Integration im Arbeitsmarkt im Saarland erfolgreich (Foto: SR)

Keine Ausbildungserlaubnis trotz dringendem Bedarf

Tag des Flüchtlings: der Fall Ossman

Lisa Krauser   02.10.2020 | 12:15 Uhr

"Lasse ma se schaffe" - so heißt eine Plakatkampagne des Saarländischen Flüchtlingsrats. Die Botschaft ist klar: Flüchtlinge sollen hier arbeiten dürfen. Aber das ist oft gar nicht so einfach. Die rechtlichen Hürden sind hoch - vor allem bei Geflüchteten, die nur geduldet sind, also eine Abschiebung nur ausgesetzt ist. Auf dieses Problem will der Flüchtlingsrat am "bundesweiten Tag des Flüchtlings" aufmerksam machen - mit dem Fall von Nour Eldin Ossman aus dem Sudan. Er hatte einen Ausbildungsplatz, den er aber nicht wahrnehmen darf.

Audio

Tag des Flüchtlings: der Fall Ossman
Audio [SR 3, Lisa Krauser , 02.10.2020, Länge: 03:05 Min.]
Tag des Flüchtlings: der Fall Ossman

Nour Eldin Ossman ist vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen. Seine Heimat ist die Krisenregion Darfur im Westen des Sudan - ein autokratisch regiertes Land. Gewalt und Krieg kennt Ossman seit seiner Kindheit. Mit 17 beschließt er, zu flüchten. Sein Ziel: Europa.

Ossman will in Deutschland so schnell es geht eine Ausbildung machen und eigenens Geld verdienen. Aber: Die Erwartungen des heute 22-Jährigen werden enttäuscht. Sein Asylantrag wird abgelehnt. Damit ist er ausreisepflichtig. Aber: Ossman hat keine Ausweisepapiere; er sagt, die habe er noch nie besessen - so wie die meisten Menschen im Sudan. Ohne Pass darf er nicht abgeschoben werden. Ohne Pass darf er aber auch keine Ausbildung machen.

Keine Ausbildungserlaubnis trotz dringendem Bedarf

Auch Pascal Theis hat kein Verständnis für die Entscheidung der Ausländerbehörde. Er ist Inhaber einer Saarbrücker KFZ-Werkstatt und sucht händeringend gute Azubis. Nach einem Praktikum war er von Ossman begeistert. Umso ärgerlicher, dass er ihn nicht ausbilden darf: "Er hätte seine Ausbildung schon nächstes Jahr fertig und wir könnten heute schon garantieren, dass wir ihn danach auch übernehmen würden. Das heißt, er wär beschäftigt, er wäre ein Steuerzahler, er würde seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten, was er ja will. Aber diese Möglichkeit wird ihm genommen", sagt Theis.

Das Innenministerium begründet die Ablehnung des Antrags auf Aubsildungsduldung damit, dass Ossman seiner Mitwirkungspflicht zur Klärung seiner Identität nicht ausreichend nachgekommen sei.

"Er hat alles gemacht, was man machen kann"

Peter Nobert vom saarländischen Flüchtlinsrat betreut den Fall Osman und kann diese Begründung nicht verstehen. Ossman habe alles Mögliche getan, um an Papiere zu kommen. Er sei bei der Botschaft in Berlin gewesen, wo ihm gesagt wurde, dass er für einen Pass in den Sudan müsse. Das gehe aber nicht ohne Pass. Die Vertrauensanwälte der Botschaft im Sudan hätten auf Anschreiben nicht reagiert, ebensowenig wie die Botschaft in Brüssel. "Er hat alles gemacht, was man machen kann", sagt Nobert.

Der Flüchtlingsrat fordert, dass die Ausländerbehörde individueller hinschaut. Osman hat beim Verwaltungsgericht geklagt, damit er seine Ausbildung doch noch machen darf und ein eigenständiges Leben in Deutschland führen kann.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 02.10.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja