Andreas Hoffmann, CEO von Greencells (Foto: Lisa Huth)

Solarpark in Petite-Rosselle auf ehemaliger Bergehalde

Lisa Huth   09.11.2022 | 11:13 Uhr

In einer Senke direkt in der Nähe des Schachts Saint Charles bei Petite Rosselle ist am 9. November ein Solarpark eröffnet worden. Gefeiert wird die Anlage als deutsch-französisches Vorzeige-Projekt für den Strukturwandel.

Nicht weit von der Senke bei Petite-Rosselle entfernt steht noch der Förderturm des Schachts Saint Charles. Hier waren einst viele Männerstimmen zu hören, Bergleute, die ihre Alltagsklamotten in der Kaue aufhängten, um mit Helm, Lampen und schwerer Bergwerkskleidung den Förderkorb herunterzurattern.

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Solarpark in Petite-Rosselle auf ehemaliger Bergehalde
Audio [SR 3, Lisa Huth, 09.11.2022, Länge: 03:52 Min.]
Solarpark in Petite-Rosselle auf ehemaliger Bergehalde

Der Abraum von Saint Charles wurde nicht wie im Saarland auf einer Halde aufgeschichtet, sondern in eine Senke eingefüllt. "Bassin de Schlamms“ heißt das auf Französisch. Und Krach machte das Abladen damals natürlich auch. Heute ist dort nichts zu hören. 60 Reihen Photovoltaikanlagen der Saarbrücker Firma Greencells füllen die Senke aus, jede etwa 100 Meter lang. Dazwischen liegt ein zweigeteilter Absinkweiher.

Umwandlung ehemaliger Montanflächen

Die Saarbrücker Firma Greencells baut Anlagen weltweit. Wegen Corona, sagt Greencells-Chef Andreas Hoffmann, habe das Unternehmen sich wieder mehr in der Region orientiert. Greencells baut im Jahr weltweit Anlagen, die insgesamt rund 500 Megawatt liefern. Dieser Solarpark liefert acht Megawatt, ist also ein vergleichsweise kleines Projekt.

Andreas Hoffmann denkt aber weiter. Auch der Absinkweiher soll mit schwimmenden Solarpanelen genutzt werden. Daran werde derzeit geforscht. Dann könnten nochmal vier Megawatt hinzukommen. Strukturwandel sei das, weil dabei ehemalige Montanflächen umgewandelt würden, so Hoffmann: "Wir nehmen ja der Natur und Landwirtschaft nichts weg, sondern wir nutzen Brachflächen, um sie nochmal in Wert zu bringen."

Strom für 3500 Haushalte

7,5 Millionen Euro wurden investiert, 40 Prozent davon kommen von Bürgern aus Petite-Rosselle. Die Bürgerbeteiligung ist in Frankreich gesetzlich vorgeschrieben. Am Solarpark verdienen also auch die Menschen im Ort. 3500 Haushalte können mit Strom versorgt werden.

Europäische Sonderwirtschaftszone

Hoffmann und seine Leute wollen aber noch mehr. Einen grenzüberschreitenden Park nachhaltiger Energien bis zur Verbrennungsanlage in Velsen, die genau auf der anderen Seite in Deutschland ist: "Velsen produziert ja heute schon Elektrizität, das soll ausgeweitet werden. Wir haben hier den Solarpark. Wenn man sich das von oben anguckt: Auf der anderen Seite gibt’s eine Sandgrube und nochmal eine Bergehalde, dazu der Absinkweiher. Da haben wir Pläne, eine europäische Sonderwirtschaftszone Energie zu machen."

Wieder Solarmodule, made in Saarland

Es sollen also verschiedene nachhaltige Energiequellen grenzüberschreitend genutzt werden, um die Bevölkerung zu versorgen. "Das wird von der EU auch gefördert. Da verwischen die Grenzen zwischen Deutschland und Frankreich und man arbeitet gemeinsam am Klimaschutz." Die Planungen haben, so Hoffmann, bereits begonnen.

Auch das ist nicht alles. In den vergangenen 20 Jahren ist die Produktion von Solarmodulen in Deutschland völlig den Bach runter gegangen. Die heutigen kommen alle aus China, auch die für den Solarpark von Petite Rosselle. Hoffmann arbeitet mit seiner Firma jetzt auch daran, wieder Module in Deutschland zu bauen. "Standortmäßig ist das Saarland sogar sehr geeignet."

Ein Grund sind eben auch die Probleme bei den Lieferketten. Diese zeigen auf, so Hoffmann, wie wichtig es sei, notwendige Materialien direkt vor Ort zu haben: "Dann ist so eine eigene Solarzellenproduktion natürlich Gold wert."

Ein Thema am 10.11.2022 in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle

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