarifgebunden, und das führt dazu, dass die Anzahl der Mitarbeiter mit Tarifvertrag im Saarland abnimmt."

Die Tarifbindung schrumpft ohnehin seit Jahren im Durchschnitt um ein Prozent pro Jahr. Für die Beschäftigten macht das einen großen Unterschied, erklärt Malte Lübker vom gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Institut. Die Arbeitsbedingungen in den tariflosen Betrieben seien schlechter als in den tarifgebundenen. Zum Beispiel gebe es eine deutlich längere Arbeitszeit, wenn der Tarifvertrag fehle. Auch die Entgelte seien dann deutlich niedriger.

Weniger Sicherheit für Arbeitnehmer

Zwar entstehen gleichzeitig auch neue Arbeitsplätze, in kleinen Betrieben fällt es Gewerkschaften aber schwerer, Mitglieder zu gewinnen. Darum gebe es in den neu gegründeten Betrieben deutlich niedrigere Tarifbindung als in den alten. Ganze Branchen in Deutschland haben sich bereits von der Tarifbindung entfernt. Auch im Fall von Personalabbau sei das ein großer Nachteil, sagt Ralf Reinstädtler.

Auch die Arbeitgebervereinigung BDA wirbt für mehr Tarifbindung. Allerdings fordern die Arbeitgeber mehr Öffnungsklauseln in Tarifverträgen. Unternehmen sollen die Möglichkeit haben, nur Teile des Tarifvertrags auszuwählen. Die Gewerkschaften ziehen dagegen allgemeinverbindliche Tarifverträge vor, zum Beispiel für den Handel. Die Gewerkschaft "Nahrung Genuss Gaststätten" hat bereits einen Vorstoß für die Gastronomie im Saarland gemacht und ist damit gescheitert.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 21.10.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja