Kaninchen Snow bei der Fütterung im Tierheim. (Foto: SR/Lena Schmidtke)

Fundament der Gesellschaft und Seele der Demokratie

Lena Schmidtke   05.12.2020 | 11:00 Uhr

Der 5. Dezember ist der Tag des Ehrenamtes. Im Saarland ist jeder Zweite ehrenamtlich tätig. SR 3-Reporterin Lena Schmidtke hat Ehrenamtlern und Ehrenamtlerinnen über die Schulter geschaut: Im Tierheim, bei der Telefonseelsorge und hat mit einem Sozialwissenschaftler darüber gesprochen, wie viele staatliche Aufgaben ehrenamtlich übernommen werden.

Tag des Ehrenamtes.
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 05.12.2020, Länge: 06:43 Min.]
Tag des Ehrenamtes.

Die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler haben sich nicht nur heute ein dickes Danke verdient. Sie gehören wahrscheinlich auch zu den Menschen, die ehramtlich tätig sind; und wenn nicht Sie, dann sind es vielleicht Ihr Mann oder Ihre Frau, eines Ihrer Kinder oder Ihre Nachbarn: Menschen, die Essen für ältere Menschen ausfahren, Kindern beim Lernen helfen oder sie auf dem Sportplatz trainieren, bei Wahlen im Wahllokal aushelfen, mit der Freiwilligen Feuerwehr ausrücken oder mit dem Tierheimhund Gassi gehen. Für rund die Hälfte der Saarländerinnen und Saarländer gehört ehrenamtliches Engagement einfach zu ihrem Leben dazu.

Kaninchen Snow bei der Fütterung im Tierheim. (Foto: Lena Schmidtke)
Kaninchen Snow bei der Fütterung im Tierheim.

Im Berta-Bruch-Tierheim in Saarbrücken ist Fütterungszeit: Die Kaninchen warten in ihrer Box schon auf die 21-jährige Laura. Darunter ist auch das Langhaar-Kaninchen Snow. Zwei- bis dreimal pro Woche hilft Laura bei den Kleintieren aus: Sie wäscht, schnibbelt und raspelt Gemüse für Kaninchen, Meerschweinchen & Co. Rund anderthalb Stunden ist sie immer vor Ort, ihre Arbeit ist ziemlich entspannt, zeigt aber: auch mit kleinem Aufwand kann Großes bewirkt werden. Denn ohne sie und die anderen 40 ehrenamtlichen Helfern würde im Berta-Bruch-Tierheim nichts laufen.

Antonia hilft seit 15 Jahren bei der Telefonseelsorge mit. Da sie anonym bleiben will, hat die Redaktion ihren Namen geändert. Für Antonia bedeutet ihre ehrenamtliche Arbeit: „Bei jemandem an der Seite zu stehen, Verständnis zu vermitteln, zuzuhören.“ Mal ruft ein Mann wegen Mobbing am Arbeitsplatz an, mal eine alte Dame aus Einsamkeit, mal eine Mutter wegen eines Streits mit ihrem Sohn. Antonia hört zu. Die Probleme kann sie nicht lösen. Aber darum geht es bei der Telefonseelsorge gar nicht, sondern darum, den Menschen Halt zu geben, ihnen zu zeigen, dass sie verstanden werden. "Dann bin ich total zufrieden.“

"Stolz sein auf dieses Engagement"

Der Sozialwissenschaftler Dieter Filsinger von der HTW Saar meint: Ohne die Ehrenamtler wäre das Land oft aufgeschmissen. Etwa bei der Fluchtzuwanderung 2015. Da wären die Kommunen ohne die Ehrenamtlichen überfordert gewesen. Es gebe Bereiche, etwa die Betreuung von älteren Menschen, da sei das gewissermaßen sogar"eingepreist". Viele Menschen engagierten sich auch für ihre eigenen Eltern, wo eigentlich die Institutionen gefragt wären. Da komme es regelmäßig zu Überforderungen.

Darum müsse besonders in der Pflege mehr ausgebildetes Personal her, nur das sei den Anforderungen gewachsen. Das Vereinswesen dagegen könnte auch durch Ehrenamtliche gestemmt werden, meint Dieter Filsinger. „Wir können stolz sein, dass es so ein intensives Engagement gibt. Es ist ein Fundament für die Gesellschaft, obwohl ich mir doch ein stärkeres kommunales Engagement wünschen würde.“

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 05.12.2020 berichtet.

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